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| 01:36 Uhr

Stahl für die Kängurus

Versandmitarbeiter Jürgen Stahn bereitet den nächsten Sondertransport vor. Hierbei handelt es sich um den fast 52 Tonnen schweren und zehn Meter langen Unterbau eines Tagebaugerätes. Zielort ist eine Steinkohlegrube im australischen Clermont (Provinz Queensland). Die etwa 30 Transporte ins Känguru-Land sind zunächst zwei Nächte zum Hamburger Hafen unterwegs. weiter geht es dann sechs Wochen lang per Schiff zur australischen Ostküste.
Versandmitarbeiter Jürgen Stahn bereitet den nächsten Sondertransport vor. Hierbei handelt es sich um den fast 52 Tonnen schweren und zehn Meter langen Unterbau eines Tagebaugerätes. Zielort ist eine Steinkohlegrube im australischen Clermont (Provinz Queensland). Die etwa 30 Transporte ins Känguru-Land sind zunächst zwei Nächte zum Hamburger Hafen unterwegs. weiter geht es dann sechs Wochen lang per Schiff zur australischen Ostküste. FOTO: Steffen Rasche
Lauchhammer. „Die Integration in die italienische Tenova-Gruppe geht voran“ , sagt Gerhard Nies, Mitglied der Geschäftsleitung der Takraf GmbH Lauchhammer. Erst im Dezember des Vorjahres war der Verkauf der bisherigen Eigentümer aus München an den Mailänder Anlagenbauer perfekt gemacht worden. Manfred Feller

Einen Bruch habe es nicht gegeben. Im Gegenteil! „In diesem Geschäftsjahr haben wir für alle Bereiche vom Stahl- über den Maschinenbau und die Werksmontage eine solide Auslastung“ , versichert Gerhard Nies. Die Rohstoff- und Energiewirtschaft habe ihre Nachfrage nach modernen Ausrüstungen weltweit noch einmal erhöht. Der mehr als 420 Beschäftigte zählende Schwermaschinenbauer mit Standorten in Sachsen und Brandenburg arbeitet derzeit und in den nächsten Monaten Aufträge im zweistelligen Millionenumfang ab.
Allein in diesen Wochen verlassen mehr als 30 Sondertransporte Lauchhammer in Richtung Australien. Auf den Tiefladern liegen Ausrüstungen für den Kohle- und Erzbergbau mit einem Gesamtgewicht von rund 700 Tonnen. Die Großbauteile sind für eine mobile Brecheranlage beziehungsweise für einen Absetzer bestimmt.
Die Investitions- und Modernisierungstätigkeit von vorhandener Bergbautechnik bewegt sich nach Einschätzung von Gerhard Nies auf einem hohen Level. Allerdings habe sich der Wettbewerb noch einmal verschärft. „Besonders bei der Bergbau- und Fördertechnik ist die Preisqualität für Ausrüster nicht auf dem Niveau, wie wir es uns wünschen“ , bedauert Gerhard Nies.
Schwierig sei es aufgrund des hohen Eurokurses, wenn für den Dollarraum gebaut werde. Besonders dann müsse sich Takraf Projektpartner in aller Welt suchen. Auf Baustellen und zur Fertigungsüberwachung arbeiten die Spezialisten auf allen Kontinenten, aktuell zum Beispiel in Indonesien, China, Chile, Russland, Polen, Dubai, Serbien und im Kosovo.
Darüber hinaus sind momentan weitere Aufträge in Arbeit oder werden demnächst begonnen. Für Südafrika werden Lagerplatzausrüstungen für den Kohle- und Erzumschlag geliefert. Zwei neue Projekte wurden in Kasachstan an Land gezogen. Einmal handelt es sich um den Bau zweier kleiner Schaufelradbagger, Stacker (Stapelungsgeräte) und Bandanlagen für die Aluminiumindustrie. Dann um die Modernisierung eines in den 70er-Jahren in Lauchhammer gebauten Schaufelradbaggers.
In den nächsten eineinhalb Jahren entstehen für den chilenischen Kupfererzbergbau Brecher, Bandanlagen und Absetzer. Zielgebiet sind die Anden. Im Kosovo werden derzeit alte Takraf-Schaufelradbagger mechanisch und elektrisch generalüberholt. Dazu gehöre auch der Einbau neuer Getriebe.
Parallel werden in Lauchhammer zahlreiche Ersatzteilaufträge für Kunden in rund 20 Ländern abgearbeitet. Hierzu zählen Stützkugeln mit bis zu 1,20 Meter Durchmesser sowie Zahnkränze und Kugelringe im Riesenformat mit Durchmessern von drei bis 17 Metern und Raupenplatten.
Um diese und die anderen anspruchsvollen Aufträge schnell, in hoher Qualität und termingerecht erfüllen zu können, habe das Unternehmen neue Fachkräfte eingestellt. Gute Ingenieure seien gefragt, allerdings auch rar. Deshalb kooperiert die Takraf GmbH mit Universitäten und der Fachhochschule Lausitz. Etwa 80 Prozent jener Absolventen, die bisher zur praktischen Ausbildung nach Lauchhammer kamen, wurden übernommen.

Zum Thema Zertifizierung
  Die Takraf GmbH an den Standorten Leipzig und Lauchhammer wird in dieser Woche von Fachleuten unter die Lupe genommen und qualitätsmäßig nach der Norm DIN EN ISO 9001 auditiert. Gerhard Nies: „Durchgängiges Qualitätsbewusstsein ist für alle Bereiche wichtig. Unsere Kunden im Export legen darauf großen Wert.“
Etwa 25 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Takraf GmbH in Europa, den großen Rest auf allen anderen Kontinenten. Der Auftragseingang im Vorjahr betrug mehr als 200 Millionen Euro und war damit etwa doppelt so hoch wie 2006.