Punkt elf Uhr, wie geplant: Ein kurzer Knall – nicht lauter als ein Silvesterböller – und das war’s. Die schwarzgraue Rauchwolke verschwindet innerhalb weniger Sekunden in der klirrend kalten Senftenberger Luft. Nach dem Sensationsfund am Senftenberger Schloss vor acht Monaten ist am Mittwoch, 14. Dezember, stark beschädigte, nicht mehr transportfähige Weltkriegs-Munition kontrolliert gesprengt worden.
Auf der Rückseite des Senftenberger Festungswalls deutet nur noch der gut ein Meter tiefe Krater an die komplizierte Arbeit des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hin. Per Fernzündung haben die Experten um Sprengmeister Enrico Schnick insgesamt vier Handgranaten, zwei Gewehrgranaten sowie eine Flugabwehrgranate unter der Erde unschädlich gemacht. „Es lief alles reibungslos, ohne besondere Vorkommnisse“, sagt ein sichtlich erleichterter Enrico Schnick nur wenige Sekunden nach der Sprengung.
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Tausende Waffen- und Munitionsfunde am Senftenberger Schloss

Archäologen hatten im April bei Sondierungs-Grabungen in der südlichen Wallanlage einen Sensationsfund gemacht: ein großes Waffenlager mit 200 Maschinengewehren, Panzerfäusten, historischen Säbeln und Dolchen, die Gebeine von drei Toten – aber auch jede Menge historischer Hausrat und ein Kronleuchter. Ein bevorstehender Neubau zur Erweiterung der musealen Ausstellungsfläche hatte die Arbeiten erfordert, da dieser denkmalschutzrechtlich ausschließlich in den Abmaßen des ehemaligen Gebäudes entstehen darf.
In der vergangenen Woche sind noch weitere historische Funde am Senftenberger Schloss gemacht worden - wie diese weit über 100 Jahre alten Schwerter und Kanonenkugeln.
In der vergangenen Woche sind noch weitere historische Funde am Senftenberger Schloss gemacht worden - wie diese weit über 100 Jahre alten Schwerter und Kanonenkugeln.
© Foto: Jan Augustin
Acht Monate nach dem spektakulären ersten Fund ist die Suche innerhalb der Festungsanlage jetzt abgeschlossen. Die Anzahl der bisher gemachten Funde ist außergewöhnlich hoch: 12.000 Munitions- und Waffengegenstände sowie zahlreiche historische Objekte seien insgesamt ausgegraben worden, bestätigt Sprengmeister Enrico Schnick. Erst in der vergangenen Woche haben er und seine Kollegen mehrere, weit über 100 Jahre alte Schwerte und Kanonenkugeln gefunden. Dieser Schatz soll nun an das Schlossmuseum übergeben werden.

Auch die Tiere im Senftenberger Tierpark haben Sprengung gut überstanden

Um den Sprengort ist in den frühen Morgenstunden ein 100 Meter großer Sperrkreis errichtet worden. Die Räumung hat um 9 Uhr begonnen. Den Sperrkreis abgesichert haben 16 Mitarbeiter des Ordnungsamtes, 20 Kameraden der Feuerwehr und zwei Revierpolizisten. An das Betretungsverbot haben sich die Senftenberger gehalten. Auch für Ordnungsamtschef André Nickel ist es ein außergewöhnlicher Einsatz. Er ist zufrieden: „Es hat alles nach Plan funktioniert. Es ist niemand zu Schaden gekommen“, sagt er.
Sprengmeister Enrico Schnick ist zufrieden mit der Arbeit am Senftenberger Schloss.
Sprengmeister Enrico Schnick ist zufrieden mit der Arbeit am Senftenberger Schloss.
© Foto: Jan Augustin
Und auch die Tiere im angrenzenden Tierpark haben den Knall offenbar gut überstanden. Die Tierschutzorganisation Peta hatte sich im Vorfeld Sorgen gemacht. „Den Ziegen geht es gut“, sagt Sprengmeister Enrico Schnick, der sich sofort nach der Explosion ein eigenes Bild im Tierpark gemacht hat. Ab 13 Uhr war dieser dann auch wieder geöffnet, genauso wie das Museum.