| 02:45 Uhr

Starthilfe für junge Leute aus der Lausitz

Franziska Schneider aus Klettwitz (2.v.l.) und Tino Hoffmann aus Großräschen vom Emil-Fischer-Gymnasium Schwarzheide, Maria Trodler vom Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg (der Bruder, 3.v.r., nimmt die Auszeichnung entgegen), Anika Raaz aus Senftenberg (4.v.r.) vom Oberstufenzentrum Lausitz sowie Monique Schwarze aus Hermsdorf (M.) vom Christlichen Johanneum Hoyerswerda haben die Dehmel-Stipendien des Jahres 2017 erhalten. Die Stifter, Dr. Hans-Herrmann Dehmel (l.) und seine Frau Gisela (2.v.r), sowie der neue Stiftungsvorsitzende Werner Förster freudig vereint.
Franziska Schneider aus Klettwitz (2.v.l.) und Tino Hoffmann aus Großräschen vom Emil-Fischer-Gymnasium Schwarzheide, Maria Trodler vom Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg (der Bruder, 3.v.r., nimmt die Auszeichnung entgegen), Anika Raaz aus Senftenberg (4.v.r.) vom Oberstufenzentrum Lausitz sowie Monique Schwarze aus Hermsdorf (M.) vom Christlichen Johanneum Hoyerswerda haben die Dehmel-Stipendien des Jahres 2017 erhalten. Die Stifter, Dr. Hans-Herrmann Dehmel (l.) und seine Frau Gisela (2.v.r), sowie der neue Stiftungsvorsitzende Werner Förster freudig vereint. FOTO: Steffen Rasche/Dehmel-Stiftung
Schwarzheide. Stipendien der Dehmel-Stiftung an fünf angehende Studenten vergeben. Vom Schicksal hart getroffene Familie in Lauta unterstützt. Kathleen Weser

Herausragende schulische Leistungen und gesellschaftliches und soziales Engagement zeichnen die Dehmel-Stipendiaten aus der Lausitz aus.

Monique Schwarze aus Hermsdorf, die am Christlichen Gymnasium Johanneum Hoyerswerda die Schulbank drückt, will ins Finanzwesen einsteigen. Ein Praktikum in der Sparkasse Niederlausitz hat sie in dem Berufswunsch bestärkt.

Franziska Schneider aus Klettwitz will Informatik studieren. Wie Tino Hoffmann, der ein Studium der Physik ansteuert, lernt sie am Emil-Fischer-Gymnasium in Schwarzheide. Maria Trodler vom Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg will Medizin studieren. Anika Raatz aus Senftenberg, die am Oberstufenzentrum Oberspreewald-Lausitz in Schwarzheide einen guten Abschluss hinlegt, will ein Studium der Kunst aufnehmen. "Mit ihrem vielseitigen und persönlichen Einsatz haben die fünf Abiturienten zum Erfolg außerschulischer und sozialer Projekte beigetragen", sagt Dr. Colin von Ettinghausen, der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsvorstandes. Sie betätigen sich unter anderem im Schulchor, organisieren Registrieraktionen für Knochenmarkspenden, beteiligen sich an lokalen Kunstprojekten und unterstützen die Kirchenarbeit in ihrem Heimatort. Auch das wird mit dem Dehmel-Stipendium belohnt. Und mit sichtlicher Freude und Stolz schauen die Stifter am Montagabend in Schwarzheide auf den hoffnungsvollen Nachwuchs.

Die Starthilfe für das Studium ist verdient - und kommt von Herzen. Hans-Herrmann und Gisela Dehmel ist es ein besonderes Anliegen, in der Lausitz für die Zukunft der Industrieregion aktiv zu sein. Dafür ackert der Stiftungsvorstand, dessen Führung nunmehr Werner Förster vom Gründer taufrisch übernommen hat, hart. Aus Altersgründen tritt Hans-Herrmann Dehmel - wohl überlegt und planmäßig - in die zweite Reihe zurück. Die beiden Männer haben an der Spitze des Chemie-Riesen in der Lausitz und für die Region gemeinsam so manche Schlacht geschlagen. "Werner Förster ist zehn Jahre jünger als ich", erklärt Hans-Herrman Dehmel mit einem verschmitzten Lachen. "Jetzt muss er vorn ran", sagt er. Und der Wegbegleiter, der zur Altersfrage nur locker abwinkt, übernimmt gern.

Die Stiftung in der anhaltenden Niedrigzinsphase weiter ertragreich zu machen, ist schwerer geworden. "Wir haben natürlich auch BASF-Aktien, die Gewinne abwerfen", bestätigt der Stiftungsgründer. In Immobilien werde zudem investiert. Und damit schließt sich der Kreis - auch in der Region. Denn wichtigstes Anliegen der Dehmel-Stiftung ist und bleibt es, "besonderes Engagement zu würdigen und die Ausbildung junger Menschen in der Lausitz zu fördern", sagt Hans-Herrmann Dehmel. "Die Dehmel-Stiftung unterstützt junge Talente auf dem Weg, die Fachkräfte von morgen zu werden. Damit fördert sie die Entwicklung der Region nachhaltig", betont Colin von Ettinghausen. Und der Kaufmännische Geschäftsführer der BASF Schwarzheide würdigt dies auch nicht uneingeschränkt uneigennützig. Der Industriestandort Lausitz steht vor der großen Herausforderung, den Fachkräfte-Nachwuchs für die Zukunft zu sichern. Kluge Köpfe in der Region zu halten und auch für das Unternehmen zu gewinnen, sorgt für einen doppelt starken Erfolgseffekt: Die Chemie-Aktien mehren auch die Erträge der Stiftung, die wiederum junge Leute auf dem Weg ins Berufsleben und zu dauerhaft starken Wurzeln in der Lausitz unterstützen will.

Dem Vorstand ist es zudem wichtig gewesen, einer vom Schicksal hart getroffenen Familie in Lauta unter die Arme zu greifen. Durch einen Hausbrand im vorigen Jahr war sie in eine soziale Notlage geraten. Eine Finanzspritze half.

Auch ein Spielplatz für die Kinder der Kindertagesstätte "Seesternchen" in Senftenberg ist unterstützt worden. Und am Emil-Fischer-Gymnasium Schwarzheide konnte dank der Stiftung auch ein Physik-Kabinett auf Vordermann gebracht werden - für gute Bildung als Schlüssel zum Erfolg.

Zum Thema:
Die Dehmel-Stiftung ist im Jahr 2000 von Hans-Hermann Dehmel und seiner Ehefrau Gisela geründet worden. Der gebürtige Hoyerswerdaer ist 1990 zurück in die Lausitz gekommen und hier bis 1995 erster Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide gewesen. Gisela Dehmel hat als Studienrätin am Schwarzheider Gymnasium unterrichtet. Die Stiftung, die ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke verfolgt, fördert Kunstprojekte und Kultureinrichtungen in der Lausitz und leistet Hilfe in sozialen Notfällen. Seit Gründung der Dehmel-Stiftung vor 17 Jahren haben bereits 65 Lausitzer Abiturienten ein Stipendium erhalten. Die jungen Leute erhalten für jedes der ersten sechs Semester 500 Euro für Bücher und Arbeitsmaterialien.