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| 02:43 Uhr

Straßenausbau wird für Dörfer immer schwieriger

Für kleine Gemeinden sind der Ausbau und der Erhalt von kommunalen Straßen ohne Fördergelder kaum zu stemmen. Das Gedränge am geeigneten Fördertopf aber wird immer größer.
Für kleine Gemeinden sind der Ausbau und der Erhalt von kommunalen Straßen ohne Fördergelder kaum zu stemmen. Das Gedränge am geeigneten Fördertopf aber wird immer größer. FOTO: mb
Ruhland. Der Griff in den europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung für kommunale Straßen in den Dörfern des Amtes Ruhland ist in der jüngsten Runde gründlich missglückt. Und ein neuer Anlauf erscheint wenig aussichtsreich. Der Ausbau von Verkehrsadern ist für kleine Gemeinden kaum noch zu stemmen. Kathleen Weser

Der grundhafte Ausbau der Schulstraße in Guteborn, der Friedensstraße in Schwarzbach und der Guteborner Straße in Hohenbocka steht auf der Förder-Wunschliste des Amtes Ruhland. Doch am europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung, der beherrschbare kommunale Eigenanteile für kleine Gemeinden verspricht, drängen sich immer mehr Antragsteller.

Drei Verkehrsadern, die ausgebaut werden müssten, haben die regionale Hürde verfehlt. In Guteborn nutzen 150 Kinder und Lehrer die Schulstraße. Auf 775 Metern müsste die unebene Piste erneuert werden, die Zufahrt zum Schulhaus ist unbefestigt. Mehr als 500 000 Euro kostet der Ausbau, der Parkflächen und eine ordentliche Entwässerung einschließt. Auch die Ruine einer Scheune soll hier aus dem Ortsbild verschwinden.

Über die Friedensstraße in Schwarzbach sind die Kindertagesstätte und der Festplatz der Gemeinde zu erreichen. Auch die Kameraden der Feuerwehr rücken über die marode Verkehrsader an und zum Einsatz aus. Fast 600 000 Euro kostet der Ausbau. Mit 380 000 Euro aus dem ländlichen Förderprogramm war geliebäugelt worden. Vergebens.

Auch in Hohenbocka sind Schlaglöcher die Sorge der Gemeindeväter. Die Guteborner Straße hat einen grundhaften Ausbau dringend nötig. Auf etwa 570 000 Euro werden die Kosten geschätzt. Ohne Fördermittel ist der Ausbau unmöglich.

Das bestätigt Bauamtsleiter Rene Mehl grundsätzlich für alle Kommunen des Amtes Ruhland. Die notwendigen Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sprengen die Haushalte. Schon die Eigenanteile der Gemeinden zu Förderungen seien nur schwer aufzubringen. Der neue Anlauf in der nunmehr gestarteten Förderrunde, in der bis zum Sommer weitere 2,5 Millionen Euro in der von Altdöbern bis Jannowitz reichenden "Energieregion im Lausitzer Seenland" mit Investitionen in die ländliche Entwicklung untersetzt werden, bleibt für die Dorfstraßen wohl aussichtslos. Das betrachtet der Bauamtsleiter mit einem weinenden, aber auch einem lachenden Auge: Denn gute Ideen von privaten Investoren haben den Sprung auf die Prioritätenliste geschafft. Geschäftsideen wie eine Eis-Werkstatt in Hermsdorf und das Aufmöbeln der alten Schule in Arnsdorf für Wohnzwecke und eine unternehmerische Nutzung, die Kurse einschließt, gehören dazu.

Ein neuer kommunaler Antrag aber ist schon so gut wie sicher: Knapp haben auch der zweite Rettungsweg und der gewünschte Aufzug, der die Amtsverwaltung barrierefrei zugänglich machen soll, die Prioritätenliste verfehlt. Das denkmalgeschützte Gebäude, das historisch das Ruhlander Amtsgericht beherbergt hatte, ist erst kürzlich saniert worden. Denn den Verwaltungssitz hatte die Amtsspitze vor anderen gemeinschaftlichen Aufgaben lange zurückgestellt. Auf der Rückseite des altehrwürdigen Hauses soll der Aufzug aus Stahl und Glas angebaut werden. Denn der einzige Standort, der die Fassadenansicht unbeeinträchtigt lässt, ist ein giebelseitiger Anbau. Mit 350 000 Euro schlägt die Investition zu Buche. 265 000 Euro sollen aus dem Fördertopf kommen. "Wir haben jetzt bis zum Sommer Zeit, unsere Ideen und Anträge einzureichen", sagt Rene Mehl. Das Amt arbeitet daran.