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| 20:00 Uhr

Streit um Spektakel im Advent
Stadt Senftenberg streicht traditionelle Weihnachtsmannparade

Die Weihnachtsmann-Parade ist in diesem Jahr gestrichen. Der Rathaus-Spitze zufolge passt das Spektakel nicht zu einem besinnlichen Weihnachtsmarkt für die ganze Familie.
Die Weihnachtsmann-Parade ist in diesem Jahr gestrichen. Der Rathaus-Spitze zufolge passt das Spektakel nicht zu einem besinnlichen Weihnachtsmarkt für die ganze Familie. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Die Senftenberger Rathaus-Spitze erklärt: Der Umzug passt nicht mehr zur kinder- und familienorientierten Ausrichtung des Weihnachtsmarktes. Bürgerprotest per Unterschrift. Von Josephine Japke

Die Weihnachtsmann-Parade auf dem Senftenberger Marktplatz ist in diesem Jahr gestrichen. Günter Kalliske aus Großräschen, der alljährlich in das Kostüm des Alten steigt, ist die Vorfreude auf den Weihnachtsmarkt damit gründlich verdorben. „Die Parade liegt mir am Herzen. Für uns Weihnachtsmänner und -frauen ist es schön zu sehen, wie die Kinderaugen leuchten, wenn viele weißbärtige und dickbäuchige Weihnachtsmänner an ihnen vorbeilaufen“, erklärt er. Dass der Umzug gestrichen wird, ist für ihn unverständlich.

Andreas Kiesel aus Annahütte, der den Weihnachtsmarkt im Auftrag der Stadt Senftenberg organisiert, weiß das schon seit Anfang des Jahres. „Die Stadt will es etwas ruhiger angehen lassen. Der Weihnachtsmannumzug passt nicht mehr ins neue Konzept“, teilt er diplomatisch mit. Wie genau das Programm in diesem Jahr aussehen soll, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass es auch keine Rock-Christmas geben wird. Laut Kiesel bleiben da zwar nicht mehr viele Möglichkeiten, sich von anderen Weihnachtsmärkten der Region abzuheben. Trotzdem will er sein Bestes geben.

Die Veranstaltungsagentur kommt damit den erklärten Wünschen der Stadt nach. Und Rathaus-Sprecher Andreas Groebe betont, dass diese damit wiederum auf Bürgerwünsche reagiere. Darunter sei der Wunsch gewesen, „wieder zu traditionellen und weniger lauten Weihnachtstraditionen zurückzukehren“, erklärt er. Das „Hauptaugenmerk“ liege in diesem Jahr „auf familienbezogenen Angeboten“. Am Kirchplatz sollen vor allem Kinder ordentlich bespaßt werden. Der Stadt-Sprecher teilt mit, es gebe keinen Grund die Weihnachtsmannparade aus dem Programm zu nehmen, wenn der Umzug „ohne lautem Getöse und große Fahrzeuge“ stattfinde. Dies entscheide allein die Veranstaltungsagentur.

Gerda Mautius (74) aus Senftenberg bedauert, dass die Parade ausfällt: „Ich bin zwar selbst nicht mehr zum Umzug der Weihnachtsmänner gegangen. Aber das war eine feine Sache und hat den Senftenberger Weihnachtsmarkt mit einzigartig gemacht.“ Für Anka Wernicke (55) aus Senftenberg ist die Entscheidung der Stadt indes in Ordnung. „Grundlegend ist es nicht verkehrt, wenn die Stadt jedes Jahr etwas anderes plant. Ich muss zugeben, dass ich selbst kein Fan der Rockmusik und Weihnachtsmänner bin und einen traditionellen Weihnachtsmarkt bevorzuge“, sagt sie.

Günter Kalliske ist sich sicher, dass der Weihnachtsmannumzug trotz des kritisierten Lärms allgemein gewollt sei. Mehr als 1400 Bürgerunterschriften für den Erhalt der Parade führt er dafür ins Feld. In einer parallel laufenden Online-Umfrage unterstützen bisher 55 Personen seine weihnachtliche Mission. „Es war doch zu sehen, wie viele Menschen dieser Umzug an den Straßenrand zieht. Viele der Zuschauer sind unserer Kolonne gefolgt und haben sicher auch für mehr Umsatz auf dem Weihnachtsmarkt gesorgt“, argumentiert er kämpferisch für das Fortsetzen der noch jungen Parade-Tradition in Senftenberg. „Gerade bei einer besonders kinderfreundlichen Ausrichtung des Marktes dürfen doch die Weihnachtsmänner nicht fehlen“, betont er.

Franziska Berger (34) aus Senftenberg und ihr Sohn Max (5) pflichten ihm bei. „Die Weihnachtsmänner-Parade war immer etwas ganz Besonderes“, sagt die Mutter. Max habe fasziniert den Weihnachtsmännern hinterher geschaut und noch Tage später davon erzählt, dass er sogar einen Weihnachtsmann aus Schokolade geschenkt bekommen hatte. „Es wäre schade, wenn das in Senftenberg nicht mehr stattfinden würde“, sagt Franziska Berger.