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| 17:45 Uhr

Bahnsdorf
Straßenunfälle erfordern mehr Feuerwehr-Training

Bei der Einsatzübung in Bahnsdorf haben Feuerwehrleute aus der Gemeinde Neu-Seeland das Vorgehen bei einem schweren Verkehrsunfall trainiert.
Bei der Einsatzübung in Bahnsdorf haben Feuerwehrleute aus der Gemeinde Neu-Seeland das Vorgehen bei einem schweren Verkehrsunfall trainiert. FOTO: Uwe Hegewald
Bahnsdorf. Übung der Bahnsdorfer Einsatzkräfte: Denn der Wahnsinn auf den Bundesstraßen fordert die Kameraden immer mehr.

Die Geschehnisse vom 4. April, auf der Autobahn bei Staakow, machen Lutz Freudenberg noch immer fassungslos. Bei einem schweren Verkehrsunfall hatten eine 40-Jährige und eine 15-Jährige in einem Auto ihr Leben verloren. Ein Lastkraftwagen fuhr auf der Schnellstraße auf ein Stau-Ende auf und schob jeweils einen Pkw in den Straßengraben und einen weiteren Kleinwagen unter einen davor stehenden Brummi. Wieder einmal. „Den im Auto eingeklemmten Jungen (13) konnten die Einsatzkräfte schwerverletzt erst nach rund drei Stunden aus dem Autowrack befreien“, berichtet Lutz Freudenberg, der den Einsatz in der Leitstelle Cottbus koordiniert hat. Die tragischen Ereignisse bestätigten den Berufsfeuerwehrmann in seinem Vorhaben, Abläufe und Handhabungen bei Verkehrsunfällen (VKU) noch einmal gezielt zu festigen.

Acht Feuerwehrleute aus Bahnsdorf (Gemeinde Neu-Seeland) eilen deshalb am Donnerstagabend nach Sirenengeheul ins Feuerwehrdepot. Wenige Minuten später treffen sie und weitere drei Kameraden aus dem benachbarten Lieske am Übungsort ein. Einsatzleiter Lutz Freudenberg erklärt die Ausgangslage: „Auf einer Schnellstraße, kurz hinter einer Bergkuppe, hat sich ein Pkw mit überhörter Geschwindigkeit überschlagen. Das Auto liegt auf einem Dach, an einem Abhang. Eine Person ist im Fahrzeug eingeklemmt, eine weitere, verletzte befindet sich abseits der Unfallstelle.“

Um die Haupt- und Opferrolle authentisch darzustellen, hat sich Günther Hannusch zuvor mit künstlichem Blut schminken lassen. Der 76-Jährige ist Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung und erst vor wenigen Monaten für 60 Dienstjahre in der Reihen der freiwilligen Feuerwehr geehrt worden. „Solche schweren Verkehrsunfälle, wie zuletzt auf den Autobahnen, gab es zu DDR-Zeiten nicht oder wir wurden zu diesen nicht alarmiert. Was hätten wir mit unserer Technik auch ausrichten können? Auf unserem Ts8-Anhänger hatten wir doch für solche Fälle nur Spaten und Brechstange“, erzählt er.

Nach erfolgter Erstbehandlung kann Günther Hannusch zusehen, wie die Truppe das am Hang liegende Fahrzeug sichert, den Dummy rauszieht und noch auf dem Rettungsbrett zur Wiederbelebung eine Herzdruckmassage durchführt. Das alles passiert unter prüfenden Blicken von Maik Franke, der als Übungsleiter bei jedem Handgriff genau hinschaut. „Es geht hier nicht um Schnelligkeit, vielmehr um ein besonnenes und strukturiertes Herangehen“, erklärt er. Zudem wolle er erfahren, wie die Kommunikation untereinander funktioniert und wie die Anweisungen von Einsatzleiter Lutz Freudenberg umgesetzt würden, so Franke, der seit 2005 bei der Werksfeuerwehr BASF Schwarzheide Dienst schiebt.

Aus der Industriestadt ist auch Harald Rau nach Bahnsdorf gekommen, um der Einsatzleitung zusätzlichen Pepp zu verleihen. Mit Pyrotechnik bringt der Geschäftsführer von Lausitz Feuerwerk das Fahrzeugwrack zum Qualmen und zwingt die Neu-Seeländer Feuerwehrleute zu einem zusätzlich Löscheinsatz. Aufgrund der starken Rauchentwicklung und etwaiger Bedenken von Anwohnern wird die Freiwillige Feuerwehr Neupetershain nachalarmiert, die zusätzlich Löschwasser bereitstellt. Maik Franke zeigt sich zufrieden: „Die Abläufe waren zügig, überlegt und effizient“, resümiert der Übungsleiter abschließend.