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Stolz auf Keramikindustrie

Heinz Hager aus Großräschen hat viel darüber zu erzählen, was auf dem Rätselfoto der vorigen Woche (Abbildung) abgebildet war. Er kann sich auch über den Preis freuen. Ein Buch, das er sich in der RUNDSCHAU-Redaktion abholen kann. Herzlichen Glückwunsch! Heinz Hager schreibt:


Der gewaltige Gebäudekomplex, an dem sich diese keramischen handgefertigten Platten befinden, ist das Friedrich-Hoffmann-Gymnasium in Großräschen. Die in Großräschen damals beheimateten Industriezweige sind symbolisch auf diesen keramischen Plastiken dargestellt. Von links nach rechts betrachtet: Zu sehen sind die Symbole der Landwirtschaft, der Kohle, Glas- und Keramikindustrie. Seit Mitte der 50er-Jahre arbeitete ich als Schüler in den großen Ferien nicht nur im Klinkerwerk III, sondern kurzzeitig im Klinkerwerk I, wo die Herstellung dieser Platten erfolgte. So erinnere ich mich: Entwurf und Gipsmodellherstellung erfolgte durch Prof. Paulick und Otte Piesche (Künstler und Fachkundelehrer), teilweise auch durch Karl August (Architekt der IBA). Tone und Sande wurden nach bestimmten Qualitätsmerkmalen ausgesucht. Die Ton- und Sandgrube befand sich links der ehemaligen Straße Großräschen-Süd nach Senftenberg (Nähe Siedlung Waldfrieden). Die gesamte keramische Fertigung lag in den Händen von Hans Streichhan. Er war seinerseits der größte Fachmann, den es im Klinkerwerk Großräschen gab, um diese so schwer zu behandelnden miozänen Braunkohlentone zu verarbeiten. Die Platten sind von Hand gefertigt worden, die Mauerziegel maschinell; ihre Aussortierung erfolgte nach vorgegebenen Farbenmustern. Im Farbton blau/blau-braun/ bunt. Der am längsten dauernde und schwierigste Prozess war die Trocknung der großen keramischen Elemente die eine schwere körperliche Arbeit erforderte. In dieser Abteilung war ich damals kurzzeitig beschäftigt.
Gebrannt wurde im Gaskammerringofen II (System: Mendheim-München) Brennstoff: Generatorgas (eigene Erzeugung). Die Fertigungsdauer der abgebildeten keramischen Platten dauerte von der Aufbereitung bis zur Auslieferung etwa drei bis vier Monate. Alle keramischen Elemente sind im Werk I hergestellt worden. Der gesamte Gebäudekomplex ist in traditioneller Bauweise - Stein auf Stein errichtet worden. Jedes der vier abgebildeten Bilder wurde aus jeweils vier Teilen angefertigt und auf der Baustelle zusammengefügt. 1954 wurde das Gebäude als Berufsschule für Ziegler eingeweiht. Unterrichtsräume, Lehrerzimmer, Eingangsportal und Speisesaal sind von der Seestraße aus zu sehen. Über den in der LR abgebildeten Plastiken befinden sich heute noch Wohn- bzw. Aufenthaltsräume. Im Westteil des Gebäudes war das Institut für Bau- und Grobkeramik beheimatet. (Später Institut für Zuschlagstoffe und Nat ursteine). Zwischen Ostteil (an der Seestraße) und Westteil befand sich das Internat für die Lehrlinge. Die angrenzende Turnhalle wurde in Regie des Klinkerwerkes mit Hilfe der DHfK Leipzig projektiert und durch unsere Bauabteilung Anfang der 70er-Jahre realisiert. In der Berufsschule fand die theoretische Ausbildung vorwiegend für den Bereich Grobkeramik statt. Die praktische Ausbildung fand im Werk in Großräschen-Süd und anderen Werken des Klinkerwerkes Großräschen statt. 1959 war meine Lehr- und Ausbildungszeit an dieser Schule beendet. Nach dem Studium begann die Assistenszeit wieder im Werk I, und ich blieb in der Keramischen Industrie bis 1998. 1991 wurde aus der Betriebsberufsschule das Gymnasium Großräschen. Das Internat wurde zu Unterrichtsräumen umgebaut. Am 30. November 2001 erhielt es den Namen Friedrich Hoffmann, an deren Namensgebung ich teilnahm. Was bleibt noch? Nicht nur aufkommende Erinneru ngen, wenn man diesen Bildausschnitt sieht, sondern auch ein gewisser Stolz auf diesen Industriezweig und vor allem auf die handwerklichen Fertigkeiten der Menschen, die mit Fleiß, Geschick und Können dieses Bauwerk errichteten. Wie ein Denkmal steht dieser monumentale Bau in unserer Stadt. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten.