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Start für neue Ausbildungspartner

Die Übergabe des Ausbildungsvertrages vor offener Motorhaube hat einen guten Grund. Denn zur Abschlussprüfung im Unterrichtsfach Wirtschaft, Arbeit und Technik (WAT) hatte Pascal Leyerer (2.v.r.) das Thema Ottomotor perfekt bearbeitet. Jetzt beginnt er eine Lehre im Autohaus. Christian Jakobitz von der Handwerkskammer Cottbus, die stolze Mutter Sandra und Leon-Luca Leyerer und Autohaus-Chef Henryk Klonowski (v.l.n.r.) freuen sich mit ihm.
Die Übergabe des Ausbildungsvertrages vor offener Motorhaube hat einen guten Grund. Denn zur Abschlussprüfung im Unterrichtsfach Wirtschaft, Arbeit und Technik (WAT) hatte Pascal Leyerer (2.v.r.) das Thema Ottomotor perfekt bearbeitet. Jetzt beginnt er eine Lehre im Autohaus. Christian Jakobitz von der Handwerkskammer Cottbus, die stolze Mutter Sandra und Leon-Luca Leyerer und Autohaus-Chef Henryk Klonowski (v.l.n.r.) freuen sich mit ihm. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Großräschen/Senftenberg/Cottbus. Die Freude ist Pascal Leyerer (17) ins Gesicht geschrieben. Nach den Sommerferien tritt der Senftenberger eine Lehre zum Fachpraktiker für Kraftfahrzeug-Mechatronik mit dem Schwerpunkt Autotechnik an. Uwe Hegewald / uhd1

Das Autohaus Klonowski startet in ein neues Ausbildungsprogramm.

Im Vergleich zu vielen Gleichaltrigen braucht Pascal Leyerer etwas länger, um sich Dinge einzuprägen und Zusammenhänge zu erschließen. Doch seiner Lernschwäche setzt er Aufgeschlossenheit, Zielstrebigkeit und Lernbereitschaft entgegen. "Respekt", erklärt Christian Jakobitz von der Handwerkskammer (HWK) Cottbus beim prüfenden Blick auf das Abschlusszeugnis des Schulabgängers. Überwiegend gute Noten und die Eins im Unterrichtsfach Sport lobt er. "Das sind sehr gute Ausgangsbedingungen für diese besondere betriebliche Berufsausbildung, die sich in unserem Kammerbezirk immer besser etabliert", stellt Jakobitz fest, der im Kammerbezirk für Inklusion in der Ausbildung tätig ist. Das heißt: Junge Menschen mit Einschränkungen ganz gezielt zu fördern und zu fordern - und nach den individuellen Fähigkeiten zum Einstieg ins Berufsleben zu bringen.

In seiner dreieinhalb Jahre währenden, theoriereduzierten Ausbildung wird Pascal Leyerer an der Seite klassischer Kfz-Mechatroniker-Azubis die Schulbank drücken. "Bei entsprechenden Leistungen und bestandenen Prüfungen kann er sogar während der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker aufsatteln", stellt Christian Jakobitz in Aussicht. Innerhalb der Ausbildung vollziehen Jugendliche mitunter erstaunliche Entwicklungen, schildert er. Sie werden selbstständiger, machen den Führerschein und beziehen die erste eigene Wohnung. Pascal Leyerer habe schon immer Interesse für Kraftfahrzeuge. In der neunten Klasse hat er ein Praktikum in der Senftenberger Filiale des Autohauses Klonowski absolviert. In der zehnten Klasse folgte dann ein wöchentliches Engagement im Rahmen des praxisbezogenen Lernens und Arbeitens. Unter den Fittichen des Senftenberger Werkstattmeisters Karsten Mücklausch wurde dem Förderschüler das Einmaleins des Werkstattlebens vermittelt.

Autohaus-Geschäftsführer Henryk Klonowski weiß, worauf es in der Ausbildung ankommt: "Die jungen Leute müssen sich beim Wechseln von Rädern und Ölen beweisen, sich aufgeschlossen gegenüber Elektrik, Programmierung oder Teiledienst zeigen, souverän und freundlich gegenüber Kunden auftreten und auch mal den Besen in die Hand nehmen." Seit mehr als 20 Jahren werden bei Klonowskis Lehrlinge ausgebildet. Das neue Modell in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit ist auch für dieses Autohaus Neuland. "Wer den jungen Leuten keine Chance gibt, wird nie in Erfahrung bringen, ob sie sich im Berufsleben zurechtfinden", begründet Henryk Klonowski seine Bereitschaft zum Mitwirken an dem noch sehr jungen Modell.

Sandra und Kai Leyerer sind stolz auf ihren Sohn, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. So folgte er seinem Vater in die Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Brieske, in der inzwischen auch der jüngste Sprössling, Leon-Luca (10), mitwirkt.

Ein "ganz dickes Lob" richtet Sandra Leyerer an die Förderschule "Marianne Seidel" in Senftenberg. "Diese Einrichtung und Klassenleiterin Heike Barsch haben die größte Aktie am Zustandekommen des Ausbildungsvertrages", betont sie. Kürzlich ist die Förderschule auch mit dem Siegel "Schule mit hervorragender Berufsorientierung" ausgezeichnet worden. "Der Titel ist redlich verdient", sagt Sandra Leyerer und erntet dafür von Henryk Klonowski und Christian Jakobitz zustimmendes Nicken.

Zum Thema:
Eine Behinderung schränkt, wenn überhaupt, meist nur einzelne Teilfähigkeiten ein. Oftmals bereichern korrespondierende Stärken der Mitarbeiter die Betriebe zusätzlich. Eine Behinderung ist also keinesfalls mit einer Leistungsminderung gleichzusetzen, betont Christian Jakobitz, Experte der Handwerkskammer Cottbus.