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| 19:07 Uhr

Veranstaltung
Super-Mario vollbringt sein Meisterwerk

Es war einmal: der Milchladen von Rosa Hedel. Ein Bild im gut besuchten Festumzug am Sonntag.
Es war einmal: der Milchladen von Rosa Hedel. Ein Bild im gut besuchten Festumzug am Sonntag. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Kleinleipisch. Der Festumzug mit 44 Bildern ist der Höhepunkt der Kleinleipischer 600-Jahr-Feier. Heimatbuch zum Jubiläum erschienen. Von Torsten Richter-Zippack

Kleinleipisch hat rund 800 Einwohner. Und 300 Menschen haben den großen Festumzug zur 600-Jahr-Feier mitgestaltet. „O.k., nicht alle sind aus unserem Ort, aber die meisten schon“, sagt Mario Pölchen.

Der junge Mann ist der Cheforganisator des Spektakels. 44 Bilder präsentieren die Ortsgeschichte, die sicherlich weit vor dem Jahr 1418 begann. Aber vor genau sechs Jahrhunderten wurde der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt. „Ein solches Jubiläum ohne Umzug? Für mich undenkbar“, erklärt Mario Pölchen. „Anfangs gab es einige Gegenwehr“, erinnert sich der Protagonist, der auch beim örtlichen Sportverein sowie im Nordclub 1418 mitmischt. „Wenn du einen Umzug willst, musst du diesen eben selbst auf die Beine stellen – das war die Reaktion mancher Leute“, sagt Pölchen.

Gesagt, getan: Der Kleinleipischer mit Leib und Seele habe sich nicht lange bitten lassen. Vor anderthalb Jahren begannen die ersten Vorbereitungen. Und jetzt das Ergebnis, das sich in 44 Bildern durch den Lauchhammeraner Norden schlängelt. „Ich bin mehr als zufrieden“, bilanziert Mario Pölchen stolz. Sein Meisterwerk stößt bei den vielen Gästen auf durchweg positive Reaktionen.

Beispielsweise bei Ortschronistin Gerlinde Michaelis: „Also, was das Dorf hier auf die Beine gestellt hat, verdient allen Respekt.“ Insbesondere Super-Mario findet lobende Erwähnung. Ebenso aber die von Michaelis und ihren Helfern initiierte Ausstellung im alten Kleinleipischer Schulgebäude, das mit seinem markanten Türmchen ein Wahrzeichen des Ortes bildet. Neben der Ortsgeschichte gibt es einen besonderen Hingucker.

„Ich bin von Haus zu Haus gegangen und habe nach alten Bildern von Schulklassen gefragt“, erinnert sich die Heimathistorikerin. Das Ergebnis könne sich mehr als sehen lassen. Rund 40 Jahrgänge des 20. Jahrhunderts sind an den Schautafeln zu bewundern. „Das ist unser Ziel“, erklärt Gerlinde Michaelis, „die Leute sollen herkommen, sich wiedererkennen, ebenso ihre Eltern, Großeltern, weitere Verwandte sowie Freunde und Bekannte.“ Übrigens: Im Jahr 2018 jährt sich die Eröffnung der örtlichen Schule zum 160. Mal. Allerdings steht das Gebäude seit 22 Jahren leer. Demnächst werde mit der Rekonstruktion begonnen. Und anschließend sei eine Dauerausstellung in den historischen Mauern geplant.

Mehr noch: Pünktlich zum Ortsjubiläum ist das Heimatbuch fertiggeworden. Das Werk trägt den Titel „Kleinleipisch – Bilder und Geschichte(n)“. Allerdings ist es nicht streng chronistisch verfasst, sondern enthalte auch viele persönliche Erinnerungen der Einwohner, wie es Michaelis formuliert. „Oder anders gesagt: Die Leute sollen sich darin wiederfinden.“ Seit 20 Jahren sammele die gebürtige Kleinleipischerin Material über ihren Heimatort. „Jetzt gewähre ich den Leuten Einblicke in meine Archive“, sagt Michaelis.

Tief in ihren Archiven haben auch die Sportler des SV Glück Auf Kleinleipisch gekramt. Die Ergebnisse sind an ihrem Umzugswagen zu bewundern. Die alten Fotos zeigen unter anderem jene Mannschaft, die im Spieljahr 1973/1974 den Kreismeistertitel gewann. Oder die strahlenden Sieger des Kreispokals anno 1997. „Nur Mitglieder dieser Erfolgsteams dürfen auf unserem Wagen Platz nehmen“, erklärt Jürgen Berner vom Verein. Mit ein wenig Melancholie denkt der Kicker an die zwölf Jahre der Kleinleipischer in der Fußball-Bezirksklasse zurück. „Diese Zeit kommt nie wieder“, kommentiert Berner. Derzeit kickt die erste Männermannschaft in der 1. Kreisklasse.

Im Umzug fahren auch die Waidmänner des Jagdverbandes Senftenberg mit. Sie haben ihre Jagdhunde mitgebracht, ebenso diverse Tierpräparate. „Wir würden gern auch Wolf und Auerhuhn zeigen, aber leider haben wir keine entsprechenden Modelle“, erklärt Jäger Hans-Joachim Koroll. Denn über Jahrhunderte grenzte Kleinleipisch an den Königlichen Forst Grünhaus, dessen prächtige Auerhähne sich bis zum sächsischen König herumgesprochen hatten. Wölfe sind in Grünhaus indes wieder ansässig. Vielleicht folgen eines Tages die Auerhühner. Im Elbe-Elster-Kreis läuft derzeit die Wiederansiedlung.

In einem weiteren Umzugswagen rollen die originalen Kleinleipischer Konsum-Frauen durchs Dorf. Natürlich fehlt das Schild „Heute Bananen ausverkauft“ nicht. „Tatsächlich gab es zu DDR-Zeiten vielleicht drei bis vier Mal im Jahr die gelben Südfrüchte. Jedes Kind bekam eine Frucht, ebenso jeder Rentner“, erinnert sich Hannelore Holzapfel, die von 1972 bis zur Konsumschließung anno 1992 im Geschäft arbeitete.

Wer beim Festumzug zur Kleinleipischer 600-Jahr-Feier nicht dabei war, habe etwas verpasst, sind sich die allermeisten Zuschauer sicher. Immerhin: „Wir planen ein Video der Veranstaltung“, kündigt Mario Pölchen an. Allerdings sei die Veröffentlichung noch ungewiss.

Hier präsentiert Ortschronistin Gerlinde Michaelis das erste Kleinleipischer Heimatbuch. Sie hat es selbst verfasst.
Hier präsentiert Ortschronistin Gerlinde Michaelis das erste Kleinleipischer Heimatbuch. Sie hat es selbst verfasst. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Ein echter Lanz-Bulldog, Baujahr 1950, tuckerte durchs Dorf.
Ein echter Lanz-Bulldog, Baujahr 1950, tuckerte durchs Dorf. FOTO: Torsten Richter-Zippack