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Stapellauf erst nächstes Jahr

Senftenberg.. Bauherr, Planer und Handwerker stehen unter Druck. Bis zum Beginn des Schuljahres am 18. August müssen alle Klassenräume im Gymnasium Senftenberg saniert und der zweite Rettungsweg eingerichtet sein. Die Schule selbst soll Ende der nächsten Sommerferien 2004 fertig sein – nach acht Jahren Bauzeit. Von Daniel Preikschat

Durch das Senftenberger Gymnasium geht ein Riss. Die Schulhälfte, die zum Senftenberger See zeigt, ist fix und fertig saniert. Die Klassenräume haben neue Böden, neue Fenster und sind frisch gemalert. Die Fassade des Plattenbaus ist verdämmt und verkleidet. Der terrassenartig über drei Etagen an das Gebäude angebaute Umlauf lädt zum Betreten ein. Doch das wäre verboten. Die statische Konstruktion darf nur von beiden Seiten zugleich belastet werden, erklärt Rainer Paulan vom Hochbauamt des OSL-Kreises. Stahlrohre laufen quer durch das Gebäude und verbinden die Umläufe miteinander.
Die unfertige Seite des Gymnasiums liegt Richtung Stadtgebiet. In den Klassenzimmern, die in diese Richtung zeigen, tummeln sich die Handwerker: Bodenleger, Anstreicher, Elektriker. Die Fensterbauer immerhin haben ihre Arbeit schon verrichtet. Gerade drei Wochen bleiben, um die Räume so aussehen zu lassen wie die seeseitig gelegenen. Einzugsfertig für Schüler und Lehrer, wobei der Flur auch noch in den Herbstferien saniert werden könnte. Die Unternehmen arbeiten fast Akkord. „Wenn nicht wieder eine Firma Insolvenz anmelden muss, wird das aber klappen“ , meint Paulan. Mehr als eine musste im Laufe der sieben Jahre Sanierungszeit aufgeben.

Mit dem Baulärm leben
Was in diesen Sommerferien verbaut wird, sind nicht mehr als 200 000 Euro. Der Umbau insgesamt kostet Millionen. Doch bei immer nur vorläufiger Haushaltsführung des Bauherrn, des Landkreises OSL, fließt das Geld nur kleckerweise. „Besser wäre gewesen, wir hätten in einem Schlag sanieren können“ , räumt Paulan ein. Doch dafür fehlte einfach das Geld. Zumal die Beförderung der Schüler an einen Ausweich-Standort für die Dauer der Bauarbeiten ebenfalls teuer geworden wäre. So müssten Schüler, Lehrer und Anwohner mit dem über Jahre sich hinziehenden Baulärm leben. „Beschwerden haben wir ständig“ , sagt Paulan.
Wenn Schüler und Lehrer Mitte August wieder einziehen, ist mit dem Baulärm noch längst nicht Schluss. Der große Bug des von einem Senftenberger Architektenbüro zum Schiffskörper umgestalteten lang gestreckten Plattenbaus ist noch im Rohbau. Das dort eingebaute Treppenhaus muss schon jetzt als zweiter Rettungsweg dienen. Die Fassadensanierung einer ganzen Hälfte des Gebäudes steht noch aus. Noch im Rohbau ist auch die Sporthalle mit anliegendem Umkleide- und Sanitärtrakt. Bis zum Ende der großen Ferien im nächsten Jahr soll das alles fertig werden, gibt Paulan einen Ausblick. Noch Zukunftsmusik ist ein größerer Parkplatz längs der Schule. Dazu müsste ein benachbarter Plattenbaublock fallen. Doch das anzugehen, sei Sache der Stadt Senftenberg und der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) im Rahmen des Stadtumbaus, so Paulan.

Standort der Zukunft
Im Gegenzug für die jahrelange Belastung würden die Senftenberger einen Schulstandort der Zukunft bekommen. Der Plattenbau erfüllte in keiner Weise mehr den heute üblichen Standards eines Gymnasiums, so der Sachgebietsleiter. Fehlende Wärme-Dämmung und undichte Fenster trieben die Betriebskosten in die Höhe, ebenso Licht und Heizung, die nicht zu steuern waren.
Senftenberg ist einer von drei Standorten für Gymnasien, auf den sich das Kreis-Parlament geeinigt hat. Der zweite ist Lübbenau. Als dritter ist ein Süd-Gymnasium im Gespräch.

Hintergrund Ferien-Sanierung auch an den Förderschulen
 Schwerpunkt der Ferien-Sanierung neben dem Gymnasium Senftenberg sind die Förderschulen in Senftenberg und in Lübbenau. In Senftenberg arbeiten die Handwerker an Turnhalle und Umkleidekabinen, in Lübbenau an den Außenanlagen.
Dort ist die Stadt Antragsteller für die nötigen Fördergelder, obwohl der Kreis der Schulträger ist.