Von Torsten Richter-Zippack

Um 12.28 Uhr ist am Ostermontag die Feiertagsruhe für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzheide abrupt zu Ende. Zu jenem Zeitpunkt wird die Wehr alarmiert: Absturz eines Segelflugzeugs im Wald unweit des örtlichen Flugplatzes. „Gemeldet wurde die Unglücksstelle in der Kostebrauer Straße unweit des dortigen Solarparks“, erinnert sich Stadtbrandmeister Tino Hamann. Das Problem: „Es gibt zwei solcher Anlagen auf der dortigen Hochkippe.“

Innerhalb von zehn Minuten da gewesen

So starten die Kameraden aus Schwarzheide-West und Ost zum Einsatzort. „Es gab via Funk diverse Hinweise von der Leitstelle“, sagt Einsatzleiter Michael Dorn. „Einer aus unserer Mannschaft hat dann im Wald Überreste des Flugzeuges gesehen. Innerhalb von zehn Minuten waren wir vor Ort“, so Dorn. „Das ist für eine Wehr wie die unsrige eine hervorragende Zeit“, kommentiert Tino Hamann. Das Flugzeug befindet sich inmitten eines Kiefernwaldes, ganz in der Nähe einer Böschung, etwa 100 Meter vom nächsten Weg entfernt.

Keiner der Feuerwehrleute weiß, was ihn vor Ort genau erwartet. Insbesondere, in welchem Zustand sich die abgestürzten Personen befinden würden. Möglicherweise lebten diese nicht mehr. „Klar müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen. Bei uns hat aber jeder Kamerad die Möglichkeit zu sagen, er nimmt an solchen Einsätzen nicht teil“, weiß Stadtbrandmeister Tino Hamann.

Insbesondere die Nachwuchskräfte würden bei schweren Unfällen für die rückwärtigen Dienste eingeteilt. Im Gegenzug gebe es Kameraden, die besonders gut mit derartigen Situationen umgehen können. Geübt werde der Ernstfall an verschiedenen Autos und Lastkraftwagen. Vor allem die medizinische Erstversorgung müsse sitzen. „Man wächst mit jedem Einsatz“, erklärt Tino Hamann.

Neue Rettungstechnik eingesetzt

Der Tod ist bei der zweiköpfigen Segelflugzeug-Besatzung vom Ostermontag glücklicherweise kein Thema. „Den Piloten haben wir aber schwer verletzt im Cockpit vorgefunden“, berichtet Frank Krause, stellvertretender Stadtbrandmeister. „Dessen Beine waren eingeklemmt. So haben wir das Cockpit abgenommen, um ihn zu befreien.“

Die mitgeflogene Frau hatte Glück im Unglück. „Sie klagte lediglich über Rückenschmerzen“, erinnert sich Krause. Beide Personen werden via Hubschrauber in die Klinik geflogen. „Die Bäume haben wahrscheinlich schlimmere Verletzungen der Flugzeug-Insassen verhindert“, vermutet Tino Hamann. Der Segelflieger sei an einer der Kiefern von der Krone bis zum Boden herunter geschrammt.

Beim Einsatz im Schwarzheider Kippenwald kommt den Kameraden ihre neue Rettungstechnik zugute. Mittels der erst im vergangenen Jahr angeschafften Akkus sei das Funktionieren auch in entlegenen Gebieten problemlos möglich.

Noch am selben Tag wird das verunglückte Flugzeug beziehungsweise besser gesagt, was davon übrig geblieben ist, von einer Spezialfirma geborgen und via Lkw zum nicht weit entfernten Flugplatz abtransportiert. Die Feuerwehren sichern die Absturzstelle ab.

Unfallopfern geht es besser

Wie es indes den Verletzten geht, erfahren die Kameraden in der Regel nicht. „Datenschutz“, sagt Tino Hamann und legt den Zeigefinger auf den Mund. Nur so viel: „Die verunglückte Frau ist unseres Wissens am darauffolgenden Tag bereits aus der Klinik entlassen worden. Und dem Piloten soll es auch besser gehen.“

Indes kennen die Schwarzheider Kameraden die heimische Hochkippe wie ihre Westentasche. „Wir durchlaufen dort auch Teile unserer Ausbildung“, fasst Tino Hamann zusammen. Dort gibt es Löschteiche, die regelmäßig kontrolliert werden. Die Wege seien im Großen und Ganzen in Ordnung.

Beim Flugzeugabsturz am Ostermontag sind insgesamt 35 Kameraden aus verschiedenen Feuerwehren beteiligt. Letztlich kommen nur 15 Feuerwehrleute tatsächlich zum Einsatz. Die übrigen befinden sich im „Stand-by-Modus“, wie es Tino Hamann formuliert.

Übrigens handelt es sich keineswegs um den ersten Absturz-Einsatz der Schwarzheider Feuerwehr. „Vor rund zehn Jahren war ebenfalls ein Segelflieger verunglückt“, hat Tino Hamann in der Einsatzchronik recherchiert. Von „Neuland“ könne daher keine Rede sein. Wohl aber seien derartige Einsätze keineswegs alltäglich.

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