Zwei Vögel hatten eines entdeckt und in Beschlag genommen. Sie transportierten Reisig an – Joachim Figura war guter Hoffnung, dass die Nester auch in diesem Jahr wieder bewohnt werden würden. Doch diesesmal kamen die Störche nur kurz vorbei, bauten ein wenig an ihrer Behausung herum und zogen nach einer Woche wieder weiter.

Seit mittlerweile zwei Jahren baut sich der ehemalige technische Angestellte und Steinkohlenbergbauer aus Rheurdt am Niederrhein in Tettau seinen Alterssitz aus. „Als ich über meinem Grundstück Störche fliegen sah, erinnerte ich mich an ein ungarisches Dorf, wo auf zweihundert Metern Dorfstraßenlänge zwölf Storchenhorste montiert waren“, erklärt der heute 58-Jährige. Ihm kam die Idee auch zur Errichtung von Punkten, wo Menschen ins Gespräch kommen, wo sie gemeinsam Störche beobachten, wo sie sich zusammenfinden und plaudern können.

Mitstreiter fand er im Bürgermeister Siegmar Petrenz, im Energieversorger enviaM, in den Vorsitzenden der Agrargenossenschaften Elster-Pulsnitz und Schradenland, im Tischlermeister Lutz Voigtländer und weiteren Tettauern. „Viele, viele Menschen haben eng an einer Sache zusammengearbeitet – alles wunderbare Leute, alles ging problemlos und alle halfen aus freien Stücken“, ist Figura heute noch dankbar.

Dass die Störche in diesem Jahr die Horste verschmäht haben, sei sehr traurig. Für ihn bleibt die Hoffnung. Auch mit dem „Storchenvater“ Werner Blaschke möchte Figura Kontakt aufnehmen, um sich mit ihm darüber auszutauschen und um letztlich zu einem guten Ergebnis zu kommen. Trotz allem aber bleiben die gefiederten Vögel auch in Zukunft Figuras große Leidenschaft. Marina Balzer