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| 02:44 Uhr

Stadtwächter tritt den Dienst in Ruhland an

Der Stadtwächter führt die Neugierigen auch zum Stein mit den tapferen Ruhlander Mäusen. Die Geschichte bleibt er noch schuldig.
Der Stadtwächter führt die Neugierigen auch zum Stein mit den tapferen Ruhlander Mäusen. Die Geschichte bleibt er noch schuldig. FOTO: Rasche/str1
Ruhland. Mit der Helmbarte, die Spieß und Axt vereint, tritt Stadtwächter Andreas Peter zur Abendstunde den Dienst in Ruhland an. Den mittelalterlichen Job, in den Straßen und Gassen für Ruhe und Ordnung zu sorgen, stellt der Gubener am Sonnabend hinten an. Denn mehr als 40 Bürger folgen ihm auf dem Rundgang durch die historische Kleinstadt an der Schwarzen Elster. Und der ist spannend. Kathleen Weser

Der Schwarzen Elster, der Lebensader in der sumpfigen Niederung des Lausitzer Urstromtals, verdankt das alte Fischerdorf namens Rulant die Entwicklung zu einem Handelszentrum und zum Stadtrecht. Aus dem Jahr 1317 stammt ein Siegel mit der Inschrift "Grosere Insiegel des Staetleins Ruhland". Diese Ersterwähnung lässt auf das im nächsten Jahr 700 Jahre alte Stadtrecht schließen. Das Wappen, das die Krone des Königreiches Böhmen und den doppelköpfigen Adler für die Zugehörigkeit zum kaiserlichen Österreich - Ungarn zeigt, ist zwei Jahre später mit dem Wechsel der Oberlausitz von der Markgrafschaft Brandenburg zu Böhmen dokumentiert worden.

Die wechselvolle Geschichte der Kleinstadt an der Schwarzen Elster, die Grenzfluss zur Niederlausitz ist, ist im Stadtbild erlebbar - am besten auf dem nächtlichen Rundgang mit dem Stadtwächter. Die schlafenden Bürger vor Feinden, Dieben und Feuer zu warnen und auf gut verschlossene Haustüren und Stadttore zu achten, gehört ebenso zu seinen Aufgaben wie die Stunden anzusagen. Andreas Peter macht das unterhaltsam. Und auf sein Recht, verdächtigen Personen auf den Zahn zu fühlen und sie notfalls auch festzunehmen, verzichtet er vorerst. Denn er führt die Neugierigen höchstselbst auch in die dunklen Gassen erlebbarer Stadtgeschichte.

An der Kursächsischen Postdistanzsäule auf dem liebevoll sanierten historischen Marktplatz beginnt der Stadtrundgang. Im Regen. Das schreckt die Ruhlander aber keineswegs. Und das Kerzenlicht in den Laternen, die die Leute mitgebracht haben, schafft Atmosphäre. Die Postmeilensäule, die erstmals 1722 aufgestellt worden war, weist übrigens neben Dresden und Berlin auch die Entfernung nach Guben aus. Über die fast 100 Kilometer kommt Andreas Peter von der Neiße gern an die Elster. Der Geschichtslehrer und Autor zahlreicher Schriften zur Regionalgeschichte zeigt sich begeistert von der "kleinen, feinen Stadt mit einer spannenden Historie", die den Menschen vor allem mit Blick auf die 700-Jahrfeier im Mai nächsten Jahres näher gebracht werden soll. Das ist eine Idee des Vereins "Wir für Ruhland", die ausgesprochen gut ankommt. Auch bei Neubürger Gregor Halpick (26). "Ich bin in Schwarzheide aufgewachsen, habe in Dresden studiert und bin erst kürzlich nach Ruhland gezogen", erzählt er. Die beschauliche Ruhe jenseits der hektischen Großstadt schätzt er sehr. Und natürlich gehöre es dazu, seinen Lebensmittelpunkt richtig kennen zu lernen. "Deshalb bin ich schon auf den ersten Stadtrundgang neugierig gewesen, habe das zeitlich aber nicht geschafft", sagt der junge Mann, der beim Software-Unternehmen Archicart in Lauchhammer ins Berufsleben gestartet ist.

Von der Stadtkirche, die mehrmals verheerenden Stadtbränden zum Opfer gefallen, von den Ruhlandern aber immer wieder aufgebaut worden war, geht es über den Kirchplatz weiter zu den tapferen Mäusen der Stadt am alteingesessenen Bestattungshaus Kranke und weiter durch eine schmale, vielfach noch unentdeckte Gasse zu den drei weisen Eulen. Die Zahl 3 ist eng mit Ruhland verbunden, erklärt der Stadtwächter. Drei Stadttore, das Dresdener, das Berliner und das Bautzener, gehörten einst zur wehrhaften Stadtbefestigung und waren Eingänge zum Handelsplatz mit dem legendären Fisch und vor allem Aal aus dem Heimatfluss. Auch das Amtsgericht, der heutige Sitz des Amtes Ruhland, liebevoll restaurierte Häuser und die Matzmühle liegen auf dem Rundgang, der am Gutshof endet. Und der wiederum ist auch das Zentrum der Heimatforscher.

Zum Thema:
Die nächsten Stadtrundgänge durch Ruhland mit Stadtwächter Andreas Peter stehen zum Nikolausshopping am 2. Dezember, 16.30 und 19 Uhr, schon fest. Um Anmeldung wird dringend gebeten. Denn die Gruppe soll überschaubar bleiben, damit alle Gäste der Führung auch gut folgen können. Das erklärt Bürgermeister Uwe Kminikowski (CDU). Kontakt: Amt Ruhland Telefon: 035752 3710 oeffentlichkeitsarbeit@amt-ruhland.de oder wirfürruhland@t-online.de