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Staren-Frauen sind durchgebrannt

Großkoschen. Standhaft verweigern die Stare, die es sich in diesem Jahr sehr wohl wieder im technisch mit dem Kamera-Auge ausgestatteten Nistkasten im Garten von Klaus Hirsch in Großkoschen wohnlich eingerichtet hatten, die Mitwirkung am Lehrfilm aus der Vogelwelt. Der Naturfreund vom Senftenberger See gibt auf: "Ich habe das Nest jetzt entfernt", erklärt er nach dem Misserfolg auf ganzer Linie. Kathleen Weser

Seit nunmehr acht Jahren präpariert er einen Starenkasten mit der Spezialkamera, um das Brutgeschehen aufzuzeichnen. Bisher ist die Live-Übertragung ins Arbeitszimmer auch stets wie am Schnürchen gelaufen. Aber "in diesem Jahr ging erstmals alles gründlich schief", bestätigt Klaus Hirsch. "Und das lag nicht an der Technik, sondern ausschließlich am Verhalten der Stare, die hier brüteten", erzählt er weiter. Während aktuell in zwei weiteren Nistkästen im Garten die Stare schon erfolgreich die zweite Brut füttern, herrscht im Kamera-Nistkasten komplett Stille.

Im Februar hatte Klaus Hirsch pünktlich die Kamera im Nistkasten in Stellung gebracht. "Schon am folgenden Tag waren die ersten Stare zur Besichtigung eingeflogen", sagt er. Vom März bis in den April hinein sei auch eifrig am Nest gebaut worden. Doch trotz "häufigen Werbegesanges" kam offensichtlich keine richtige Partnerschaft zu Stande. Im Jahresverlauf werden ab 10. April normalerweise die ersten Eier von den Starenweibchen gelegt. Im Kamerakasten lag am 20. April noch nichts. Und einen Tag später kam der männliche Star und warf innerhalb von 30 Minuten das halbe Nest hinaus. "Er war sehr aufgeregt. Für mich ein Zeichen dafür, dass seine Auserwählte durchgebrannt war", schlussfolgert Klaus Hirsch. Der verärgerte Vogel sei auch nicht mehr zurückgekehrt. "Am 24. April habe ich dann die Reste vom Nest entfernt und die Linse der Kamera geputzt", schildert er. In der Hoffnung auf einen Neubeginn einer anderen Starenfamilie.

Im Mai zog auch ein neues Pärchen ein. Wieder wurde ein Nest gebaut. Und am 21. Mai lag ein erstes Ei darin. Insgesamt wurden vier gelegt. Ab 25. Mai begann die Brutzeit. Die dauert etwa zwei Wochen. Alles schien normal. Heiße und kühle Temperaturen wechselten. Doch am 30. Mai fehlte die Starin plötzlich eine ganze Nacht. Am Morgen saß sie wieder auf dem Nest. Aber in der Nacht zum 4. Juni verschwand sie erneut. "Diesmal für immer", erzählt der Naturfreund. Der Staren-Mann habe das am Morgen aufgeregt registriert. "Sie war weg und hatte offensichtlich auch keine Lust mehr auf Familie", sagt Hirsch. Das Gelege mit den vier Eiern, die zehn Tage und acht Nächte bebrütet worden waren, blieb zurück. "Nach einer Wartezeit von fünf Tagen habe ich das Nest entfernt und nun keine Hoffnung mehr, dass sich in diesem Sommer im Nistkasten noch etwas tut", schließt Klaus Hirsch das letzte Kapitel des Natur-Dramas.