„Ein kleines Rinnsal war die Spree im Juli 2006, mehr nicht“ , erinnert sich Eckard Schaefer, LUA-Referent im Bereich Wasserbewirtschaftung, an jene Sommertage des vergangenen Jahres, die den Spreewald aufschrecken ließen. Lediglich 0,3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hätten den Pegel Leibsch im nördlichen Unterspreewald noch passiert, der mittlere Wert liege bei rund zehn bis zwölf Kubikmetern je Sekunde. An der Berliner Stadtgrenze, rund 90 Kilometer flussabwärts, sei kaum mehr als ein Viertel der sonst üblichen Menge von circa acht Kubikmetern pro Sekunde angekommen. „Das waren natürlich Alarmzeichen, die wir sehr ernst nehmen mussten“ , sagt Eckard Schaefer. Schließlich sei nur drei Jahre zuvor, im August 2003, eine ähnliche Situation aufgetreten.
Der Wasserexperte weiß, dass sich dabei der Oberspreewald durch Stauhaltung mehr Wasser gesichert hatte als der Unterspreewald. „Dadurch war zwar das Gebiet zwischen Fehrow und Lübben optimal mit Wasser versorgt, aber im Unterspreewald sind die Wasserstände um 30 bis 40 Zentimeter gefallen“ , so Schaefer.
Ursachen für das Niedrigwasser seien neben den hohen Temperaturen der enorme Abfluss ins Grundwasser, die hohe Verdunstung sowie die Entnahmen von Wasser. Besonders im Burger Raum gebe es nicht wenige Fälle, wo illegal Wasser aus den Fließen entnommen werde. Ähnliches sei auch aus Lübbenau und Lübben bekannt.
Laut Eckard Schaefer soll es in Zukunft mehr Kontrollen geben. Entsprechende Sanktionen könn ten durch die unteren Wasser-
behörden verhängt werden.
„Wir haben uns bereits im Spätsommer des vergangenen Jahres entschlossen, eine Niedrigwasseranalyse vorzunehmen“ , erklärt Karin Materne, Referatsleiterin Wasserbewirtschaftung/Hydrologie in der Regionalabteilung Süd des Landesumweltamtes. Dabei hätten zahlreiche Messungen vorgenommen werden müssen. Aus diesen Daten habe das LUA die Rahmenbedingungen für ein Bewirtschaftungskonzept für die Spreewaldregion ent-
wickelt. Hauptziel ist laut Karin Materne, „dass auch in den unteren Bereichen der Spree noch den Umständen entsprechend genügend Wasser ankommt. Bislang ist es doch manchen Leuten selbst im Oberspreewald egal, ob die Menschen im Unterspreewald Wasser erhalten“ , beschreibt sie die Problematik. Darüber hinaus würden manche Lausitzer den Berlinern das Wasser gar nicht erst gönnen. „Mit Egoismus kommen wir hierbei ganz sicher nicht weiter“ , fügt sie an. Das Niedrigwasserkonzept geht davon aus, dass sich vorerst am Wasserangebot durch die Spree und ihrer Speicherräume (zum Beispiel Talsperren) kaum etwas ändern werde. Am Bilanzpegel Leibsch solle ein Mindestabfluss von zwei bis drei Kubikmetern pro Sekunde in Jahren mit „normalem“ Niederschlag aufrecht erhalten werden, in extremen Trockenjahren lediglich ein bis eineinhalb Kubikmeter je Sekunde. Sinke der Durchfluss noch weiter ab, würde eine „außergewöhnliche Bewirtschaftung“ von Seiten des LUA zu greifen beginnen. „Fällt der Durchfluss am Pegel Leibsch unter einen Kubikmeter pro Sekunde, müssen wir die Zuflüsse in den Hammergraben und den Priorgraben in Cottbus reduzieren. Außerdem sollen dann die Wasserentnahmen der Land- und Teichwirtschaft abgesenkt werden“ , erläutert Eckard Schaefer. Darüber hinaus könnte eine Wasserableitung aus der Talsperre Spremberg über den Nordumfluter am Oberspreewald vorbei dem Unterspreewald und noch weiter flussabwärts gelegenen Abschnitten Entlastung bringen.

Zum Thema Mütterchen Spree genannt
Die Länge der Spree beträgt laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia rund 400 Kilometer. Davon sind nur etwa 180 Kilometer schiffbar. Das Einzugsgebiet des Flusses umfasst 9793 Quadratkilometer.
Die Spree entspringt im Lausitzer Bergland aus drei verschiedenen Quellen. Der Fluss, der von den Lausitzer Sorben liebevoll Mütterchen Spree genannt wird, durchfließt zwölf Städte, acht Landkreise und einen Stadtkreis, bevor er in Berlin-Charlottenburg in die Havel mündet.