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Starkes Ergebnis für den Kapitän

Großräschen. Großräschener Bürgermeister mit 85,6 Prozent wiedergewählt. Wahlbeteiligung liegt in der Seestadt bei 67,3 Prozent. Platzhirsch behält das Ruder in nächsten acht Jahren in der Hand. Andrea Budich

Kurs halten, Untiefen umschiffen und Flauten überstehen - das ist seit 23 Jahren sein Job. Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) ist der Platzhirsch in der Großräschener Kommunalpolitik. Dass sich niemand getraut hat, ihm bei seiner vierten Wahl die Stirn zu bieten und als Gegenkandidat den Wahlkampf aufzumischen, quittieren die meisten Großräschener mit Gelassenheit. "Was er macht, ist in Ordnung. Wir fahren gut mit ihm. Er soll das Ruder auch künftig in der Hand haben", bescheinigt ihm am Wahlsonntag Ludwiga Noatnick aus Saalhausen. Sabine und Stefan Bolfraß sind zufrieden mit dem Amtsinhaber, wünschen sich aber, dass er für den Ortsteil Saalhausen "noch eine Schippe drauf legt". Der Kindergarten müsse dringend erweitert werden.

Dass die Großräschener gut und gern in ihrer Heimatstadt leben, liegt am Wahlsonntag buchstäblich in der Luft. Ländliche Idylle in den Ortsteilen. Passend zur Wahlkampf-Flaute ohne politischen Gegenwind stehen am Nachmittag sogar die Windräder rund um Wormlage und Freienhufen still. Einen Mitbewerber gewünscht im fast langweiligen Wahlkampf hätten sich Kerstin und Timo Neudeck aus Wormlage. "Unsere Stimme hat der Amtsinhaber sicher, aber Konkurrenz belebt nun einmal das Geschäft. Auch in der Politik", erklärt das Paar. Die beiden sind Neu-Wormlager. Vor einem Jahr sind sie aus Lipten hergezogen.

Ein Hauch Wahlkampf-Stimmung kommt dann am Abend doch noch am Stammtisch in Kunth's Dorfschänke auf. Nach den ersten Hochrechnungen ist klar: Zenker macht das Ding zum vierten Mal. Sogar ohne Wahlplakate, auf die er diesmal komplett verzichtet hat.

Erste Arbeitsaufträge geben die Wormlager ihrem alten, neuen Chef gleich mit auf den Weg. Die Pflege des Parkes und die Werterhaltung auf dem Spielplatz, auf dem es immer wieder Reparaturen gibt, gehören dazu. Auch beim Neustart des Jugendclubs erhoffen sich die Wormlager Unterstützung.

Überlegen, wo das Kreuz zu stehen hat, muss Maik Krüger mit seiner Lebenspartnerin am Sonntagnachmittag im Kurmärker-Wahllokal keine Sekunde. "Unser Bürgermeister kümmert sich, er ist ein Macher, der viel bewegt in der Stadt", sind sich beide einig. "Er macht das mit dem Herzen. Ruft sogar zu Hause an, wenn es etwas zu klären gibt", begründen sie.

An der Windstille im Wahlkampf ohne Gegenkandidaten stört sich Familie Werschke aus der Käthe-Kollwitz-Straße in Großräschen überhaupt nicht. Nach 17 Jahren im Vorjahr als Rentner aus Bayern in die alte Heimat zurückgekehrt, ist es für die beiden Neu-Großrä schener immer wieder erstaunlich, was aus dem einstigen Kohlestädtchen geworden ist. "Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht auch, dass das Geld nicht nur in den Hafen fließt", begründen sie ihre Entscheidung. Für die war auch wichtig, dass der Amtsinhaber jetzt Gelegenheit hat, seine Projekte zu Ende zu bringen.

Weitere Wahlergebnisse nach Stand von 23.30 Uhr: www.lr-online.de