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Probleme mit dem Hochwasserschutz
Sportler kapitulieren vor marodem Hochwasserwall an der Pulsnitz

Wenn die Pulsnitz über die Ufer tritt - wie hier beim Hochwasser 2010 bei Ortrand.
Wenn die Pulsnitz über die Ufer tritt - wie hier beim Hochwasser 2010 bei Ortrand. FOTO: Mirko Sattler
Lindenau. Der Sportverein Blau-Weiß Lindenau hat keinen Vorstand mehr. Ein Schutzwall unweit der Pulsnitz bringt das Fass zum Überlaufen. Die Behörden fühlen sich indes nicht zuständig. Von Torsten Richter-Zippack

Die Sportler von Blau-Weiß Lindenau haben vom Hochwasserschutz die Nase voll. Der Vereinsvorstand ist nicht länger bereit, die öffentliche Aufgabe im Ehrenamt zu erledigen. Der Verein ist deshalb seit Anfang März praktisch führungslos. Der bisherige Vorstand, der acht Jahre im Amt war, ist zur regulären Wahl nicht mehr angetreten. Da keine neue Führung gefunden wurde, wolle der bisherige Vorstand die Geschäfte bis zur Jahresmitte fortführen. Sind bis Ende Juni keine neuen Verantwortlichen gefunden, wird der Sport- und Spielbetrieb eingestellt. Nach fast 70 Jahren wäre dann für die aktuell 220 Mitglieder, darunter 46 Kinder und Jugendliche, Schicht im Schacht.

„Wir sind mit unserer ehrenamtlichen Tätigkeit komplett überfordert“, erklärt ein Vertreter des Blau-Weiß-Vorstandes, der seinen Namen nicht nennen möchte. Ein wesentlicher Punkt bilde dabei der Hochwasserschutz, der den Sportlern aufgebürdet werde. Die Sportanlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe der Pulsnitz. Beim letzten Hochwasser standen sie großteils unter Wasser.

Konkret geht es um einen alten Wall, der zumindest den Fußball­platz vor den Wasserfluten schützt. Ihren Schutz habe die Erhebung auch während des jüngsten Hochwassers Anfang Juni 2013 unter Beweis gestellt. Doch nunmehr zeigen sich im Wall Risse, die saniert werden müssten. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen, doch für die Sportler ein existenzielles. Denn der Wall ist nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) nicht als Deich inventarisiert. Somit sei das Land auch nicht für die Unterhaltung zuständig. Mehr noch: Laut Eva-Maria Hein von der Wasserbehörde des OSL-Kreises gilt der Lindenauer Park, in dem sich die Sportanlagen befinden, als festgelegtes Überschwemmungsgebiet der Pulsnitz. Der Sportverein ist indes Eigentümer seiner Objekte sowie des besagten Walls. Und damit obliegt der Hochwasserschutz den Blau-Weißen. Tatsächlich hatten die Sportler während der letzten Hochwässer anno 2010 und 2013 kräftig mit angepackt. Doch auf Dauer funktioniere das einfach nicht, stellt ein Vorstandsmitglied klar. Der Verein sei damit einfach überfordert.

Auch während der jüngsten Deichschau an der Pulsnitz ging es um den Wall, dessen Geschichte weitgehend im Dunkeln liegt. Dabei stellten Vertreter des LfU und der OSL-Wasserbehörde gleich mal klar, dass das Land ausschließlich für die Gewässerunterhaltung bis zur Mittelwasserlinie zuständig sei. Was darüber hinaus geht, sei Sache des Grundeigentümers - also des Lindenauer Sportvereins.

Bürgermeister Jürgen Bruntsch bezeichnet die Situation als „alles andere als zufriedenstellend“. Mehr noch: „Die Sportler können kein Hochwasser abwehren. Diese Aufgabe überschreitet bei weitem ihre Kapazität. Bislang gibt es hier keinerlei zufriedenstellende Lösung.“

Die Sportler sind es indes leid, immer als Sündenböcke herhalten zu müssen. „Gäbe es den Wall nicht, wäre im Jahr 2013 das Wasser durch den Park bis ins Dorf geströmt“, sagt das Vorstandsmitglied. Und dennoch versuchten die Sportler seit Jahren, geschlossene Behördentüren einzurennen. „Mit gesundem Menschenverstand lässt sich das nicht mehr nachvollziehen“, polemisiert der Vorstand.

Eine unbürokratische Lösung ist jedenfalls nicht in Sicht. „Eine Umwidmung des Walls als landeseigener Deich kommt nicht in Betracht. Deshalb muss der Eigentümer, soweit er den Wall für den Hochwasserschutz ertüchtigen will, selbst die Kosten übernehmen“, stellt Wolfgang Müller vom Potsdamer Umweltministerium klar. Zwar wurde auf der Umweltministerkonferenz der Länder der Beschluss gefasst, die Bundesregierung zu bitten, ein Förderprogramm für die private Hochwasservorsorge aufzulegen. Doch die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Zumindest seitens des Landes Brandenburg bestünden keine Fördermöglichkeiten für den Objektschutz.