Tausende Kilometer mit umgerechnet nur einem Liter Kraftstoff zurückzulegen, das ist für Prototypenfahrzeuge kein Problem. Nach dem Wasserstoff als Energielieferanten im vorigen Jahr baut die Studentenmannschaft der BTU am Standort Senftenberg dieses Mal auf Batterie und leistungsstarke Gallium-Arsenid-Solarzellen mit 35 Prozent Wirkungsgrad für den Vortrieb. Aus dem bisherigen Fahrzeugnamen LaDy, benannt nach dem Team Lausitz Dynamics, ist inzwischen die SunLaDy geworden.

Trotz der erfolgreich gedrehten Runden auf dem Lausitzring und dem Dekra-Testoval halten sich die Akteure mit Prognosen für den in einigen Tagen beginnenden 30. Shell-Eco-Marathon in den Niederlanden zurück. Die europäische Konkurrenz in den verschiedenen Klassen ist zu stark. Insgesamt gehen 200 Mannschaften an den Start. Deutsche Universitäten, Hochschulen und weitere Bildungseinrichtungen entsenden 20 Teams. Darunter sind zwei aus Brandenburg und nur eines aus Sachsen.

Ein gutes Ergebnis wäre die Krönung der monatelangen Arbeit in den Werkstätten der BTU am Standort Senftenberg. Doch für den Projektbetreuer Prof. Dr. Peter Biegel steht die praxisnahe wissenschaftliche, Entwicklungs- und praktische interdisziplinäre Zusammenarbeit von Studenten dreier Fachrichtungen im Vordergrund.

Von Beginn an unterstützen viele Firmen und Einrichtungen die Fahrzeugentwicklung für den Effizienzwettbewerb. Rund 50 000 Euro müssen stets dafür aufgebracht werden. Seit zwei Jahren ist die Ortrander Eisenhütte mit im Boot. Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock hebt die industrienahe Ausbildung an der Universität hervor. In Ortrand arbeiten bereits vier junge Ingenieure der ehemaligen Hochschule. Darüber hinaus wurden und werden Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten vergeben. Manch ein Projekt sei in dem Unternehmen bereits verwirklicht worden. Wie zum Beispiel der Sanftanlauf für besonders belastete Motoren. Dadurch werden Energie eingespart und der Verschleiß verringert.

Der Großräschener Unternehmer Gerold Schellstede verdient sein Geld in der Lausitz und investiert es hier auch wieder. Warum also nicht in die Forschung und in junge Leute? "Ich freue mich über deren Erfolge", sagt er.

Auch mit 77 Jahren lässt Dr.-Ing. Sokrates Giapapas, ehemaliger Leiter der Fränkischen Rohrwerke in Schwarzheide, nicht in seinem Bemühen als Netzwerker nach: "Ich betrachte die anhaltende Abwanderung der Jugend mit Sorge. Wir müssen alles tun, um sie zu halten." Noch mehr regionale Unternehmen sollten mit der BTU kooperieren und Absolventen einstellen.

Das ist das Stichwort für Senftenbergs Wirtschaftsförderer Frank Neubert: "Auf dem Schwarzen Brett an der BTU suchen viele Unternehmen vor allem aus den alten Bundesländern nach Fachkräften. Mir fehlen die Firmen aus der Umgebung. Noch nicht alle haben den Wettbewerb um die jungen Leute begriffen." Manch ein Unternehmen, so die Annahme des selbst an der Universität Lehrenden, habe offensichtlich Angst, zu viel Gehalt zahlen zu müssen.

Auch die Elektrofachmarktkette Medimax unterstützt das studentische Shell-Eco-Team sächlich und finanziell. "Wir verstehen uns als regionalen Versorger, der sich lokal engagiert", sagt Detlef Reiche, Geschäftsführer der Standorte Cottbus und Senftenberg. Schließlich seien auch die Studenten gute Kunden.

Alle Unterstützer, darunter auch der Förderverein Lausitzring, drücken nun die Daumen für einen erfolgreichen Wettbewerb in den Niederlanden.