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| 16:44 Uhr

Streit um Bergbau-Folge
Wie giftig ist der Lausitzer Eisenschlamm?

 Lausitzer Gewässer – hier sichtbar in der Spree in Spremberg – enthalten Eisenschlamm, der gefiltert, gelagert und genutzt werden kann.
Lausitzer Gewässer – hier sichtbar in der Spree in Spremberg – enthalten Eisenschlamm, der gefiltert, gelagert und genutzt werden kann. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Senftenberg. Durch den Bergbau gelangt Eisenocker in Gewässer in der Lausitz wie die Spree. Der Eisenschlamm kann herausgefiltert und genutzt werden. Doch nun diskutieren Umweltforscher und Behörden darüber, wie belastet das Material ist. Von Jan Augustin und Torsten Richter-Zippack

Eine Folge des Braunkohle-Bergbaus in der Lausitz ist Eisenschlamm in den Gewässern der Region, zum Beispiel in der Spree. Umweltschützer, Forscher und Landesbehörden diskutieren darüber, was mit dem aus den Gewässern herausgefilterten Eisenocker (Eisenhydroxidschlamm, kurz: EHS) passieren sollte.

Experten erwägen die Nutzung des Schlamms als Pflanzensubstrat und damit einen späteren Einsatz in Gärten und in der Landwirtschaft. Auch eine Einspülung in Seen in ehemaligen Tagebau-Restlöchern ist möglich.

Forscherin: Eisenocker aus Lausitzer Gewässern enthält Arsen

Doch nun warnt die Wissenschaftlerin Friederike Meier vor einer ungeprüften Verwendung des Lausitzer Eisenschlamms. In ihrer neu veröffentlichten Masterarbeit schreibt Meier von erhöhten Schadstoff-Konzentrationen in Schlammproben, zum Beispiel von Arsen und Kadmium.

 Meuroer See: Hier könnte Eisenschlamm aus Lausitzer Gewässern eingespült werden. Naturschützer sprechen sich dagegen aus.
Meuroer See: Hier könnte Eisenschlamm aus Lausitzer Gewässern eingespült werden. Naturschützer sprechen sich dagegen aus. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Werner Kratz hat die Masterarbeit an der Freien Universität Berlin betreut. Der Privatdozent ist zugleich im Umweltschutz aktiv und auch Vizechef des Naturschutzbundes (Nabu) in Brandenburg. Er wendet sich gegen das Einspülen des Eisenschlamms in den Meuroer See, einem Restloch des früheren Tagebaus Meuro (Oberspreewald-Lausitz). „Das verstößt gegen Umwelt- und Naturschutzgesetze“, sagt Kratz.

Bergbau-Sanierer LMBV: Schadstoff-Belastung nicht gefährlich

Auch die für die Bergbau-Sanierung zuständige Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat den Eisenschlamm aus Lausitzer Gewässern untersucht. Ergebnis: Es seien keine gefahrrelevanten Schadstoffbelastungen festgestellt worden, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber der Lausitzer Rundschau. Dem Landesbergamt in Cottbus sind die diesem Befund widersprechenden Proben für die Masterarbeit von Friederike Meier nach eigenen Angaben bisher nicht bekannt.

Allerdings hat das Bergamt grünes Licht für ein Pilotprojekt in Teich-Gewässern nahe Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) gegeben. Dort will der Senftenberger Forscher Hans-Jürgen Schmager mittels Pflanzenkohle Eisenhydroxid aus Gewässerschlamm filtern. Bevor das Substrat als Dünger Verwendung finden kann, soll  geprüft werden, ob die grüne Kohle auch Schwermetalle zurückhält.

 Hier im Skainzteich-Gebiet nördlich von Atdöbern soll im Frühjahr 2019 der Pilotversuch mit der grünen Kohle starten: Mit deren Hilfe soll Eisenhydroxid samt Schadstoffen aus dem Schlamm gefiltert werden.
Hier im Skainzteich-Gebiet nördlich von Atdöbern soll im Frühjahr 2019 der Pilotversuch mit der grünen Kohle starten: Mit deren Hilfe soll Eisenhydroxid samt Schadstoffen aus dem Schlamm gefiltert werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Lesen Sie zu Eisenschlamm und Bergbau-Folgen auch auf LR Online:

Kommentar auf LR Online – Genauere Prüfung des Lausitzer Eisenschlamms erforderlich

Naturschützer warnt vor Arsen im Lausitzer Eisenocker

Grüner Kohlefilter soll Eisenschlamm-Problem im Spreewald an der Quelle lösen