Der damals Zehnjährige trug schwere Verletzungen davon. Der Fall wurde mehr als drei Jahre später verhandelt. Die betroffene Familie verklagte die Stadt auf Schadenersatz und Schmerzensgeld . Die Anwältin hatte damals von Unzulänglichkeiten bei der Aufgabenverteilung im Lauchhammeraner Rathaus gesprochen.
Das scheint gesessen zu haben. Denn in der Zeit danach sind auf den kommunalen Spielplätzen kaum größere Mängel festgestellt worden. Auch die jüngsten Kontrollgänge eines unabhängigen Gutachters zeigten zufriedene Gesichter in der Verwaltung. Auf den fünf Plätzen, für die die Stadt den Hut auf hat, sei kaum etwas beanstandet worden, sagt Dieter Janke, Verantwortlicher Grünwesen beim Bauhof, auf RUNDSCHAU-Nachfrage.
In der Leninstraße ist der Fallschutz zu gewährleisten (Kies bzw. spezielle Holzspäne statt Grasnarbe). In Koste-brau sind die Aufhängungen der Schaukel zu erneuern. Ebenfalls nur kleine, schnell zu behebende Mängel fand der Fachmann in Lauchhammer-Nord und im Schlosspark. In Grüne-walde war alles in Ordnung.
Die bisherige Arbeit sei also belohnt worden. „Kein Gerät musste gesperrt werden“ , ergänzt Dieter Janke. Und das, obwohl noch viele alte Spielgeräte stehen, die aber längst den DIN-Vorschriften entsprechend auf Vordermann gebracht worden. Für größere Neuanschaffungen fehle das Geld.
Notgedrungen werden die Spielplätze von den Bauhofmitarbeitern teilweise täglich aufgesucht. Dieter Janke: „Unser größtes Problem sind Müll und Vandalismus.“ Aber auch die fehlenden Kinder. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren nur ein Spielplatz zurückgebaut - der in der Friedrichs-thaler Straße. Die Hauptgründe für die Zwangsmaßnahme waren dessen allgemeiner Zustand und weil er gern als Freiluft-Jugendtreff mit all seinen Begleiterscheinungen genutzt worden ist. Beschwerden wegen des Rückbaus habe es keine gegeben.
Drastisch wirkt sich der Einwohnerrückgang bei der KWBG i. I. aus. „Wir bauen jährlich ein bis zwei Spielplätze zurück“ , erläutert Wolfgang Pohl, Beauftragter des Insolvenzverwalters, die Folgen. Dies geschehe, wie in diesem Jahr in der Neustadt 2, auch auf Wunsch der Mieter. Nämlich dann, wenn statt der Kinder Jugendliche Rutsche, Schaukel und Buddelkasten besetzen. Die verbleibenden Spielplätze werden im Frühjahr und Herbst durch den TÜV in Augenschein genommen.
„Für neue haben wir kein Geld. Es ist nur der Erhalt der vorhandenen möglich“ , so Wolfgang Pohl. Und das geschehe dort, wo Familien mit Kindern sind. Der Rückbau bleibe bei diesem Vermieter leider auf der Tagesordnung, weil Lauchhammer weiter auf vielleicht bis zu 15 000 Einwohner schrumpfen und der Anteil der 1-Personen-Haushalte noch stark zunehmen werde.
Gleich um 17 Spielplätze hat sich die GWG Lauchhammer zu kümmern. Vorstand Hartmut Steinert denkt nicht daran, auch nur einen wegzunehmen. Im Gegenteil: „Wir haben alle erneuert und dafür insgesamt mehr als 37 000 Euro ausgegeben. Jeder Spielplatz hat Balken- und Federwippe, Sandkasten und eine Bank, damit Oma und Opa sitzen können, wenn sie auf ihre Enkel aufpassen.“ Der Spielsand werde jedes Jahr erneuert. Im Winter dient er als Streumittel.
Diese kinder-preisverdächtige Einstellung teilen aber nicht alle Mieter - eben weil die Kleinen immer seltener zu sehen sind. Hartmut Steinert bleibt dabei: Die GWG gibt Geld für die Alten und die Jungen aus. Die Frage nach den Mängeln auf den fast neuen Spielplätzen erübrige sich. Im Vorjahr sei vom Prüfer nichts festgestellt worden - auch weil Schäden umgehend beseitigt werden, wenn sie entdeckt oder gemeldet werden.