| 02:44 Uhr

Strammer Arbeitsplan für neue Ufer

Der Sedlitzer See bleibt in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Bergbausanierung. Am Liesker Ufer wird weiter gearbeitet. Auch Totholz muss aus dem See geborgen werden.
Der Sedlitzer See bleibt in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Bergbausanierung. Am Liesker Ufer wird weiter gearbeitet. Auch Totholz muss aus dem See geborgen werden. FOTO: LMBV
Senftenberg. Das Erbe des Braunkohlenbergbaus in der Lausitz ist eine gewaltige Zukunftsaufgabe. Bund und Länder haben die Finanzierung für die nächsten fünf Jahre kurz vor dem Jahreswechsel weiter geregelt. Der Sanierungsfortschritt kann sich sehen lassen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) und die Partner bleiben handlungsfähig. Kathleen Weser

Sichere neue Ufer und Nutzflächen auf gekipptem Land alter Tagebaue stehen noch immer im Zentrum der Arbeiten. Das betont Uwe Steinhuber, Sprecher der Bergbausaniererin LMBV. Locker gelagerte Sande in feste Korngefüge zu zwingen und den Boden dadurch tritt- und gegen das Abrutschen sicher zu machen, ist ein Arbeitsfeld. Verdichtet wurde im vorigen Jahr mit Rütteldruckverfahren zum Beispiel am Restloch Greifenhain. Für die Nord-Ost-Böschung wird ein 1500 Meter langer Damm hergestellt. Auch die vor allem land- und forstwirtschaftlich genutzten Areale auf den Innenkippen der Lausitzer Tagebaue werden intensiv weiter bearbeitet. Das Verfahren der schonenden Sprengverdichtung ist in den Tagebauen Seese-West und -Ost weiter getestet worden: erfolgreich, wie Uwe Steinhuber versichert. Dies sei die Basis für das weitere Bearbeiten der Flächen in diesem Jahr, die von Experten begleitet wird. Sedlitz und Spreetal waren weitere Sanierungsschwerpunkte. Die Landesstraße L 60 nach Kostebrau liegt wieder sicher in der Landschaft. Eine bergrechtliche Pflicht ist damit erfüllt.

In die Bergbaufolgeseen sind im zurückliegenden Jahr etwa 82 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Flüssen eingeleitet worden. Die Gewässergüte ist durch die Inlake-Neutralisation mit Sanierungsschiffen im Schlabendorfer See, in Burghammer und in Lohsa II verbessert worden. Im Scheibe-See ist eine getauchte Schwimmdüsen-Leitung im Einsatz. Das innovative Verfahren sei technisch weiter vervollkommnet worden. Seit September hat die LMBV ein eigenes Gewässerbehandlungsschiff, das auf dem Partwitzer See arbeitet. In den folgenden Jahren soll "Klara" auf der ganzen Restlochkette von Spreetal bis Großräschen zum Einsatz kommen.

Auch an den von Ocker geplagten Fließgewässern sind weitere Fortschritte erreicht. "Das gilt besonders für den Schutz des Spreewaldes", bestätigt der LMBV-Sprecher. "Die ausgeleiteten eisenhaltigen Frachten über die Spree-Zuflüsse konnten teilweise um etwa das Zehnfache reduziert werden", erklärt Uwe Steinhuber. Die Eisenkonzentration im Lauf der Spree von der Talsperre Spremberg bis nach Berlin sei auf Werte unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze für Eisen gesenkt worden.

Gezielt werde in diesem Jahr nun auch im ostsächsischen Einzugsbereich von Spree und Kleiner Spree darauf eingewirkt, Fortschritte in der Gewässergüteverbesserung zu erreichen. An der Kleinen Spree in Burgneudorf ist im September der Baustart für eine mobile Wasserbehandlungsanlage und eines Abfangriegels mit zehn Filterbrunnen erfolgt.

Die Gefahrenabwehr gegen die Folgen des Grundwasserwiederanstieges wird weiter verfolgt. Zwei weitere Horizontalfilterbrunnen, die den Ortsteil Brieske der Stadt Senftenberg trocken halten sollen, sind gut vorangekommen. Beide Brunnen werden im neuen Jahr in Betrieb gehen. "Die bereits arbeitenden Brunnen im Stadtgebiet von Senftenberg und Hoyerswerda leisten zuverlässig ihren Dienst", sagt Uwe Steinhuber.

