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Stadt will Obdachlosenheim schließen

Das Senftenberger Obdachlosenhaus in der Calauer Straße ist zu groß und zu teuer.
Das Senftenberger Obdachlosenhaus in der Calauer Straße ist zu groß und zu teuer. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Die Nachfrage ist gering, die Auslastung auch. Dafür explodieren die Kosten für das Haus in Senftenbergs Calauer Straße. Jan Augustin / jag

Die Zahlen, die Amtsleiter Falk Peschel den Abgeordneten vorlegt, sprechen eine deutliche Sprache. Und sie lassen nur einen Schluss zu: Das Obdachlosenheim in der Calauer Straße muss geschlossen werden. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Von 2006 bis 2016 hat der kommunale Zuschuss für die Einrichtung bei deutlich mehr als einer Million Euro gelegen. Auch wenn sich Senftenberg diese Ausgaben mit Lauchhammer, Schwarzheide und Schipkau teilt, beziehungsweise geteilt hat, ist das angesichts von vier bis sieben Obdachlosen, die die Notunterkunft in der Nacht nutzen, ein zu dicker Brocken.

Allein die Stadt Senftenberg plant für dieses Jahr mit einem Zuschuss von 114 000 Euro. Lauchhammer hatte zuletzt, das war 2015, rund 52 000 Euro überwiesen. Zum vergangenen Jahr kündigte die Stadt dann aber die öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Stadt Senftenberg. Die Gemeinde Schipkau, die zuletzt rund 30 000 Euro bezahlt hat, holt diesen Schritt im kommenden Jahr nach.

Das Amt für Bildung, Soziales und Kultur um Leiter Falk Peschel hat nun eine neue Standortkonzeption zur Unterbringung Obdachloser entworfen und den Mitgliedern des Senftenberger Bauausschusses am Mittwochabend vorgestellt. "Die hohen Personalkosten führen dazu, dass das Obdachlosenhauskonzept in dieser Form nicht mehr beibehalten werden kann", erläutert Peschel. Als Interimslösung wolle die Stadt bis spätestens Mitte nächsten Jahres zwei Wohnungen in der Otto-Nuschke-Straße anmieten. Außerdem stehe kurzfristig eine geeignete Immobilie in der Krankenhausstraße zur Verfügung. Perspektivisch werde an diesem Standort auch der weitere Bezug von Wohnungen zur Unterbringung obdachloser Personen angestrebt. "Angedacht ist, mindestens zwei weitere in Zukunft freiwerdende Wohnungen nicht mehr zu vermieten und diese langfristig als Obdachlosenunterkunft zu nutzen", erklärt Falk Peschel, der für diese Umstrukturierung mit etwa drei Jahren rechnet. Neben der Betreuung von Obdachlosen könne in der Krankenhausstraße gleichzeitig auch die Betreuung anderer sozial benachteiligter Personen erfolgen. Bisher sieht das Betreiberkonzept zum Obdachlosenhaus vor, dass die betreffenden Personen tagsüber das Haus verlassen. Es besteht die Möglichkeit, die von der Caritas betriebene Kontakt- und Beratungsstelle zu besuchen.

Wie viele Wohnungslose insgesamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis leben, ist nicht genau bekannt. Der Landkreis führt dazu keine Statistik. Fallmanager des Jobcenters schätzen die Anzahl aber auf etwa 25 bis 30 Personen, die keinen festen Wohnsitz im Landkreis besitzen. Das teilt Kreissprecher Stephan Hornak mit.

Zum Thema:
Das Obdachlosenhaus in der Calauer Straße in Senftenberg existiert seit November 1997. Eigentümer ist die Stadt Senftenberg. Betrieben wird die Einrichtung von der Arbeiterwohlfahrt Regionalverband Süd. Der Betreibervertrag soll nun gekündigt werden. In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Haus und Betreuung enorm gestiegen. Ursachen sind auslaufende Förderprogramme zur Finanzierung von Personalkosten. Die Gesamtkosten belaufen sich in diesem Jahr auf 173 000 Euro. Davon trägt die Stadt Senftenberg nach eigenen Angaben rund 114 000 Euro. Schwarzheide zahlt voraussichtlich 27 000 Euro, Schipkau etwa 32 000 Euro. (jag)