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| 13:17 Uhr

Kostebrau, Klettwitz
Straße Kostebrau – Klettwitz wird erneut gesperrt

Auf großes Interesse stieß beim Straßenfest die Fotoausstellung mit vielen historischen Aufnahmen der alten Straße und ihrer Umgebung.
Auf großes Interesse stieß beim Straßenfest die Fotoausstellung mit vielen historischen Aufnahmen der alten Straße und ihrer Umgebung. FOTO: LR / T. Richter-Zippack
Klettwitz/Kostebrau. An der Trasse stehen im Spätherbst größere Bauarbeiten für den Naturschutz an. Von Torsten Richter-Zippack

Seit acht Jahren bildet die rund fünf Kilometer lange Straße von Klettwitz nach Kostebrau die kürzeste Verbindung zwischen beiden Orten. Nach 48 Jahren tagebaubedingter Unterbrechung wurde die neue Trasse im Sommer 2010 freigegeben. Aus diesem Anlass treffen sich Kostebrauer und Klettwitzer einmal im Jahr zu ihrem Straßenfest genau auf der Gemarkungsgrenze. Diesmal hat der Klettwitzer Ortsvorsteher Dietmar Woznica gleich zwei Botschaften mitgebracht. Zum einen, die Straße müsse erneut gesperrt werden. Diesmal jedoch nur für ein paar Wochen. Grund bildet ein Naturschutzprojekt. „Sieben Krötentunnel sollen eingebaut werden“, kündigt Woznica zum anderen an. Damit könnten ab kommendem Jahr die mobilen Amphibienzäune entfallen. Der durch den Bergbau entstandene, meist wassergefüllte Restschlauch, durch den die Straße verläuft, bietet den Tieren ideale Lebensbedingungen. Daher setzen sich alljährlich im Frühjahr mehrere tausend Amphibien auf dem Weg zu ihren Laichplätzen in Bewegung. Dabei müssen sie das Asphaltband überqueren.

Die Finanzierung der Krötentunnel übernimmt indes der Betreiber des Klettwitzer Windparks. Erst vor wenigen Tagen bekam er die Baugenehmigung für weitere zehn Windräder, davon zwei auf Kostebrauer Gemarkung. Somit wird Geld angespült, das sogleich in dieses Naturschutzprojekt fließt. Der Bau der neuen Windkraftanlagen startet indes im Herbst 2018, ein Jahr später soll alles vollendet sein.

Darüber hinaus gibt es zwischen Kostebrau und Klettwitz weitere Besonderheiten der Natur, die mit der gemeinsamen Straße verbunden sind. Beispielsweise einen Baum, der auf Kostebrauer Seite den übrigen Wald überragt. „Dabei handelt es sich um eine der übrig gebliebenen Allee-Pappeln“, erklärt der Kostebrauer Ortsvorsteher Michael Thieme. Einst hatten die markanten Pyramidenpappeln die Chaussee eingerahmt. In einer Ausgabe des Senftenberger Anzeigers vom November 1928 ist zu lesen, dass zu jener Zeit die Gehölze in den Boden kamen. Die Straße selbst war im Jahr 1927 freigegeben worden. Die neue Chaussee, für deren Bau 800 Eisenbahnwaggons Steine benötigt wurden, führte vom Kostebrauer Oberdorf nach Klettwitz. Kurz vor dem Zielort tangierte die Trasse die alte Klettwitzer Badeanstalt. „Dabei handelte es sich um einen schlanken schmalen Teich“, hat der aus Klettwitz stammende Heimathistoriker Gerhard Hartnick recherchiert. Durch eine Rutschung im Jahr 1944 wurde die Einrichtung stark in Mitleidenschaft gezogen.

Im Jahr 1962 erfolgte die endgültige Sperrung der Straße zwischen Kostebrau und Klettwitz. Sie wurde im Zuge des Tagebaus Klettwitz überbaggert. Erst ein knappes halbes Jahrhundert später (Eröffnung am 29. Juni 2010) stand wieder eine Direktverbindung zur Verfügung. Seitdem treffen sich alljährlich die Kostebrauer und Klettwitzer genau auf der Gemarkungsgrenze zu ihrem Straßenfest. Die Idee dazu war im Zuge der Eröffnung der Trasse entstanden. Nur knapp drei Wochen später, am 16. Juli 2010, wurde erstmals gefeiert. Viele Kostebrauer sagen, dass sie sich mehr mit Klettwitz verbunden fühlen als mit Lauchhammer. Die beiden Orte fühlten sich wie ein altes Ehepaar, dass längere Zeit getrennt leben musste.