Die Erdarbeiten für den Südgraben Altdöbern, ein Drainage-Kanal, der überschüssiges Wasser fassen und ableiten soll, sind im Oktober begonnen worden. 431 Gebäude werden dadurch künftig dauerhaft geschützt.

Das Sichern der Uferböschungen am Alttagebau Knappensee verläuft planmäßig. Mitte des vorigen Jahres wurde ein Teil des Sperrbereiches um die Knappensee-Siedlung wieder aufgehoben. Der Deutschen Bahn konnte nach fünfjähriger Bauzeit der gesicherte Bahndamm im Bereich des Silbersees in Lohsa übergeben werden.

Das Arbeitsprogramm des noch jungen Jahres 2017 ist gewaltig. Neben dem Sichern von Ufern und Böschungen, beispielsweise am Altdöberner See, am Sedlitzer und Großräschener See, werden die Sanierungsarbeiten in Ost-sachsen am Knappensee fortgesetzt. Das Speichersystem Lohsa II wird weiter gefüllt und getestet. Am Berzdorfer See wird an der Neuberzdorfer Höhe eine Oberflächenentwässerung in die Böschung gebaut. Aber auch zwei Rettungstürme entstehen neben 20 neuen Fingerstegen und einer Wegeanbindung zwischen Bahnhof und Hafen an diesem Gewässer.

Die Konditionierung des Partwitzer Sees mit dem Gewässerbehandlungsschiff "Klara" wird eine Aufgabe sein ebenso wie der Aufbau einer schwimmenden Bekalkungsanlage für den Bernsteinsee. Alte Filterbrunnen werden in den Bereichen der ehemaligen Tagebaue Scheibe, Spreetal und Bärwalde gesichert. In Hoyerswerda werden drei Horizontalfilterbrunnen zur Grundwasserabsenkung weiter betrieben. Auf den Innenkippen in Spreetal wird die LMBV das Gelände teilweise aufhöhen und im Lausitzer Norden in Seese die schonende Sprengverdichtung vervollkommnen.

Um den Eisengehalt in der Spree und in der Kleinen Spree weiter zu senken, lässt die Bergbausaniererin dieses Jahr eine mobile Wasserbehandlungsanlage in Burgneudorf bauen. Auch das Bekalken der Spree in Wilhelmsthal wird weitergeführt. Weitere Wasserbehandlungsanlagen werden für Neustadt/Spree und an der Ruhlmühle geplant. Die berg-, wasser- und bauordnungsrechtlichen Hürden sind hoch. Mit naturschutzrechtlichen Auflagen muss hier ebenso noch gerechnet werden wie das Klären von Grundstücksfragen eine Voraussetzung ist. Das Ziel ist sportlich: Die Wasserbehandlungsanlagen sollen bis 2019 den Betrieb aufgenommen haben.

Zum Thema:
Weitere 252 Millionen Euro sind 2016 in die Bergbaufolgelandschaft investiert worden. In sichere Ufer und Nutzflächen auf geschüttetem Land (Paragraf 2 des Verwaltungsabkommens/Grundsanierung) sind 183 Millionen Euro geflossen. Gegen die Folgen des Grundwasserwiederanstieges (Paragraf 3) wurde mit 58 Millionen Euro gearbeitet. In die Zukunft (Paragraf 4/Erhöhung des Folgenutzungsstands) haben die Länder elf Millionen gesteckt. Etwa 61 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Spree und 21 Millionen Kubikmeter aus der Schwarzen Elster sind 2016 in die neuen Seen geleitet worden. Hauptabnehmer waren die Speicher Bärwalde (31 Millionen Kubikmeter), Burghammer (Bernsteinsee/neun Millionen Kubikmeter) und Lohsa II (15 Millionen Kubikmeter). Der Partwitzer See und der Geierswalder See haben dem Sanierungsfortschritt folgend jeweils etwa zehn Millionen Kubikmeter Süßwasser erhalten. Rund zwei Millionen Kubikmeter gingen in den Dreiweiberner See. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft nur etwa 65 Millionen Kubikmeter zum Fluten der Bergbaufolgeseen aus den Flüssen abzweigen können. Dabei kamen rund 47 Millionen Kubikmeter aus der Spree und 18 Millionen Kubikmeter aus der Schwarzen Elster. Profitiert hatten hauptsächlich die Wasserspeicher.