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| 21:00 Uhr

Laien-Theatertreffen in Senftenberg
Ochsenbrust und Hakuna Matata

 Gut besucht war der Workshop Bühnenkampf, der von Jan Schönberg (links) geleitet wurde.
Gut besucht war der Workshop Bühnenkampf, der von Jan Schönberg (links) geleitet wurde. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. „Sturmfre!“ am Senftenberger Theater: Die neue Bühne öffnet Türen für kreative Lausitzer und bietet sich als Ankerpunkt für Erfahrungsaustausch und den Blick über’n Tellerrand an. Von Peter Aswendt

Sturmfre! in der neuen Bühne in Senftenberg. Das Theaterensemble räumt die Garderoben, die Bühne und Werkstätten, um jungen kreativen Lausitzern und Laientheatermachern die Räume für einen besonderen Austausch zur Verfügung zu stellen. Aber: Nicht ganz alle Mitarbeiter des Senftenberger Theaters habe ihre Plätze geräumt. Die „Köpfe“ des Festivals, die beiden Theaterpädagoginnen Franziska Golk und Theresa Gerth, waren mit Auskünften, Organisation und Auswertungen sozusagen im Dauerfestivalstress. Trotzdem resümierten beide am Sonntag: „Uns hat das Miteinander der verschiedenen Kunst- und Vorstellungsformen gefreut.“

Knapp 80 Teilnehmer haben beim zweiten „Sturmfre!“-Festival ihre Ideen in verschiedenen Stücken oder Tänzen gezeigt. Vom Piccolo Theater in Cottbus über die Kulturfabrik Hoyerswerda, die Funkengarde aus Annahütte, die Tanz-Kids von Revana Lidia aus Calau oder die L.u.S.T-Theater AG des Senftenberger Friedrich-Engels Gymnasiums – die kulturelle Vielfalt war beeindruckend.

Natürlich wurde über das auf der Bühne Gezeigte auch geredet. Nach den Vorstellungen fanden sich die Gruppen zusammen und übten sozusagen Manöverkritik an dem Gesehenen, aber fanden auch Anregungen für die eigene Arbeit. „Wir finden uns jetzt im Foyer zusammen und sprechen die gesehenen Stücke der Reihe nach durch“, ruft Marita Schellack, Lehrerin für Darstellende Kunst am Senftenberger Gymnasium, ihre jungen Künstler zusammen.

Ergebnis der Blitzgespräche sind Anmerkungen, die dann in schriftlicher Form bei der Organisation, also bei Franziska Golk und Theresa Gerth, in geballter Form landeten und in Windeseile für die folgenden Aufführungsgespräche vorbereitet werden mussten. Schließlich wollten alle auch etwas Neues lernen.

 Chorisches Sprechen war das Thema beim Workshop von Sandra Vogel (l.). Um das gemeinsame Sprechen einzustudieren, griff die Studentin der Sprechwissenschaften zu einem klassischen deutschen Rezept, der Ochsenbrust.
Chorisches Sprechen war das Thema beim Workshop von Sandra Vogel (l.). Um das gemeinsame Sprechen einzustudieren, griff die Studentin der Sprechwissenschaften zu einem klassischen deutschen Rezept, der Ochsenbrust. FOTO: Peter Aswendt

Lernen war auch in den sechs angebotenen Workshops angesagt. Physical Theatre, Radioballett, Tanztheater, Gesang, Bühnenkampf und chorisches Sprechen hießen die Angebote. Seltsames tat sich auf der Probebühne 2 des Theaters. Da waren Worte wie Ochsenbrust, Lorbeerblatt oder Knoblauch zu hören: Man konnte den Eindruck gewinnen, dass es sich um einen Kochkurs handelte. Aber weit gefehlt: Workshopleiterin Sandra Vogel, selbst Studentin der Sprechwissenschaft in Halle/Saale, war auf der Suche nach der echten deutschen Sprache beim TV-Koch Tim Mälzer hängengeblieben. „Die deutsche Sprache widerspiegelt sich sehr gut in dem Kochbuch und es macht Spaß“, sagt sie lachend.

Im benachbarten Schulgebäude zettelte Jan Schönberg eine handfeste Auseinandersetzung im Kurs „Bühnenkampf“ an. „Oft gibt es Kampfszenen auf der Bühne, da soll der Zuschauer die Energie spüren, als ob es echt wäre“, erläutert der Schauspieler, der selbst noch in Finsterwalde einen Kampfsportkurs leitet. „Wenn ihr den kleinen Finger hebt, muss das Publikum Angst bekommen“, scherzt er mit seinen Kursteilnehmern.

 Die Mädchen und Jungen der Contigo-Gruppe von der Senftenberger Regenbogengrundschule besuchen gemeinsam mit ihrer Sozialarbeiterin Christin Müller (Mitte)  verschiedene Workshops. Radioballett, Bühnenkampf  sind bei den Kids stark angesagt.
Die Mädchen und Jungen der Contigo-Gruppe von der Senftenberger Regenbogengrundschule besuchen gemeinsam mit ihrer Sozialarbeiterin Christin Müller (Mitte) verschiedene Workshops. Radioballett, Bühnenkampf sind bei den Kids stark angesagt. FOTO: Asw / Peter Aswendt

Etwas harmonischer ging es da bei Sven Irrgang im Kurs Gesang zu. „Dafür, dass wir uns zum ersten Mal gesehen haben, ist das Resultat fantastisch“, schwärmt der Chorleiter Gemeint ist damit ein kleines Stück, das im Workshop entstanden ist und sogar den König der Löwen mit einem kräftigen „Hakuna Matata“ zu Wort kommen ließ. Die vertonten Tagebucheinträge wurden dann am Sonntagabend zum großen Finale, der Workshoppräsentation, gezeigt und vorgesungen.

Nach der Pause im vergangenen Jahr waren sich diesmal alle Teilnehmer einig, dass dieses Festival wieder regelmäßig stattfinden muss. „Für unsere Mädchen ist die Bühnenerfahrung von großer Bedeutung“, bestätigt Revana Lidia von der gleichnamigen Ballettschule aus Calau. Auch Ann-Christin Treibmann von der Funkengarde aus Annahütte bestätigte: „Für uns ist das sehr hilfreich, auch einmal vor einem nicht karnevalistischen Publikum aufzutreten.“

Für die Sozialarbeiterin Christin Müller, die mit Kindern der Regenbogen-Grundschule das Festival besuchte, standen die Workshops im Vordergrund. „Wir gehen zum Radioballett, zum Physical Theatre und zum Bühnenkampf“, verrät sie ihren Fahrplan. Für Tabea Stoll und Annabell Burmeister von der Kulturfabrik Hoyerswerda ist so ein Festival nicht neu. „Wir waren schon vor zwei Jahren hier, hoffentlich findet es jetzt regelmäßig statt“, hoffen beide.

Nach der Workshoppräsentation am Sonntagabend gingen alle zufrieden und mit noch mehr Ideen nach Hause, als man hergekommen war. Auch für die beiden Theaterpädagoginnen Theresa Gerth und Franziska Golk ging ein aufregendes, aber erfolgreiches Wochenende zu Ende. „Vielleicht können wir im nächsten Jahr auch ältere Teilnehmer begrüßen und das Festival auf dann vier Tage ausdehnen“, ist ihre Überlegung. Beide Theaterpädagoginnen hoffen auf ein weiteres „Sturmfre!“ in der neuen Bühne im Jahr 2020.