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Ehrenamt
Stille Helden auf großem Parkett

Doppelt gut: Manfred und Undine Petras bringen sich in der Turnhalle des SV Empor Hörlitz ein und sind dafür am „Tag des Ehrenamtes“ des Landkreises OSL ausgezeichnet worden. Für die Begründung ihres ehrenamtlichen Engagements benötigt das Paar nur drei Worte: „Das Dorfleben erhalten.“
Doppelt gut: Manfred und Undine Petras bringen sich in der Turnhalle des SV Empor Hörlitz ein und sind dafür am „Tag des Ehrenamtes“ des Landkreises OSL ausgezeichnet worden. Für die Begründung ihres ehrenamtlichen Engagements benötigt das Paar nur drei Worte: „Das Dorfleben erhalten.“ FOTO: Uwe Hegewald
Hörlitz. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Undine und Manfred Petras aus Hörlitz. Von Uwe Hegewald

() Würde in Hörlitz (Gemeinde Schipkau) nach dem Allzeit-Traumpaar gesucht, dürften sich Undine und Manfred Petras berechtigte Hoffnungen auf einen Spitzenplatz machen. Nahezu alles stemmt das Paar gemeinsam. Der alltägliche Haushalt muss erledigt, ein 900-Quadratmeter-Garten samt Kleintieren müssen in Schuss gehalten und die häuslichen Schmusekatzen umsorgt werden. Darüber hinaus kümmert sich das Paar um die örtliche Turnhalle. Für diesen ehrenamtlichen Dienst sind den beiden Hörlitzern zum Tag des Ehrenamtes auf Landkreisebene Dankesurkunde, Ehrenplakette und die Ehrenamtskarte des Landes Brandenburg überreicht worden. Fast schon selbstverständlich: Gemeinsam wurden sie zum Vortreten aufgefordert, um die seltene Doppelauszeichnung für Paare entgegenzunehmen.

„Die Turnhalle ist für uns schon fast ein zweites Zuhause geworden. Für meinen Mann noch etwas mehr, als für mich“, sagt Undine Petras. Von Sportfreunden und Bekannten wird er kurz Manni genannt. „Bis 1980 habe ich in Hörlitz aktiv Fußball gespielt, fast immer als Läufer rechts außen“, blickt Manfred Petras auf seine Kicker-Zeiten zurück. Die Treue zum Verein hat er gehalten, war zwischenzeitlich vier Jahre im Vorstand tätig und ist noch heute als „Läufer“ gefragt. Immer dann, wenn der 59-Jährige die rund 600 Meter zwischen Wohnung und Turnhalle pendelt. „Bei einfachen Kontrollen oder Schließdiensten kommen wöchentlich bis zu vier Stunden zusammen. Liegen größere Arbeiten an, können es auch schon mal 30 Stunden werden“, erzählt er. So etwa fürs Putzen der zahlreichen Fensterscheiben, für das schon mal zwei Wochen ins Land gehen. Als „Investition mit Weitsicht“ wertet er die Anschaffung einer Vereins eigenen Rüstung im vorigen Jahr. Das erleichtere anfallende Arbeiten in 6,50 Metern Höhe, was auch „Chef-Elektriker“ Uwe Nowka zu schätzen weiß.

1991 hat der Sportverein SV Empor Hörlitz  die Turnhalle unter seine Regie genommen, als klar wurde, dass die örtliche Schule schließt. Mit der Übernahme der Trägerschaft wurden Decken abgehangen, Dusch- und Umkleideräume renoviert und umgestaltet, ein neuer Fußboden verlegt oder Heizungsverkleidungen angebracht. Manfred Petras gehörte damals schon zu den Aktivposten, oftmals mit dem zupackenden Sohn Mike an seiner Seite. „Die Turnhalle habe ich nie aus dem Fokus verloren“, so der frühere Dachdecker. „Pro Haus 2000 bis 3000 Ziegel auf den Schultern nach oben zu wuchten, war keine Seltenheit. Das alles für einen spärlichen Lohn“, erinnert er sich. Auch an seinen früheren Chef, der eine „sehr spezielle Meinung“ zu Lohn und DDR- Handwerkerflaute vertrat. Als Petras ihn nach etwas mehr Monatsgehalt in der Lohntüte fragte, schien der Meister vorbereitet: „Würdest du bei ausreichender Bezahlung nach Feierabend noch schwarz arbeiten gehen?“, entgegnete er und rechtfertigte, in der Bevölkerung ein drohendes Dachdecker-Vakuum erst gar nicht entstehen zu lassen.

Bei Wind und Wetter auf Dächern herumturnen muss der Hörlitzer nicht mehr. Aber er muss bei jeglicher Witterung raus, um das Kommen und Gehen in der Turnhalle im Auge zu behalten. Über die gesamte Woche geben sich Bewegungshungrige sprichwörtlich die Klinke in die Hände: Freizeit-Volleyballer, Hausfrauen-Gymnastikgruppe, Line-Dancer, Rückenkurs-Teilnehmer (Physiotherapie) und seit drei Jahren sogar eine Bauchtanzgruppe. „Der Motorsportclub Hörlitz und die Fußballer nutzen die Halle bei Bedarf. Der Heimatverein ist in eine der Räumlichkeiten eingezogen und die Harlekids vom zirkuspädagogischen Zentrum Brieske schauen hier vorbei“, zählt Manfred Petras weitere Hallennutzer auf. Ehegattin Undine ergänzt: „Besonders freuen wir uns, dass die Kita wieder regelmäßig zum Sport kommt.“ Dank der jetzt sanierten Ernst-Thälmann-Straße kämen die Knirpse bequem und sicher zur Halle und wieder zurück.

Regelmäßig greifen Undine und Manfred Petras zu ihren Reinigungsgeräten, damit die kleinen und großen Sportler optimale Bedingungen vorfinden. Zwei bis drei Stunden plant das Pärchen allein zum Wischen des Parketts ein, Sanitär-, Umkleide- und weitere Räume noch nicht einmal einbezogen. Beim Großreinemachen können sich Undine und Manfred Petras auf zupackende Hände verlassen. Mitglieder von Vereinen, Interessengemeinschaften oder Hörlitzer, denen die Turnhalle am Herzen liegt, machen sich nützlich. Wie Manfred Petras informiert, habe es sich dabei bewährt, die Halle im Sommer für einen längeren Zeitraum zu schließen, um anfallende Renovierungen oder Malerarbeiten anzuschieben.