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| 18:45 Uhr

Studenten wecken die Seele von Marga

Studenten der Stadtplanung forschen in der Gartenstadt Marga. Foto: Steffen Rasche/str1
Studenten der Stadtplanung forschen in der Gartenstadt Marga. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1
Brieske/Großräschen. Studenten der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern nutzen den Wissensspeicher der Internationalen Bauausstellung, um der Gartenstadt Marga wieder etwas mehr Seele zu geben. Von Kathleen Weser

Donnerstagmittag auf dem Briesker Markt. Die Sonne lacht. Ein Wohnmobil mit Vogtland-Kennzeichen rollt auf einen der Parkplätze. Dem Gefährt entsteigt ein freundlicher Herr mit leicht verzweifeltem Gesichtsausdruck. „Sagen Sie, wie kommen wir denn zum Senftenberger See?“, fragt er. Für die Schönheit der chic restaurierten Gartenstadt Marga hat der Tourist im Orientierungsstress keinen Blick.

„Schade“, kommentiert Prof. Dr. Holger Schmidt (52) von der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern dies, nachdem er dem Vogtländer den Weg nach Niemtsch erklärt hat. Zwei Probleme hat der Experte sofort ausgemacht: Nichts weist am Eingang von Brieske auf den See und den Weg zu diesem hin. Auf das Kleinod „Marga“ werden Fremde ebenso wenig aufmerksam gemacht.

Der Selbstversuch von Student Gunnar Hesch (23) bestätigt die spontane Begegnung mit dem Feriengast. Nach einem Blick auf die Karte macht sich der junge Mann vom Markt aus zu Fuß auf den Weg zum See. Die Richtung ist klar. An den Piktogrammen des Radweges kann er erahnen, dass der Pfad zum Ziel führen könnte. Bei der 50-Prozent-Chance an der letzten, nicht mehr beschilderten Gabelung die richtige Wahl zu treffen, hilft ihm der gute Instinkt. Den Rückweg findet der unbedarfte Gast aber nicht. „Dabei ist es so einfach, dies einfach auf der Rückseite der Wegweiser auszuschildern“, sagt der Student.

Der Stadtumbau und die Ortserneuerung in schrumpfenden Städten sind das Spezialgebiet des Professors mit Wurzeln in Dessau. „Ich bin die Speerspitze des Wissenstransfers von Ost nach West“, erzählt Schmidt schmunzelnd. Bis zum Antritt der neuen Professur im Jahr 2009 hat er als freier Stadtplaner gearbeitet.

Bevölkerungsschwund und Wohnungsleerstand sind längst auch im Altbundesgebiet angekommen. Die Uni Kaiserslautern stellt sich der Herausforderung, den Planer-Nachwuchs für die neuen Aufgaben fit zu machen. Statt des Neubaus auf der grünen Wiese sind nunmehr städtebauliche und für das soziale Gefüge im Wohnbestand funktionierende Planungen gefragt. Der aus gemeinsamen Bauhaus-Zeiten gute Draht zu Prof. Rolf Kuhn von der Internationalen Bauausstellung (IBA) „Fürst Pückler Land“ und das Interesse an der Werkssiedlung Zschornewitz bei Gräfenhainichen haben Holger Schmidt und seine Studenten in die Lausitz geführt. Denn auch die Siedlung in Sachsen-Anhalt trägt die Handschrift des Marga-Planers Georg Heinsius von Mayenburg.

Marga ist spitze saniert. „Etwas salopp ausgedrückt hat Brieske ein Luxus-Problem“, stellt Thomas Fischer (39), wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachbereichs Raum- und Umweltplanung fest. Die Gartenstadt soll auch wieder eine Seele, eine starke soziale-gemeinschaftliche Komponente, bekommen. Pfiffige Ideen erhoffen sich die Stadt und der Ortsbeirat. Die Studenten untersuchen dafür vor Ort zunächst die öffentlich nutzbaren Räume der Gartenstadt und die Anbindung an den Seenland-Tourismus. Und sie sprechen mit den Akteuren des gesellschaftlichen Lebens in Brieske. Ausgesprochen gastfreundlich fühlen sie sich aufgenommen.

Aus dem Wissensspeicher der Internationalen Bauausstellung schöpft das Team die Informationen über die Gartenstadt – bis Ende dieser Woche. Im Anschluss wird die Bestandsaufnahme analysiert.

Zum Thema:

Studenten der Stadtplanung der Technischen Universität Kaiserslautern untersuchen die Gartenstadt Marga sowohl baulich-räumlich als auch sozial-gemeinschaftlich, um Zukunftsimpulse für die Stadt zu geben. Am 19. Juni werden die Ideen in einer Bürgerwerkstatt diskutiert. Am 20. Juni soll im Senftenberger Rathaus eine Ausstellung über die Ergebnisse eröffnet werden. Die jungen Leute sind die Ersten, die den IBA-Wissensspeicher im Studierhaus Großräschen nutzen.