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Stadt ersteigert Schlosspark-Gebäude

Auch der Verfall der Orangerie neben der sanierten alten Schlosskirche zu Mückenberg soll jetzt gestoppt werden.
Auch der Verfall der Orangerie neben der sanierten alten Schlosskirche zu Mückenberg soll jetzt gestoppt werden. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Im Umfeld der Mückenberger Schlosskirche nagt der Zahn der Zeit bereits länger als 30 Jahre ungehindert an drei Wohn- und Nebengebäuden aus der Zeit des alten Herrensitzes in der Niederung der Schwarzen Elster, in dem einst die Wiege der frühen Industrialisierung der Lausitz gestanden hat. Kavaliershaus, Orangerie und Forsthaus verfallen. Kathleen Weser

Dem will die Stadt Lauchhammer jetzt ein Ende machen. Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) hat die Grundstücke mit den zum Teil ruinösen Gebäuden des Schlossareals gestern im Amtsgericht Senftenberg aus Zwangsversteigerungen, die die Kommune wegen ausstehender Abgaben der Eigentümer selbst auf den Weg gebracht hat, erworben. Zu günstigen Preisen, die aber einen Brocken Arbeit bedeuten und Folgeinvestitionen erfordern.

Dass kommunale Zukunftspläne für die historischen Gebäude geschmiedet werden sollen, haben die Stadtväter vor mehr als einem Jahr beschlossen. Das hat der Bürgermeister gestern im Gericht bestätigt. Noch seien künftige Nutzungen aber völlig offen. Die denkmalgeschützen Häuser sind geschichtsträchtig - und im gepflegten Park mit der sanierten Schlosskirche, die ein kleines kulturelles Zentrum geworden ist, noch Schandflecke. "Eine erste Idee ist, hier auch sanitäre Einrichtungen für Gäste von Veranstaltungen zu schaffen", sagt der Bürgermeister. Roland Pohlenz liebäugelt zudem damit, am geschichtsträchtigen Ort in Lauchhammer-West das Stadt archiv anzusiedeln. Das könnte hier für die Bürger und interessierte Forscher zugänglich gemacht werden, wirft er spontan in den Ring. Denn erst in einigen Wochen, mit der Zuteilung der zum Mindestgebot ersteigerten Grundstücke mit den stark sanierungsbedürftigen Gebäuden in Stadthand, können wirklich Pläne gemacht werden. Das ist bis gestern Mittag offen gewesen. Denn mit amtlich ermittelten mageren Verkehrswerten in dreistelliger Euro-Höhe sind auf die alten Häuser, die zuletzt bewohnt worden waren, auch Schnäppchenjäger aufmerksam geworden. Nachdem aber im Gerichtssaal schnell klar wurde, dass die Stadt Lauchhammer selbst mit um die Grundstücke und Immobilien im Schlosspark steigern würde, haben die erschienenen Mitbewerber innerhalb der auf 30 Minuten festgelegten Bieterzeit den Rückzug angetreten. Einsam, aber sichtlich zufrieden hat das Stadtoberhaupt Roland Pohlenz die Denkmale neu in kommunalen Besitz gebracht.

Zum Thema:
Mückenberg (heute Lauchhammer-West) wurde im Jahr 1278 erstmals urkundlich erwähnt. Die damals bereits vorhandene Burg war unter "Mockenburg" bekannt. Die ersten Besitzer der Mückenberger Gegend waren bis zum Jahr 1278 die Burggrafen von Wettin. Später wurde die Herrschaft von denen von Schleinitz (1506) geführt und 1716 von Freiherr Woldemar von Löwendahl erworben. Dessen Frau, die Gründerin des Lauchhammerwerkes, ließ das Schloss Mückenberg erbauen, von dem heute nur noch der Schlosspark Lauchhammer existiert. Das Eckhaus der Orangerie ist wahrscheinlich das älteste erhaltene Kirchgebäude in Lauchhammer und der Aufbau bemerkenswert.Die ersten Fundamentlagen sind aus packgesetzten Feldsteinen aufgeschichtet worden. Auf die unteren Lagen wurden exakt gehauene Sandsteinquader aufgesetzt. Die Mauern sind aus Brandziegeln, die zu der Zeit im Raum Lauchhammer schon sehr gebräuchlich waren.