| 02:56 Uhr

Spenden für Kinder mit Krebs: Harte Jungs schlagen zarte Töne an

Dr. Elisabeth Holfeld, Oberärztin der Kinderkrebsstation, nimmt dankbar die Spenden der "harten Jungs" Martin Schmidt und Christian Schroschk (v.l.) entgegen.
Dr. Elisabeth Holfeld, Oberärztin der Kinderkrebsstation, nimmt dankbar die Spenden der "harten Jungs" Martin Schmidt und Christian Schroschk (v.l.) entgegen. FOTO: Jugendklub Sedlitz
Sedlitz. Ihre Musik ist laut und hart. Als Gesang wird Emotionales kraftvoll in die Welt abseits des Mainstreams gebrüllt und verschreckt mitunter unbedarfte Zuhörer. Doch in der harten Schale kann ein weicher Kern stecken: Die Metal- und Hardcorefans aus Sedlitz sammeln Spenden für Kinder mit Krebs. Heidrun Seidel / Foto: Jugendklub Sedlitz Foto: Jugendklub Sedlitz

"Nach der Spendenübergabe war uns umso mehr klar: Wir haben richtig entschieden." Christian Schroschk ist spürbar bewegt. Vor ein paar Tagen war der 30-Jährige gemeinsam mit Martin Schmidt (24) zu Gast auf der K4 im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Es ist die Station, auf der die Kinder, die an Krebs erkrankt sind, behandelt werden. Oft über Wochen, viele sogar Monate. Für die Familien, über die die Krankheit eines Kindes wie ein Tsunami hergefallen ist, ist die Welt aus den Fugen. "Ich denke, es ist das Schlimmste, was einem passieren kann", sagt Martin Schmidt. Deshalb haben sich die jungen Leute aus dem Sedlitzer Jugendklub dafür entschieden, einmal im Jahr eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, deren Erlös sie der Cottbuser Kinderkrebsstation spenden wollen.

Als sie im Jugendklub 2010 die Idee gemeinsam mit den anderen jungen Sedlitzern ausbrüteten, war die Resonanz groß.

"Im ersten Jahr haben wir ein Hockeyturnier auf die Beine gestellt", erinnert Martin Schmidt. Sogar bei den Lausitzer Füchsen sind sie auf Verständnis gestoßen. Die ersten 505 Euro Erlös haben sie ermuntert, weiterzumachen. Und weil Sedlitz eine lange Konzerttradition hat, haben sich die Jungs dafür entschieden, Bands aus der Musikszene, in der sie sich bewegen, für ein eintägiges Festival zu gewinnen. Elf Bands aus Lauchhammer, Cottbus und Mecklenburg-Vorpommern spielten mit - und 1380 Euro kamen schließlich zusammen. Und beim "Mosh 2", dem Festival des Jahres 2013 waren es schon 1794 Euro. "Insgesamt konnten wir jetzt schon über 3600 Euro an die Kinderkrebsstation übergeben", sagt Martin Schmidt stolz. Der junge Mann, Schichtarbeiter in der Febra Schwarzheide GmbH, hält gemeinsam mit Christian Schroschk, der in der Werbung tätig ist und "den Bürokram erledigt", die Fäden in der Hand. Für die beiden tritt die mühevolle Organisationsarbeit allerdings in den Hintergrund. Auch wenn es sie schlaflose Nächte gekostet hat, bis das Programm mit 21 Bands auf zwei Bühnen samt Drumherum stand. Viel wichtiger als die eigenen Mühen ist ihnen - beide selbst junge Väter - der Zweck. Sie haben die Kinder auf der Station gesehen, ihre Lebensfreude und die schwere Krankheit, die sie daran hindert, sie auszuleben. Besonders berührt hat sie die Geschichte eines vier Monate alten Jungen, der seit Geburt von einem aggressiven Tumor geplagt ist und dem deshalb bereits die linke Hand amputiert werden musste. Für seine Mutter aber war der Aufenthalt im Ronald Mc Donald Haus Cottbus entsprechend dessen Satzung kostenpflichtig. Mit der Spende der Sedlitzer konnte er nun finanziert werden. "Das ist genau das, was wir uns gedacht haben - ganz konkret helfen, wissen wofür das Geld ausgegeben wird", sagen Martin Schmidt, und Christian Schroschk stimmt zu: "Jetzt kann die Mutter ihre Energie auf die Genesung ihres Kindes richten."

Mit dieser Sanftheit überraschen die Männer in ihren schwarzen T-Shirts mit Namen verschiedener Bands so manchen. Ihre Musik, Metal und Hardcore, ist nichts für zarte Gemüter und Freunde melodiösen Wohlklangs. Deshalb sind auch manche irritiert, bei denen sie um Sponsorenleistungen für die Organisation ihrer Konzerte werben. "Aber im Ort haben wir wunderbaren Rückhalt." Das sei auch das Schöne an Sedlitz: Vereine und Einrichtungen unterstützen sich gegenseitig bei Veranstaltungen, helfen einander und übernehmen Aufgaben. Auch Ortsvorsteher Wolfgang Kaiser (CDU) findet gut, "was die Jungs da auf die Beine stellen" und beruhigt jene, die die Stirn ob des "Krachs" krause ziehen. "Passiert ist jedenfalls noch nie etwas", wollen die beiden Organisatoren, die sich engagierter Mitstreiter im Jugendklub sicher sind, festgehalten wissen, auch wenn die Musikrichtung als derb gilt.

2014 wird dennoch erst einmal eine Pause eingelegt. "Wir müssen Luft holen, damit unser nächstes Festival noch besser wird. Wer dann spielen wird, ist noch nicht klar. Das Ziel des Erlöses allerdings schon: die K4 in der Kinderklinik in Cottbus.