Längst hat der Asphalt gedampft. Große Teile der Bundesstraße 169, die als Teil der Oder-Lausitz-Trasse ausgebaut wird und den „schnellen Verkehr“ an der Senftenberger Innenstadt vorbei lenken soll, liegen schon seit Monaten fertig in der Landschaft. Das Mammut-Bauvorhaben Ortsumgehung fordert den Planern alles ab. Die Fahrbahn wird hauptsächlich auf Kippengelände errichtet. „Zu fast 90 Prozent. Das ist bisher einmalig“ , betont Ludwig Herrn, der Niederlassungsleiter Cottbus des Landesbetriebes Straßenwesen. Neun Brücken überspannen Bahnanlagen und Fahrbahnen, wenn die Verkehrsader im nächsten Jahr planmäßig in Betrieb gehen wird. „Vor Überraschungen sind wir nicht gefeit“ , weiß Ludwig Herrn inzwischen aus der praktischen Erfahrung nur zu gut. Die Beschaffenheit des Erdreiches wurde wohl - trotz kritischer Betrachtung im Vorfeld - noch unterschätzt. „Die komplizierten geologischen Verhältnisse sind das Besondere an diesem Bauvorhaben“ , sagt der „oberste Bauherr“ . Und sie sind auch der Grund dafür, dass die Straße nicht abschnittweise nutzungsfähig errichtet werden kann. Der Bauablauf ist in erster Linie vom Sanierungserfolg der Lausitzer und Mitteldeutschen BergbauVerwaltungsgesellschaft (LMBV) abhängig. Aber auch die ingenieurtechnischen Bauwerke sind Knackpunkte, die technologische Abhängigkeiten schaffen.

Erster funktionsfähiger Abschnitt
Mit der Wiedereinfahrt nach Senftenberg ist der ersten funktionstüchtige Abschnitt der zehn Kilometer langen Ortsumgehung fertig. Er wird jetzt - wie die Experten sagen - „unter Verkehr genommen“ . Damit kann die Umleitungsstrecke aus Richtung Cottbus gekappt werden. Die Voraussetzung dafür, die Straße über die 170 Meter lange Bahnhofsbrücke weiter in Richtung Hörlitz (Landstraße 60) und zum Autobahnanschluss zu führen. Auch hier sind die Asphaltiermaschinen schon wieder abgerückt. Der Damm ist vorgeschüttet. Die Verbindung durch den Reppister Tunnel wird von der Bundesstraße abgehängt. Das Gewerbegebiet erhält eine neue Zufahrt. Land- und forstwirtschaftliche Wirtschaftsbetriebe können den alten Straßenpfad teilweise noch nutzen, um auf ihre Flächen zu gelangen.
Und es ist noch eine Menge zu tun auf der Großbaustelle. Im Bereich der Überführung über die Landstraße 60 bei Hörlitz (Bauwerk 5) wurde ungeplant ein großflächiger Bodenaustausch notwendig. 80 000 Kubikmeter Kohletrübe müssen raus, um die Trasse standsicher machen zu können. Der Anschluss der Ortsumgehung unter der Überführung Ackerstraße (Bauwerk 6) und weiter über den Westrandsammler, über den das die Stadt Senftenberg anströmende Grundwasser „gebremst“ werden soll, ist erstellt. Bis vor die Brücke über den Bahnhof (Bauwerk 7) ist die Verkehrsader gebaut.
Zeitgleich wird an weiteren Trassenabschnitten geackert. Für den Brückenbau über den Bahnhof Brieske (Bauwerk 4) laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Auch hier musste Kohletrübe unter Kontrolle gebracht werden. Die Setzungsüberwachung erfolgt in dem Straßenabschnitt dauerhaft. Einem Jahr Liegezeit unterliegt die Trockenkippe zunächst, um die Bedingungen für das Bauvorhaben grundsätzlich einzuschätzen. Auch anschließend bleiben die Messeinrichtungen im Boden - für einen Langzeitversuch, der Aufschluss über das Verhalten des pro blematischen Untergrunds geben soll. Die Brücke über die Rainitza (Bauwerk 9) hat die strenge Prüfung inzwischen hinter sich. Das Kreuzungsbauwerk, das die B 169 über die Bundesstraße 69 führt (Bauwerk 8) soll Ende des laufenden Jahres planmäßig fertig werden. Und auf der Brücke über den Bahnhof (Bauwerk 7) ist der Überbau betoniert. Die Kontrollvermessungen laufen. In Abstimmung mit der Bahn werden über der Gleisstrecke Cottbus - Großenhain die Schalungen erstellt. Auch dieses Bauwerk soll zum Jahreswechsel fertig sein.

Start für weitere Bauten
Die Sanierungsarbeiten der Lausitzer und Mitteldeutschen BergbauVerwaltungsgesellschaft bestimmen, wann die Nord-Abschnitte (Netzanschluss an die L 60) nutzungsfähig werden können. „Wir sind bestrebt, durchgängige Verkehrsabschnitte zu organisieren“ , betont Ludwig Herrn.
Hauptbaustelle wird im letzten Jahr des Ortsumgehungsbaus nunmehr aber das Terrain in Richtung Brieske, wo die „Schnellstraße“ schließlich auf die alte B 169-Trasse zurückgeführt wird - die soll allerdings zeitnah dreistreifig angeschlossen werden. Vier gewaltige Bauwerke sind noch zu errichten: die zweite Brücke über die Bahnlinie Cottbus - Großenhain (Bauwerk 4), die Überquerung des Werksgleises Brieske (Bauwerk 6), der Verkehrsknoten Brieske (Anschluss an das Industrie- und Gewerbegebiet Marga, Bauwerk 2) und die Brücke über die Bahnstrecke nach Hosena (Bauwerk 1). Nach Auswerten der Ergebnisse der Untergrundverdichtung können die Leistungen vergeben werden. Im nächsten Jahr muss gebaut werden - damit die Umgehung planmäßig fertig gestellt wird. Das Großprojekt geht in den Endspurt.