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| 15:34 Uhr

Wirtschaft in Oberspreewald-Lausitz
Starkes Rückgrat der Wirtschaft in Oberspreewald-Lausitz

 Geschäftsführer Panitz beim Rundgang mit dem Landrat über das Werksgelände der Bohr- und Brunnenbau Panitz GmbH & Co. KG.
Geschäftsführer Panitz beim Rundgang mit dem Landrat über das Werksgelände der Bohr- und Brunnenbau Panitz GmbH & Co. KG. FOTO: Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Auf Rundreise durch das Kreisgebiet macht Landrat Siegurd Heinze (parteilos) regelmäßig Station in heimischen Unternehmen. Wirtschaftliche Perspektiven, Fragen der Fachkräftegewinnung und auch Anliegen an die Kreisverwaltung waren Themen, teilt Kreis-Sprecherin Marlen Weser mit.

Rita Bernhardt brennt für ihren Beruf. Das hat sie im Klinkerwerk Buchwäldchen deutlich gemacht. Vormauer-, Pflaster- und Kanalklinker werden am Standort im Amt Altdöbern gefertigt. Auch Sonderprodukte, wie etwa für denkmalgeschützte Bauten, sind ganz nach Kundenwunsch möglich, erläutert die Diplomingenieurin. In Großräschen verwurzelt, leitet sie mit langjähriger Erfahrung in der Klinkerbranche das Werk mittlerweile seit mehr als zehn Jahren.

Bereits seit 1864 werden im Werk Buchwäldchen Klinker produziert. Bis zur Wende gehörte das Werk zum VEB Klinker- und Ziegelwerke Großräschen im Kombinat VVB Bau- und Grobkeramik Halle, danach zur Klinker- und Ziegelwerke Großräschen GmbH. Seit 2003 ist das Werk Buchwäldchen ein Standort der Wienerberger GmbH. Das deutsche Tochterunternehmen der österreichischen Aktiengesellschaft zählt zu den führenden Ziegelherstellern in Deutschland. Mit Hauptsitz in Hannover ist das Unternehmen bundesweit mit insgesamt 19 Werken präsent.

 Werkleiterin Rita Bernhardt (l.) erläutert Landrat Siegurd Heinze und Bärbel Weihmann die Herstellung der Ziegelprodukte im Werk Buchwäldchen.
Werkleiterin Rita Bernhardt (l.) erläutert Landrat Siegurd Heinze und Bärbel Weihmann die Herstellung der Ziegelprodukte im Werk Buchwäldchen. FOTO: Landkreis Oberspreewald-Lausitz

50 Mitarbeiter, die meisten davon aus der nahen Region, sind am Calauer Standort im 2-Schicht- und teilweise 3-Schicht-Betrieb tätig. Derzeit werden zwei Mechatroniker und ein Verfahrensmechaniker Bausteine/Erden im Verbund mit dem TÜV Rheinland ausgebildet. Lagebedingt gestalte sich die Gewinnung von Auszubildenden für das Werk Buchwäldchen jedoch nicht ganz einfach, wie Rita Bernhardt erklärt. Für engagierte und qualifizierte Mitarbeiter sei das Unternehmen jedoch ein attraktiver Arbeitgeber mit tarifgebundener Bezahlung.

„Ton als Baustoff hat eine 5000 Jahre alte Geschichte und wird aus ökologischer und ökonomischer Sicht als gesunder und wirtschaftlicher Baustoff geschätzt. Ziegelprodukte gelten als sehr langlebig“, weiß die Werksleiterin zu begeistern. Jährlich 100 000 Tonnen des Rohstoffes werden im nahegelegenen eigenen Tagebau Plieskendorf durch ein Partnerunternehmen gewonnen. Um deren Farbreinheit zu erhalten, werden die Tone selektiv sortenrein abgebaut. Bei Brenntemperaturen von 1000 bis zu 1800 Grad Celsius entstehen dann etwa Vormauerklinker in zahlreichen Farben und Oberflächen. Mit regionalen Namen wie Calau, Märkisch oder Lausitz gehen diese bis nach Kuwait und Japan weltweit in den Verkauf. Dabei ist die Nachfrage momentan so hoch, dass seit Jahresbeginn mehr verkauft als produziert werden konnte. „Bislang sind wir aber immer lieferfähig geblieben“, versichert die Werksleiterin.

So sind die Pflanzbeete, welche den Marktplatz in Großräschen umrahmen, mit Klinkern aus Buchwäldchen hergestellt, und auch für den Bau des neuen Aussichtsturms in der Calauer Schweiz wird Wienerberger die Klinker fertigen. Wehmütig wird Rita Bernhardt bei dem Gedanken an ihre Heimatstadt Großräschen. Hier hatte die Herstellung von Klinkern viele Jahre Tradition. Heute fehlt ihr in der einstigen sogenannten Klinkerhauptstadt die Erinnerung an das ehemalige Klinker- und Ziegelwerk, das mit zahlreichen Werken ein bedeutender Arbeitgeber der Region war. Einzig angesichts einiger historischer Gebäude werde hier die Geschichte sichtbar.

Die Bohr- und Brunnenbau Panitz GmbH & Co. KG in Lübbenau ist 1992 als privates Einzelunternehmen gegründet worden. Die Firma ist im Spezialtiefbau aktiv, begleitet auch die Tagebausanierung und Rekultivierung der Bergbaulandschaft.

Zum Leistungsspektrum gehören Lagerstätten- und Baugrunderkundungen, technische Bohrungen und dort vor allem Geothermiebohrungen zur Nutzung von Erdwärme sowie Betonsäge- und -schneidearbeiten mit Diamantwerkzeugen.

Im Bereich der Geothermie ist der Betrieb bereits seit 25 Jahren tätig, „als erstes Unternehmen im Osten Deutschlands“, betont Geschäftsführer Krystian Panitz. Mit spezieller technischer Ausrüstung hebe sich das Unternehmen im Markt hervor, erläutert er. So sei man in der Lage, Brunnen bis zu einem maximalen Durchmesser von 1000 Millimetern und einer maximalen Tiefe von 250 Metern zu bohren. Mit Langzeitverträgen bis über das Jahr 2020 hinaus stellt sich die Auftragslage derzeit sehr gut dar. Fortwährend wird in die Modernisierung der Anlagen investiert. Jüngstes Beispiel dafür ist die grundhafte Erneuerung der Werkshalle vor fünf Jahren. Der Geschäftsführer betont dabei die stets positive Zusammenarbeit mit der Stadt Lübbenau und auch den Behörden auf kreislicher Ebene.

31 Beschäftigte aus dem Lübbenauer Umfeld sind für das Unternehmen mit Sitz im Lübbenauer Ortsteil Schönfeld deutschlandweit unterwegs. Zahlreiche Mitarbeiter sind bereits seit langen Jahren dabei. Mittlerweile setzt man bei der Gewinnung von Fachkräften auch auf Quereinsteiger, welche durch Lehrgänge qualifiziert werden. „Schwieriger gestaltet sich die Suche nach Auszubildenden“, führt Krystian Panitz aus. Derzeit finden sich kaum interessierte junge Bewerber. Die vielfältige, aber auch anspruchsvolle Ausbildung beginnt mit der zweijährigen Ausbildung zum Tiefbauer, an die sich die Spezialisierung zum Brunnenbauer anschließt. „Man hat viel mit modernster Messtechnik zu tun, die mobil über Tablets gesteuert wird. Zudem bieten wir den angehenden Auszubildenden Unterstützung beim Erwerb des Führerscheins an“, so der Geschäftsführer.

(kw)