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Start in die Getreideernte mit Aufschub

Günter Kockro, Leiter der Pflanzenproduktion in Großräschen, misst die Feuchte von Wintergerste.
Günter Kockro, Leiter der Pflanzenproduktion in Großräschen, misst die Feuchte von Wintergerste. FOTO: Rudolf Kupfer/rkp1
Großräschen. Den richtigen Erntezeitpunkt für Winterraps und alle anderen Kulturen zu finden, gehört zu den wichtigen Aufgaben der Landwirte. Schafschwingel ist in Großräschen schon vor dem großen Sturm in den Speicher gebracht worden. Rudolf Kupfer / rkp1

Günter Kockro ist in der Agrargenossenschaft Großräschen seit mehr als einem Vierteljahrhundert Leiter der Pflanzenproduktion und hat in dieser Zeit viele Erfahrungen gesammelt. "Großes Glück hatten wir in diesem Jahr gleich zu Beginn mit dem Drusch von 160 Hektar Schafschwingel, der im Betrieb als Vermehrungskultur angebaut wird. Noch vor dem großen Sturm am 21. Juni war die erste Ernte in guter Qualität im Speicher."

Die zweite Kultur im Druschkalender der Großräschener ist die Wintergerste. Bei dieser prüft Kockro täglich die Kornfeuchte. Bei fast 19 Prozent Feuchte um 14 Uhr am Dienstag konnten die Mähdrescher noch nicht starten. Erst unter 15 Prozent sind die Körner ohne zusätzliche Trocknung lagerfähig. Mit diesem Wert sei in den nächsten Tagen zu rechnen.

"Bei den aktuell niedrigen Preisen von 12 bis 13 Euro je Dezitonne Getreide versuchen wir unter allen Umständen, eine zusätzliche Trocknung zu sparen", sagt der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Großräschen, Hans-Joachim Kupz. "Bei den Vermehrungskulturen, wie Lupinen und Erbsen, ist eine technische Trocknung ohnehin wegen der zu erhaltenen Keimfähigkeit nicht möglich. Wenn diese Kulturen reif sind, müssen wir das schöne Wetter nutzen. Seit Jahren ist unser Betrieb ein anerkannter Saatgutvermehrer im Land Brandenburg. Diesen guten Ruf wollen und werden wir weiter verteidigen."

Im Landwirtschaftsbetrieb Thomas Domin in Peickwitz wurde die gesamte Getreideanbaufläche von 30 Hektar durch Hagelschlag am 28. Juni stark geschädigt.

Betroffen sind auch sechs Hektar Hafer, der als Kraftfutter für Rinder, Schweine und Gänse im Betrieb benötigt wird. Über eigene Druschtechnik verfügt Domin nicht. Er nutzt dafür Dienstleistungsunternehmen aus Plessa. Übrigens, als es in Peickwitz hagelte, nahm Thomas Domin in Berlin als Delegierter am Deutschen Bauerntag teil.

In der Agrargenossenschaft Frauendorf sind in diesem Jahr 850 Hektar Getreide und Raps zu dreschen. Die Wintergerste auf 50 Hektar Anbaufläche war bereits am Dienstag in guter Qualität im Speicher.

Zu denen, die mit Mähdreschern ihre Runden ziehen, gehört Siegfried Klaus. Immerhin sitzt er während der Erntezeit schon 40 Jahre auf dem Mährescher. Seine jetzige Erntemaschine ist bereits seit 20 Jahren in Betrieb und leistet nach wie vor gute Arbeit, schätzt er ein.

Mit 300 Hektar Winterraps gehört die Agrargenossenschaft in Frauendorf zu den größten Anbauern in der Region. Noch ist diese Kultur nicht druschfähig. Klaus rechnet damit zum Monatsende und hofft, dass die gut herangewachsenen Bestände von Hagelschlag verschont bleiben.

Dass in diesem Jahr der Winterweizen eher druschreif wird, als der Winterroggen ist eine Besonderheit dieses Jahres. Insgesamt sind die Ernteaussichten im Süden des Landkreises in diesem Jahr nicht schlecht und die Ernte ist in den Betrieben gut vorbereitet.

Allerdings gilt nach wie vor die Bauernweisheit: Erst was in guter Qualität im Speicher liegt, zählt.