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| 19:30 Uhr

Studienergebnisse sollen mehr Klarheit bringen
Streit um Lausitzer Tagebauseen als Wasserspeicher

 Walter Karge kämpft mit seinen Mitstreitern seit vielen Jahren um die Nutzung der Lausitzer Restlochkette als Wasserspeicher. Darüber hinaus engagiert er sich für den Hochwasserschutz in seiner Heimatstadt Senftenberg.
Walter Karge kämpft mit seinen Mitstreitern seit vielen Jahren um die Nutzung der Lausitzer Restlochkette als Wasserspeicher. Darüber hinaus engagiert er sich für den Hochwasserschutz in seiner Heimatstadt Senftenberg. FOTO: Torsten Richter
Senftenberg. Schon seit 65 Jahren sind die Lausitzer Tagebauseen als Wasserspeicher geplant. Die Behörden in Brandenburg arbeiten nur zögerlich an der Umsetzung. Studien sollen dieses Jahr vorliegen. Von Torsten Richter-Zippack

In den Jahren von 1941 bis 1966 sind im Tagebau Niemtsch insgesamt knapp 266 Millionen Tonnen Kohle gefördert worden. Bereits 1954, also lange vor dem Auslaufen der Grube, begann die Planung des künftigen Senftenberger Sees. „Und zwar von Anfang an als Speicherbecken“, erklärt Walter Karge, der viele Jahre in leitender Funktion für die Bergbausaniererin Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft  (LMBV) tätig war.

Die gleiche Funktion sollten die ebenfalls erst Jahrzehnte später auslaufenden Tagebaue Koschen, Sedlitz und Scado, heute Geierswalder, Sedlitzer und Partwitzer See,  bekommen. „Der Bergbau hat dieses Prozedere in Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsdirektion Obere Elbe/Neiße vorbereitet“, sagt Karge. Bereits Mitte der 1930er-Jahre befasste sich der bekannte Berliner Geologe und Buchautor Prof. Konrad Keilhack mit dem Grundwasserwiederanstieg nach dem Bergbau im Lausitzer Urstromtal.

Dieses Gebiet zieht sich, von Magdeburg kommend, über Elsterwerda, Lauchhammer und Senftenberg nach Hoyerswerda und weiter in Richtung Breslau. „Bereits damals war bekannt, dass sich nach Abschluss der Kohleförderung die vorbergbaulichen Wasserstände wieder einstellen würden“, so Karge. Aufgrund des Massendefizits durch den geförderten Bodenschatz sei ein Auffüllen der entstandenen Löcher mit Erdmassen nicht möglich. Somit war die Ideen der Restseen geboren.

Von 1959 bis 1965 gab es auf diesem Feld eine ganze Anzahl von Projekten. Am bekanntesten dürften die Zeichnungen des Landschaftsplaners Otto Rindt in den Freiberger Forschungsheften sein, der bereits zu Beginn der 1960er-Jahre das Lausitzer Seenland auf Landkarten erstaunlich präzise vorhersagte. Ebenfalls von herausragender Bedeutung sind die Arbeiten der Wasserwirtschaftler Mattheus und Melcher. Sie erarbeiteten konkrete Ideen zur Nutzung der kommenden Gewässer als Wasserspeicher.  „Hauptziel war“, so sagt Walter Karge, „Industrie, Landwirtschaft und Umfeld nach dem Bergbau mit ausreichend Wasser zu versorgen“.

Darüber hinaus war bereits damals vorherzusehen, dass die Schwarze Elster als wichtigstes Fließgewässer der Restlochkette bei bestimmten Wetterlagen abschnittsweise trocken fallen würden. „Erst im vergangenen Sommer hatten wir diese Situation in Senftenberg“, erinnert Bergmann Karge. Der heute 78-jährige gebürtige Senftenberger weiß, dass es dieses Phänomen bereits in seiner Kindheit gab. „Das Landesamt für Umwelt (LfU) war im Dürresommer 2018 mit der eingetretenen Situation überfordert. Einen Notfallplan gab es offensichtlich nicht“, glaubt Karge.

Behördensprecher Thomas Frey merkt hingegen an, dass es sich bei dem Wasserspeicher-Vorhaben im Lausitzer Seenland „um ein sehr komplexes Großvorhaben“ handele, das „von manchen Protagonisten nur stark vereinfacht dargestellt“ werde.Tatsächlich flossen viele Erkenntnisse der Experten aus DDR-Zeiten in den Sanierungsplan für die Restlochkette Sedlitz, Koschen, Scado mit ein. Das Papier hatte die Brandenburger Landesregierung Ende 1994 für verbindlich erklärt. Darüber hinaus heißt es im Spätherbst 1997 für den zwischen Brandenburg und Sachsen abgestimmten Rahmensanierungsplan für den sächsischen Teil der Restlochkette, dass die Sanierung so zu erfolgen habe, dass „eine Speicherbewirtschaftung der Restseen in den Stauhöhen zwischen 99,5 Meter über Normalnull und 100,85 Metern möglich wird“.

Wasserexperten wie der Senftenberger Reinhard Heepe und Bergmann Walter Karge werfen dem Landesamt für Umwelt vor, in Bezug auf dieses Thema ein Vierteljahrhundert untätig geblieben zu sein. „Dabei ist die Behörde verpflichtet, die Seen als Hochwasserspeicher zu nutzen“, legt Karge nach.

 Lausitzer Seenland von oben.
Lausitzer Seenland von oben. FOTO: LMBV

LfU-Sprecher Thomas Frey merkt an, dass seine Behörde die Verantwortung trage, „ein umsetzbares, funktionierendes, sicheres und finanziell planbares Projekt auf den Weg zu bringen“. Dafür wurden mehrere Studien beauftragt, deren Ergebnisse im Laufe dieses Jahres präsentiert werden sollen.