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| 02:47 Uhr

Süße Briketts aus Schokoladenpulver

Letzte Handgriffe vor der Eröffnung: Museumspädagoge Martin Baumgart platziert eine Bergbauuniform in der Vitrine.
Letzte Handgriffe vor der Eröffnung: Museumspädagoge Martin Baumgart platziert eine Bergbauuniform in der Vitrine. FOTO: Rasche
Senftenberg. Das hat es so noch nie gegeben im Museum Senftenberg: Vom Ledersessel im Wohnzimmer des Generaldirektors der Ilse Bergbau AG können die Besucher die Bergbaugeschichte der Lausitz hautnah entdecken und vieles selbst ausprobieren. Sie erfahren, wie aus dem Bergbaurevier das heutige Seenland wächst. Aus Schokoladenpulver kann sich jeder ein süßes Brikett selbst pressen. Andrea Budich

Aus dem Büro von Generaldirektor Georg Gottlob Schumann schauen die Besucher auf der einen Seite in einen frühen Tagebau. Das Fenster gegenüber gibt den Blick frei auf den Hinterhof der Ilse-Hauptverwaltung in Großräschen. Im Wandtresor und auf dem schweren Schreibtisch liegen Pläne und Akten aus den Anfangszeiten des Bergbaus in der Lausitz. "Der Traditionsverein Braunkohle Senftenberg hat sie uns zur Verfügung gestellt", macht Museumsdirektor Stefan Heinz neugierig auf einige bisher noch nie öffentlich gezeigte Originaldokumente. Baupläne der Gartenstadt Marga gehören dazu. "Die Besucher können darin blättern und sich wunderbar reindenken in die Anfänge des Bergbaus", erklärt Stefan Heinz ein Anliegen der neuen Dauerausstellung "Erlebnis - Bergbau - Seenland".

Direkt aus dem Wohnzimmer des Generaldirektors schauen die Besucher in den Stollen zum wiedereröffneten Schaubergwerk von 1930. Im dunklen Gang in leicht gebückter Haltung kann jeder selbst erleben, wie die Förderstrecke Anfang des 20. Jahrhunderts ausgebaut war. Das Schaubergwerk mit Gezäh- und Pumpenkammer gehört zu den Hauptexponaten der neuen Ausstellung. Ein zweiter Eingang zum Stollen, der bisher verschlossen war, wurde für die Ausstellung erstmals aufgemacht, beleuchtet und neu verglast.

Zu den Relikten in diesem Teil der neuen Ausstellung gehört auch ein Modell einer E-Lok, die vielerorts für den Kohleabbau im Senftenberger Revier eingesetzt war. Mithilfe eines Spielhebels kann auch ein Baggerkoloss selbst in Bewegung gesetzt werden. So richtig auf den Geschmack kommen die Museumsbesucher einige Schritte weiter an einer Brikettpresse aus den 1930er-Jahren. Aus Schokoladenpulver kann man dort ein süßes Brikett pressen und anschließend auf der Zunge zergehen lassen.

Der Bogen vom Beginn des Braunkohleabbaus bis hin zum heute im Entstehen befindlichen Lausitzer Seenland schließt sich sehr anschaulich auf einer Fußbodenkarte mit den neuen Seen. Durch ein altes Originaltor eines abgebaggerten Hofes aus der Gegend um Großräschen gelangen die Besucher in eine Wissensgalerie. Hinter sechs großen farbigen Fragezeichen erfährt man interaktiv mit zahlreichen Mitmach-Angeboten, wie aus Kohle Strom wird und wie alt eigentlich Braunkohle ist. Ein Hingucker ist zudem die große Galerie von rund 800 Schmuckbriketts, die zu besonderen Ereignisse im Lausitzer Revier gepresst wurden. "Glück auf zum Jahre 1938!" heißt es so auf einem Schmuckstein der Grube Clara-Welzow.

Zum Thema:
Die neue Dauerausstellung "Erlebnis - Bergbau - Seenland" im Schloss Senftenberg wird am kommenden Sonnabend um 11 Uhr eröffnet. Für die Besucher öffnen sich ab 13 Uhr die Pforten. Der Traditionsverein Braunkohle Senftenberg unterstützt die Ausstellung mit zahlreichen Original-Dokumenten aus der Geschichte des Braunkohleabbaus im Senftenberger Revier. Die Besucher können im Büro des Generaldirektors Schumann darin blättern. Mitglieder des Traditionsvereins sind als Ansprechpartner bei der Ausstellungseröffnung dabei. Der Verein ist im Februar 2001 gegründet worden. Zu ihm gehören aktuell 58 Mitglieder, überwiegend ehemalige Beschäftigte der Kohleindustrie - vom Werkdirektor bis zum Lokführer.