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Stolz auf die Königin der Instrumente

Auch Lucas Pohle, ein junger Organist aus Crostau, spielte die Silbermannorgel in Großkmehlen mit Hingabe.
Auch Lucas Pohle, ein junger Organist aus Crostau, spielte die Silbermannorgel in Großkmehlen mit Hingabe. FOTO: Rudolf Kupfer/rkp1
Großkmehlen. Die Weihe der von Gottfried Silbermann in der St.-Georgs-Kirche in Groß-kmehlen geschaffene Orgel jährt sich im November 2018 zum 300. Rudolf Kupfer / rkp1

Mal. Auf dieses Jubiläum arbeiten die Kirchengemeinde und die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft mit Sitz in Freiberg gemeinsam hin. Eigens für diesen Anlass hat die Gesellschaft eine Stele geschaffen, die einen Platz in der Kirche neben dem Wasserschloss erhalten soll. Das wird die achte Station des Schaffensweges des berühmten Orgelbaumeisters. Insgesamt sind noch 31 seiner Instrumente erhalten, auf die anlässlich der 300. Wiederkehr der Orgelweihen aufmerksam gemacht wird.

Im Kontrakt vom 11. Januar 1717 zum Bau der Orgel in Großkmehlen hatten die Generalin Johanna Eleonore von Brause, Freifrau von Weißig, Tettau und Lindenau, und Gottfried Silbermann aus Freiberg die Kosten in Höhe von 1000 Talern, sowie freie Kost, freies Quartier, Brennholz und die benötigten Zu- und Abfuhren in der Zeit des Erbauens von 1717 bis 1718 vereinbart. Bei der Übernahme der Orgel am 20. November 1718 attestierte die Kirchenpatronin Silbermann: "Sein Versprechen allenthalben, rechtschaffend und ehrlich nachgekommen ist und noch ein Mehrfaches geleistet hat". Seither begleitet dieses Instrument mit leisen und getragenen Tönen, die bis hin zu musikalischer Urgewalt reichen, das kirchliche Leben in der Gemeinde Großkmehlen.

Der in Frauenstein/Sachsen geborene Gottfried Silbermann erfuhr seine schulische Ausbildung bei Christian Leipold, der als Rektor und Organist der Schule großen Anteil an seiner Entwicklung hatte. Leipold stammte übrigens aus Ort rand und hatte seine Kindheit in der Kleinstadt an der Pulsnitz verbracht.

Es gibt viele Geschichten um das Instrument zu erzählen. Eine ist die Rettung der Orgel nach Blitzeinschlag und Brand des Holzturmes am 4. Juli 1944 durch die Feuerwehr und Gemeinde. Fälschlicherweise gibt es Veröffentlichungen, die den Brand den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und dem Vormarsch der Roten Armee zuordnen.

Dem Pfarrer Ehepaar Sabine und Michael Fuhrmann ist es zu verdanken, dass nun schon seit mehr 40 Jahren regelmäßig Orgelkonzerte stattfinden, die inzwischen weit über die Gemeindegrenzen hinaus Musiker und Zuhörer anziehen.

Ein Glücksfall: Matthias Eisenberg, ein international bekannter Organist, ist von Anfang an dabei - und er hält Großkmehlen nach wie vor die Treue. Den zunehmenden Verfall von Kirche, Orgel und Pfarrhaus hat die Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gestoppt. Mit einer privaten Spende von Hubert Hofer aus Bonn ist die Silbermannorgel in den Jahren 1995/96 von der Orgelbaufirma Wieland Rühle aus Moritzburg vollständig saniert worden. Der Spender hatte die erforderliche Summe von 250 000 Markt bereitgestellt. In Anwesenheit des Retters ist die Orgel in einem Festakt im September 1996 neu geweiht worden. Dankbar hatte die Kirchengemeinde dieses großartige Geschenk angenommen. "Möge das gelungene Werk mit seinem Klang den sonntäglichen Gottesdienst bereichern und die Menschen zur Einkehr und Besinnung in unserer hektischen Welt bewegen", erklärte Hofer an diesem denkwürdigen Tag.

Dankbar sind alle Verehrer dieses Instrumentes auch dafür, dass die vom Pfarrer-Ehepaar Fuhrmann begründete Konzertreihe von den Nachfolgern Sabine Indorf und nun Thomas Brilla fortgesetzt wird. Inzwischen hat die jährliche Konzertreihe an der Silbermannorgel einen festen Platz im Kulturkalender der Region und weit darüber hinaus gefunden.

Am Wochenende begeisterte mit Lucas Pohle ein junger Organist aus Crostau das Publikum.

"Mit Musik öffnen wir unsere Kirche für alle. Und wir haben den großen Vorteil, dafür die Silbermannorgel nutzen zu können", sagt Gisa Kern vom Gemeindekirchenrat.

Zum Thema:
Am Festprogramm zum 300. Jahrestag der Orgelweihe in Groß kmehlen im Jahr 2018 wird gegenwärtig noch gearbeitet. Das nächste Konzert findet am Sonntag, dem 27. August, ab 16 Uhr mit Ulrike Scheytt aus Görlitz statt.