| 14:47 Uhr

Stundenschlag der Turmuhr Berta zur Nacht verstummt

Berta jetzt funkgesteuert.
Berta jetzt funkgesteuert. FOTO: um
Senftenberg. Die Turmuhr Berta der katholischen Peter- und Paul-Kirche Senftenberg ist amtlich diszipliniert. Nach einer Bürgerbeschwerde über den Lärm des Stundenschlages ist das einzigartige mechanische Uhrwerk gestoppt worden. Kathleen Weser

Die Uhr hat eine Funksteuerung erhalten. Das bestätigt Ute Mittermaier von der rührigen Kirchengemeinde.

Die etwa 1500 Katholiken waren entsetzt, als Pfarrer Roland Elsner das amtliche Anhörungsschreiben des Senftenberger Ordnungsamtes aus dem Briefkasten gefisch hatte. Der Vorwurf: Die in der Pfarrei heißgeliebte Kirchturmuhr Berta verstoße mit ihrem exakten Stundenschlag nach mehr als 90 Jahren gegen Paragraf 10 Absatz 1 des Landes-Immissionsschutzgesetzes (1999). Einer anonymen Anzeige zufolge störte Berta die Nachtruhe mit dem Glockenschlag. Ein klärendes Gespräch mit dem Beschwerdeführer ist, begründet mit dem Datenschutz, nicht vermittelt worden.

Gerade hatte die Kirchengemeinde mit viel Geld die Mechanik der alten Dame ausbauen, ausbalancieren, mit gepresstem Knochenöl einfetten und in der richtigen Reihenfolge wieder zusammenbauen lassen. Der Kirchturm war während Bertas Behandlungszeit werktags besser besucht als die Sonntagsandacht, bestätigt Ute Mittermaier. Sie bedauert, dass "in unserer christlichen Gesellschaft Streit herrscht um das Glockengeläut, aus Unwissenheit, aus mangelnder Toleranz". Gerichte werden bemüht, erzeugen Kopfschütteln. Kirchenglocken führen ein juristisches Doppelleben. Über das sakrale Glockengeläut entscheiden die Verwaltungsgerichte, über das nicht sakrale Glockengeläut die Zivilgerichte. "Liturgisches Glockengeläute stellt im herkömmlichen Rahmen keine erhebliche Belästigung, sondern eine zumutbare, sozialadäquate Einrichtung dar", nicht aber der nächtliche Stundenschlag. Er darf 40 Dezibel nicht überschreiten. Berta kann das nicht unterscheiden. Sie ist eine mechanische Turmuhr, kein Rechtsgelehrter. Des Bistums Glockensachverständiger Michael Gürlach musste her. Er misst - mehr als 40 Dezibel. Der Kirchenvorstand tagt: Berta braucht elektronische Hilfe, keine juristische Auseinandersetzung. Dank des Bonifatiuswerks sind die 5009 Euro für eine elektronische, weiße Funkanlage mit grünem Sichtfeld, einem unscheinbaren Kasten mit CE-Kennzeichnung beisammen. Und die Stundenschläge schweigen nun - nachts.