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Baustart über Nacht
Straßenbau sprengt Dorf-Frieden

Guteborns Wirt, Hans-Joachim Bude, traut seinen Augen kaum. Nach der Erstinformation bei einer Einwohnerversammlung am Donnerstag der Vorwoche wurden buchstäblich über Nacht mit der Baustelleneinrichtung vollendete Tatsachen geschaffen. "Ein Mitspracherecht gab es nicht", so Bude.
Guteborns Wirt, Hans-Joachim Bude, traut seinen Augen kaum. Nach der Erstinformation bei einer Einwohnerversammlung am Donnerstag der Vorwoche wurden buchstäblich über Nacht mit der Baustelleneinrichtung vollendete Tatsachen geschaffen. "Ein Mitspracherecht gab es nicht", so Bude. FOTO: Rasche/str1
Guteborn. Guteborner sind stinksauer über Hauruck-Aktion zum Ausbau der Schulweg-Zuwegung. Vom Baustart über Nacht fühlen sich Anwohner überrumpelt. Petitionsausschuss ist eingeschaltet. Andrea Budich

Eine Woche nach der Einwohnerversammlung zum Ausbau der Schulzuwegung brennt in Guteborn noch immer die Luft. Dabei war der Ausbau der Schulstraße ein lang gehegter Wunsch der Dorfbewohner, der sogar auf der Prioritätenliste nach ganz oben verschoben wurde. Dass jetzt ausgerechnet der Start für diese Baumaßnahme für soviel Ärger und Zoff im Ort sorgt, macht auch Bürgermeister Detlef Ritter nicht unbedingt glücklich.

Denn ein sicherer Schulweg ist unumstritten für alle wichtig im Ort. "Wenn morgens Eltern und Großeltern die Schulkinder mit den Autos bringen, wird die Schulstraße zur Hauptstraße", wirft der Dorfchef in den Ring. Genau aus diesem Grund wurde die Prioritätenliste vor drei Jahren von der Gemeindevertretung zugunsten der Schulstraße geändert, damit dort endlich etwas passiert. Es passierte aber nichts, weil sämtliche Fördermittelanträge für den Ausbau mit kühnem Schwung abgelehnt wurden. Alleine kann Guteborn den Ausbau jedoch finanziell nicht stemmen. Nach mehreren vergeblichen Förder-Vorstößen sahen der Bürgermeister als auch das Amt Ruhland die Felle für die Schulstraße wegschwimmen.

Was den Dorf-Frieden jetzt so empfindlich stört, ist also nicht der Ausbau der Schulstraße an sich. Der war lange gewünscht und von den Gutebornern sogar eingefordert. "Auf die Palme bringt uns, dass wir in einer Nacht- und Nebelaktion vor vollendete Tatsachen gestellt wurden ohne jedwedes Mitspracherecht", spricht Hans-Joachim Bude Klartext. Er ärgert sich darüber, schlichtweg überrumpelt worden zu sein.

Mit Unverständnis quittieren die Guteborner die Ansage, dass neben der Schulstraße auch der Lindenweg und der Friedhofsweg mit ausgebaut werden. Immerhin handelt es sich bei allen drei Zuwegungen um reine Anliegerstraßen, bei denen die Bewohner mit 50 Prozent die Hälfte der Baukosten aufbringen müssen. "Ich denke, da steht uns ein Mitspracherecht wohl zu", schimpft Hans-Joachim Bude. Hinzu kommt, dass den betroffenen Anwohnern, die später für den Ausbau zur Kasse gebeten werden, bisher keinerlei Erhebungen vorgelegt werden konnten, welche Ausbaubeiträge auf sie zukommen. Die Baukosten sind insgesamt mit 380 000 Euro vorveranschlagt.

Bürgermeister Detlef Ritter und der amtierende Amtsdirektor Christian Konzack indes verteidigen den Straßenausbau im Eilzugtempo. Möglich wurde er durch einen Griff in den Fördertopf des Ministeriums für Infrastruktur. "Damit hat sich für die Schulstraße, die bisher durch alle Raster gefallen ist, endlich eine Chance aufgetan", sagt der Amtsdirektor. Förderfähig ist die Schulstraße aber nur, weil mit dem Ausbau des Lindenweges und des Friedhofsweges ein Lückenschluss zur Kreis- und Landesstraße hergestellt wird. "Wenn wir die Schulstraße wollen, müssen wir die zwei Wege mitnehmen", sagt Detlef Ritter nüchtern. Zu den Bedingungen gehört auch, dass der Bau am 31. November abgeschlossen sein muss. "Für uns hieß es also hop oder top", verteidigt Guteborns Bürgermeister die Hauruck-Aktion. Dass der übliche Werdegang in der Bürgerbeteiligung nicht eingehalten werden konnte, ärgert ihn selber. Aber er bleibt dabei: "Die Chance war einmalig. Wenn wir nicht zugegriffen hätten, kann es passieren, dass das Geld nie wieder fließt."

Die für die betroffenen Grundstückseigentümer bisher gänzlich unbekannten Ausbaubeiträge werden in der Ruhlander Amtsverwaltung derzeit berechnet. "Sie werden spätestens in der nächsten Woche rausgeschickt", versucht der Amtsdirektor die Wogen zu glätten.