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Neuer Standort für Stadtarchiv Senftenberg
200 Jahre geballte Geschichte

Eine historische Karte aus dem Jahr 1757 zeigt Senftenberg und Umgebung und gehört zu den Schätzen von Archiv-Sachbearbeiterin Ines Jahn.
Eine historische Karte aus dem Jahr 1757 zeigt Senftenberg und Umgebung und gehört zu den Schätzen von Archiv-Sachbearbeiterin Ines Jahn. FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg. Der neue Standort des Stadtarchivs Senftenberg beherbergt auf 227 Quadratmetern historische Schätze. Von Josephine Japke

„Was heute aktuell ist, ist morgen schon Geschichte“, meint Hauptamtsleiterin Beata Jenchen und zeigt dabei bedeutungsvoll durch das neue Stadtarchiv am Schlossparkcenter. Rund 980 laufende und mit Geschichte vollgestopfte Meter Akten, Unterlagen und Bildmaterialien befinden sich nun in den neuen Räumlichkeiten. „980 Meter nur? Da hätten wir die fehlenden 20 Meter eigentlich auch noch her tragen können“, wirft Beata Jenchen gleich hinterher.

Seit Anfang des Monats befinden sich im Gebäude des Schlossparkcenters auf 227 Quadratmetern das vollständige Personenregister und das historische Archiv der Stadt. Es reicht zurück bis auf das Jahr 1825 mit Aufzeichnungen über Brieske, umfasst die königlich preußischen Amtsblätter ab 1830 und dokumentiert diverse Zeitungsblätter seit der Jahrhundertwende.

Von Interesse ist das besonders für junge und alte Hobby-Historiker. „Häufig beantworten wir Fragen über Senftenbergs Geschichte für Rechercheprojekte von Schulklassen, Vereinen und Forschern. Oder wir suchen Presseausschnitte über Unfälle und andere große Ereignisse heraus für Anwälte oder Privatpersonen“, erklärt Sachbearbeiterin Ines Jahn. Außerdem können hier Erbschaftsangelegenheiten geklärt und Urkunden eingesehen werden.

Doch wer glaubt, die Unterlagen im Archiv sind nur etwas für verstaubte Geschichtler, liegt falsch. „2005 kam eine japanische Filmproduktionsfirma zu uns. Sie war auf der Spurensuche nach dem Fleischermeister Hermann Wolschke, der aus Senftenberg stammte und nach dem Ersten Weltkrieg in japanische Kriegsgefangenschaft geriet“, erklärt Ines Jahn. Denn nach seiner Gefangenschaft blieb Hermann Wolschke in Japan und baute ein Wurst-Imperium auf, das bis heute hoch angesehen ist. In Tokio wurde ihm zu Ehren sogar ein Denkmal errichtet. „Ein Jahr nach ihrem Besuch wurde japan-weit ein Dokumentarfilm über den Lausitzer Fleischer ausgestrahlt. Und das auch dank unserer Hilfe“, sagt Ines Jahn etwas stolz.

In Zukunft könnte die Suche noch schneller gehen, denn dann werden einige Unterlagen auch digital bereit stehen. „Akten, auf die häufig zugegriffen wird, werden gerade eingescannt, thematisch gesammelt, ausgedruckt und in Büchern zusammengefasst. Doch das ist sehr zeitaufwendig und nur durch die Hilfe Freiwilliger zu schaffen“, erklärt Jahn.

Bis die wichtigsten Dokumente digital erfasst und geordnet sind, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Kein Problem, denn in der Zwischenzeit werden die Unterlagen von historischem Wert bei exakt 18 Grad Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von unter 50 Prozent optimal konserviert und für die Nachwelt aufbewahrt.