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Stimmung auf Mühlenhof in Kroppen

Christina Merbeth (r.) und Markus Petzold führen Regie beim rundum hausgemachten Mühlenfest in Kroppen. Die ganze Familie stellt es auf die Beine – für das Dorf und viele Ortsfremde, die gern an der Pulsnitz Halt machen.
Christina Merbeth (r.) und Markus Petzold führen Regie beim rundum hausgemachten Mühlenfest in Kroppen. Die ganze Familie stellt es auf die Beine – für das Dorf und viele Ortsfremde, die gern an der Pulsnitz Halt machen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Kroppen. Die Kroppener Korn- und Sägemühle an der Pulsnitz zieht am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, erneut Hunderte an. Das lebendige technische Denkmal fasziniert die Menschen, die gleichzeitig auch das größte Familienfest der Region feiern. Kathleen Weser

Denn der Mühlenhof in Heinersdorf, in fünfter Generation im Merbeth'schen Besitz, ist gestern Kulisse für einen besonders emotionalen Gottesdienst. Hannes Wolfgang, der im März geborene Spross der jüngsten Müllerstochter Christina Merbeth und des stolzen Vaters Ronny Sarodnik, und Ella, die Tochter von Markus und Susann Petzold, werden getauft. An diesem Tag schmerzlich vermisst und immer allgegenwärtig: Wolfgang Merbeth. Das Familienoberhaupt, der Begründer des Mühlenfestes, war im vergangenen Jahr unerwartet verstorben. Auch im Andenken an den Vater hat Christina Merbeth (31) das Zepter in die Hand genommen und mit Markus Petzold (40) den großen Familienrat zusammengetrommelt. Und der Entschluss beider Familienzweige, das traditionelle Mühlenfest zu Pfingsten weiter zu stemmen, stand sofort fest. "Das hätte mein Vater auch so gewollt", erzählt Christina Merbeth sichtlich ergriffen.

Gut 50 Frauen und Männer stark sind der harte Kern der Familien Merbeth und Petzold und der auch weit angereisten Verwandtschaft. Zwei Wochen Arbeitsurlaub nimmt sich, wer kann, um das Mühlenfest an der Pulsnitz zu organisieren. Am Festtag selbst haben die Helfer eine Stunde vor dem Gottesdienst schon die erste Schicht hinter sich: Tische und Sitzbänke stehen liebevoll dekoriert auf dem Hof, die Mini-Ausstellung zur Historie der Mahl- und Sägemühle hängt gut sichtbar am Gebäude an der Brücke über den Mühlgraben, die Traktorenschau ist startklar, im Sägewerk läuft die Maschine Probe. Im Vertikalgatter wird die erste starke Kiefer in Bretter geschnitten. Auch der Turbinenkeller wird gelüftet. Seit 1907 versorgt die Mühle den kleinen Ort Heinersdorf mit Strom. Mehr als eine Glühlampe hatten die Haushalte zwar damals nicht. Aber die Kraft des Wassers hat auch den Fortschritt ins Dorf gebracht. Die Führungen übernehmen Hagen Schneider, der den Sägebetrieb praktisch weiterführt, und der natürlich angelernte Lebenspartner der jüngsten Müllerstochter.

Als ältester Besitzer der Heinersdorfer Mühlen ist Caspar Hommel in den Jahren 1565 bis 1618 dokumentiert. Verbrieft ist, dass die Witwe des Ortrander Baumeisters Schmidt das Anwesen 1905 an Max Merbeth verkaufte. Anfang der 60er-Jahre ist dem Müller dann die Gewerbeerlaubnis für die Mahlmühle, deren Technik bis heute noch gut erhalten und zu besichtigen ist, vom Staat abgenommen worden. Denn zwei Mühlen in Privathand würden nicht gebraucht.

In der Mahlmühle wurde nur noch Futter geschrotet. Die Sägemühle indes blieb unverzichtbar für die Volkswirtschaft - als Lieferant der Werkstoffe für die Böttcherei in Ruhland, die auch für den Export arbeitete. Das Grundstück wurde geteilt - Mühle und Bäckerei bekam Anton Merbeth, das Sägewerk und die Wirtschaft Wolfgang Merbeth. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden von beiden Familien gemeinsam bewirtschaftet.

Das Korn aus der Lindenauer Mühle ist seitdem zu dem legendären Kroppener Brot verbacken worden. Markus Petzold hat auch das Rezept geerbt. In aller Frühe backt er für das legendäre Mühlenfest in Kroppen die 650 Semmeln für das gemütliche Hof-Frühstück und die später gegrillten 800 Bratwürste natürlich frisch. "Eine einfache Weißbrotscheibe gibt's bei uns nicht zur Wurst", bestätigt der

40-Jährige. Das ginge gegen die Handwerker-Ehre. "Ich habe einen guten Chef. Der lässt mich in der Backstube walten, wenn am Ende alles wieder sauber blitzt", erklärt er lachend. Aber der hausbackene Kuchen wird von den Gästen noch mehr geliebt, ergänzt Christina Merbeth sichtlich glücklich über die zufriedenen Menschen auf dem Mühlenhof.

In der Kroppener Sägemühle werden Aufträge von Waldbesitzern und Lohnschnitt für den Holzhandel geleistet. Eine Turbine, die derzeit wegen des Neubaus des Pulsnitzwehres stillsteht, erzeugt Energie. Die mehr als 100 Jahre alten Mühlen zu erhalten, ist ein schweres Brot. Die Familien sind darum bemüht - und wollen sie zum Mühlentag auch weiter öffnen. Denn nicht zuletzt sind schöne Erinnerungen - auch an die Kindheit - mit dem Leben an der Pulsnitz verbunden. "Ich bin in Tettau aufgewachsen, war aber in den Ferien immer hier", erzählt Markus Petzold. Viele Leute, immer frische Brötchen und dass die Großeltern stets für ihn da waren, nennt er. Christina Merbeth berichtet lachend: "Ich war immer sehr beliebt - wegen des Kahns, mit dem wir fahren konnten. Zeitweise wurden auch zu viele meine Freunde."

Das gemütliche Beisammensein mit der Großfamilie nach dem Mühlenfest genießen am Abend des Pfingstmontag dann alle. Aufgeräumt wird erst heute.