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Staatssekretär testet den Schulbus

Staatssekretär Martin Gorholt (Mitte) und Landtagsabgeordnete Gabriele Theiss (r.) steigen am Donnerstagmorgen an der Haltestelle Grünewald in den meistens überfüllten Schulbus, der seit Oktober des Vorjahres die Eltern nervt.
Staatssekretär Martin Gorholt (Mitte) und Landtagsabgeordnete Gabriele Theiss (r.) steigen am Donnerstagmorgen an der Haltestelle Grünewald in den meistens überfüllten Schulbus, der seit Oktober des Vorjahres die Eltern nervt. FOTO: Jana Wieduwilt
Grünewald. In die Elternkritik an den morgendlichen Schulbusfahrten von Grünewald nach Guteborn hat sich Martin Gorholt als Brandenburgs Bevollmächtigter beim Bund eingeschalten. Andrea Budich

Die Kritik an der Sicherheit im Schülerverkehr auf der zum Schulbus umfunktionierten Linie 611 zwischen Hohenbocka und Guteborn wird seit Oktober des Vorjahres von den Eltern der Buskinder heftigst ins Feld geführt. Weil Eltern und Großeltern nicht locker lassen, war das morgendliche Chaos mit überfüllten Bussen und verletzten Kindern auch schon Thema an einem runden Tisch in Ruhland, zu dem im Dezember die SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Theiss eingeladen hatte. Am Donnerstag der Vorwoche hat sich jetzt Staatssekretär Martin Gorholt eingeschalten.

Die morgendliche Lage ist trotz des öffentlichen Elternprotestes unverändert. Die Zustände im überfüllten Bus mit größtenteils Erst- und Zweitklässlern sind aus der Sicht der Eltern unzumutbar. "Die eingesetzten Schulbusse sind oft zu klein für die vielen Kinder. Die stehenden Erstklässler haben kaum eine Chance, sich ordentlich festzuhalten", bemängelt Roswitha Winkler.

Sie schaut sich die Sicherheitslücken seit Jahren an, denn nahezu täglich bringt sie ihre Enkel (elf und sieben Jahre) zum Schulbus. Auch Ute Schmatloch ist besorgt. "Wir wissen, dass zunehmend Niederflurbusse eingesetzt werden. Diese haben 38 Sitzplätze. Es fahren aber aus Sella sieben, aus Grünewald 17 und aus Hohenbocka 42 Kinder mit", berichtet die Mutter und engagierte Bürgermeisterin von Grünewald. Auch Simone Blochwitz macht sich Sorgen um ihr Kind, das die erste Klasse besucht.

Dass rechtlich gesehen mit der heftigst kritisierten Linie 611 alles in Butter ist, wissen die Eltern. Die Ergebnisse der jüngsten Schülerzählung belegen nachweislich, dass im Standardlinienbus genügend Stehplätze zur Verfügung stehen.

Nach dem bundesweit geltenden Personenbeförderungsgesetz und der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) sind Stehplätze zur Schülerbeförderung vorgesehen und zugelassen. Der Südbrandenburger Nahverkehr als beauftragtes Verkehrsunternehmen ist daher der falsche Adressat der Kritik.

Die besorgten Eltern wollen dennoch mit allen Beteiligten nach einer konstruktiven Lösung suchen. Unverständlich für sie bleibt, warum das Anschnallen im Auto auch auf kürzesten Strecken Pflicht, aber für Fahrgäste des Nahverkehrs nicht notwendig ist. Sie fragen auch, ob Busbegleiter eine Lösung sein könnten. "Wir wissen, dass all dies mit Kosten verbunden ist", fasst Ute Schmatloch sachlich zusammen.

"Verkehrsrecht ist keine Landessache", erklärt Gabi Theiss, die seit Monaten am Thema dran ist und darum kämpft, dass die Sorgen der Eltern ernst genommen werden.

Weil sie weiß, dass der nach bundesweit geltenden Beförderungsrichtlinien organisierte Schulbusverkehr auch in anderen Bundesländern nicht rund läuft, hat sie Staatssekretär Martin Gorholt eingeladen, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Der Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund hat die Chaos-Strecke von Grünewald bis Guteborn im Schulbus am Donnerstagmorgen getestet.

Er will die Sicherheitsbedenken der Eltern aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz jetzt im Bundesverkehrsausschuss mit auf den Tisch bringen. "Aber hier sind die Entscheidungswege sehr lang", erklärt er in der anschließenden Diskussion.

Zusätzlich will sich der Staatssekretär über den Stand verschiedener Modellversuche zum Thema Schulbus schlau machen. Als einen ersten Schritt rät er den Betroffenen zum Dialog mit dem Landkreis und dem beauftragten Verkehrsunternehmen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die Kinder sicher zur Schule zu bringen.