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| 02:42 Uhr

Sperrgebiete nach dem Bergbau

Weiter geht's nicht. Ufer und Radweg am Bischdorfer See, einstmals Tagebau Seese-Ost, sind gesperrt. In weniger als zehn Jahren soll die Sperrung aufgehoben sein.
Weiter geht's nicht. Ufer und Radweg am Bischdorfer See, einstmals Tagebau Seese-Ost, sind gesperrt. In weniger als zehn Jahren soll die Sperrung aufgehoben sein. FOTO: H. Kuschy
Lübbenau/Senftenberg. Asphaltierte Radelwege sind gesperrt, Landwirte müssen seit Jahren auf einen Teil ihrer einst bewirtschafteten Flächen auf Kippengelände verzichten. Die im Herbst 2010 erweiterten geotechnischen Sperrbereiche auf rund 44 000 Hektar Innenkippen wurden 2015 neu bewertet. Demnach muss knapp die Hälfte davon bergtechnisch gesichert werden. Hannelore Kuschy

Viel Geduld ist noch gefragt, bis der Bergbausanierer LMBV gesperrte Kippenflächen wieder freigibt. Nach Angaben der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft werden die geotechnischen Sicherungsarbeiten auf den Innenkippenflächen in der Lausitz bis etwa 2030 abgeschlossen sein. "In einzelnen Projekten wird aber auch ein Zeitraum bis nach 2040 in Anspruch genommen werden müssen", heißt es in einer gemeinsamen Information des Sanierungsbereiches Lausitz und der Abteilung Geotechnik an Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze. Dieses Schreiben geht auf eine entsprechende Anfrage des bündnisgrünen Kreistagsabgeordneten und Vetschauer Stadtverordneten Winfried Böhmer zurück.

Mit dem Bischdorfer See und seiner Umgebung sowie großen landwirtschaftlichen Flächen seien auch seine Heimatregion im Norden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises sowie bedeutende Teile um Schlabendorf, Greifenhain, Meuro und Lauchhammer betroffen. "Ich finde die Situation schon dramatisch, wenn Flächen bis 2040 und länger gesperrt bleiben sollen", sagt Winfried Böhmer. Und auch danach wird sowohl mit Vorgaben wie einzuhaltende Gesamtgewichte oder Achslasten von land- und forstwirtschaftlich genutzten Geräten und Verhaltensregeln zu rechnen sein.

Sperrbereiche bewertet

Die im Herbst vor fünf Jahren vorsorglich erweiterten Sperrbereiche wurden der LMBV zufolge 2015 einer umfangreichen Bewertung unterzogen. Damit sollte der Sanierungs-, Mittel- und Zeitbedarf erfasst werden. Von der rund 44 000 Hektar Gesamtfläche waren 35 000 Hektar Landwirtschafts- und etwa 9400 Hektar Wasserfläche untersucht worden. Bei der Bewertung kam man zu dem Ergebnis, dass es einen "bergtechnischen Sicherungsbedarf" auf etwa 20 600 Hektar Innenkippenflächen gibt. Das bedeutet Rüttelverdichtung in verschiedenster Form, Entwässerungsverfahren und Erdbautechnik wie das Auf- beziehungsweise Abtragen von Erdmassen oder Böschungsprofilierungen. Dem folgen weitere Detailuntersuchungen, Planungen, Genehmigungsverfahren und vieles mehr.

Die Innenkippenflächen des Sanierungsgebietes Seese-Ost stehen unter Bergaufsicht. Dennoch können Landwirtschaftsflächen eingeschränkt genutzt werden. In den nächsten Jahren soll dort die schonende Sprengverdichtung fortgesetzt werden. Laut Bergbausanierer sollte der Sperrbereich in neun Jahren aufgehoben sein. Auf dem Nordteil von Seese-West (Schönfelder See) könnte das noch bis 2030 dauern. Der größte Teil der Kippenflächen stehe nicht unter Bergaufsicht. In der Kleptna-Niederung seien die hydrologischen Abflüsse stark gestört, teilt die LMBV mit. Um sichere Verhältnisse herzustellen, müsste sehr umfangreich saniert und die Vorflut wieder hergestellt werden. Das bedeutet: Vor 2040 ist an eine Aufhebung der Sperre nicht zu denken.

Niederung-Ring bleibt gesperrt

Ähnlich sieht es in Schlabendorf aus. Dem Bergbausanierer zufolge befinden sich im Sanierungsgebiet Schlabendorf-Nord neben der Tornower-Niederung westlich angrenzend überwiegend landwirtschaftlich genutzte Innenkippenflächen. Der geotechnische Sperrbereich werde nicht vor 2030 aufgehoben. Für den Umring der Tornower-Niederung allerdings werde dieser Status generell erhalten bleiben.

Nur Forschung erlaubt

Ganz kompliziert wird es für Schlabendorf-Süd. Die östlich liegenden Innenkippenflächen des Oberspreewald-Lausitz-Kreises haben es in sich. Dort besteht die Gefahr einer extremen Verflüssigung. Deshalb hat das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg bereits im Januar 2011 planpflichtige Vorhaben dort verboten. Bis 2018 werden lediglich wissenschaftliche Untersuchungen und geotechnische Erkundungen vorgenommen. Tragfähige Sicherungskonzepte sollen auf diese Weise entwickelt werden. Mit einer Aufhebung der Sperre kann nach jetzigem Stand erst nach 2040 gerechnet werden.

Generell unter Bergaufsicht stehen die Flächen auf der gewachsenen Tagebauseite, das sind die Randbereiche, und auf der Hochkippe von Greifenhain. Wie die LMBV ankündigt, wird der Sperrbereich Hochkippe bis 2025 und der Tagebaurand voraussichtlich bis 2030 aufgehoben sein. Bis auf das Restloch "Westmarkscheide" wird das im ehemaligen Tagebau Meuro möglicherweise schon in neun Jahren der Fall sein. Bis Mitte der 2030er-Jahre muss im Restloch noch saniert werden.

Oberste Priorität hat die Restlochkette Sedlitz-Skado-Koschen wegen des fortschreitenden Grundwasserwiederanstiegs. Zwischen 2017 und 2019 sollen dort Böschungen gestaltet und Arbeiten am Ufer vorgenommen sowie der Ableiter aus dem Restloch Sedlitz gebaut werden. Um das Gebiet ab dem Jahr 2019 touristisch und für den Wassersport nutzen zu können, sollen bis dahin alle Sperrungen aufgehoben sein. Für die westlich angrenzenden Innenkippenflächen sollen durch Erkundungen Sicherungskonzepte aufgestellt werden, damit diese Flächen etwa 2030 freigegeben werden können - das trifft insbesondere auf das ehemalige Abbaugebiet Impuls/Laugkfeld zu.

Meuro-Süd später an der Reihe

Im Brückenfeld Sedlitz soll es ab 2025 und im Bereich der Innenkippe Koschen ab 2018 keine Sperrungen mehr geben. Wesentlich später wird Meuro-Süd an der Reihe sein. Dort befinden sich mehrere kleine gesperrte Flächen und die unter Bergaufsicht stehende Teichgruppe Fortschritt sowie das Restloch Hörlitz. Neben der Vorflutgestaltung sind dort dem Bergbausanierer zufolge noch weitere Vorhaben abzuschließen, sodass diese Gebiete erst nach 2030 freigegeben werden können.

Zwischen 2020 und 2030 ist damit auf den gesperrten Tagebaufeldern Lauchhammer I und II zu rechnen.