Als „Schandfleck“ bezeichnet der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) den Bahnhof und dessen Umfeld. Das Ensemble wirke nicht gerade einladend und sei dem Tourismus abträglich. Aus diesem Grund soll zumindest das Umfeld des Verkehrsknotens jetzt Chefsache werden, kündigt Fredrich an. „Die Stadt hat inzwischen die Grundstücke um den Bahnhof erworben. Dazu gehört auch der Wasserturm als eine Art Wahrzeichen“, berichtet der Bürgermeister. Darüber hinaus gebe es mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg ein Projekt zur künftigen Entwicklung des Gebietes zwischen dem Bahnhof im Norden und der Neuen Bühne im Süden.

„Wir wollen dieses Vorhaben in einem der nächsten Semester vertiefen“, kündigt Stadtentwickler Carsten Henkel an. Das daraus resultierende konkrete Projekt solle anschließend in die politische Diskussion gehen.

Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) steht der Idee grundsätzlich positiv gegenüber. Sie empfiehlt den Stadtväter, einen entsprechenden Architekturwettbewerb auszuloben. Dann könnten auch Fördermittel fließen.

Darüber hinaus wird, so die MInisterin, der Senftenberger Bahnhof an Bedeutung gewinnen. Zum einen soll es zukünftig möglich sein, direkt von der Kreisstadt per Bahn in die Berliner Innenstadt zu fahren. Und ab Ende 2022 sollen die Züge zwischen Senftenberg und Cottbus im Halbstundentakt verkehren.

„Der Bahnhof wird also attraktiver, da müssen wir auch etwas für sein Umfeld tun“, stellt Andreas Fredrich klar. Der ehemalige Chef der Internationalen Bausstellung (IBA) „Fürst-Pückler-Land“, Prof. Rolf Kuhn, empfiehlt den Senftenbergern, „groß zu denken“. Denn ein funktionierender und in der Bevölkerung akzeptierter Bahnhof könne sehr viel zum städtischen Image beitragen. „Gebe es die IBA noch, würde ich der Stadt sofort ein Angebot unterbreiten“, unterstreicht Kuhn die Bedeutung. Er verweist auf den Stadthafen, der anfangs von vielen belächelt wurde, sich aber innerhalb kürzester Zeit zum Markenzeichen Senftenbergs entwickelt hat

Während einer Diskussion im Bürgerhaus Wendische Kirche weisen mehrere Bürger auch auf den aktuellen Zustand des Senftenberger Rangierbahnhof hin. Dieser gehört, so erklärt der Sedlitzer Christoph Hänsel, zu den größten seiner Art in Ostdeutschland. „Ich kann nicht verstehen, warum diese Anlage fast tot ist“, sagt Hänsel. Ministerin Schneider gibt ihm Recht: „In der Vergangenheit wurden tatsächlich viel zu schnell Bahnanlagen vernichtet.“ Dennoch sei es eine Illusion, dass der Senftenberger Rangierbahnhof mittelfristig zu einem Drehkreuz ausgebaut werde. „Die Bahn hat ja erst den nicht weit entfernten Ruhlander Bahnhof an der hauptsächlich für den Güterverkehr bestimmten Niederschlesien-Magistrale komplett neu gebaut.“ Kathrin Schneider verweist im gleichen Atemzug aber auch auf den Eisenbahnknoten Falkenberg. Dieser habe sich in den vergangenen Jahren zu einem Wirtschaftsstandort mit rund 100 Arbeitsplätzen entwickelt. So etwas sei perspektivisch auch für Senftenberg denkbar.