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Senftenberg
Spatz und Krähe sind zurück

Eine außergewöhnliche Wiederkehr: Nachdem die Rabenkrähe im Vorjahr fast gar nicht auftauchte, wurde sie in diesem Jahr hundertfach gesichtet.
Eine außergewöhnliche Wiederkehr: Nachdem die Rabenkrähe im Vorjahr fast gar nicht auftauchte, wurde sie in diesem Jahr hundertfach gesichtet. FOTO: Stefan Mosert/Fineblick / Fineblick - stock.adobe.com/Foto
Senftenberg. Nach dem Rückgang 2017 registrierte die Wintervogelzählung jetzt wieder mehr Gefiederte. Von Torsten Richter-Zippack

Es gibt wieder mehr gefiederte Freunde in den heimischen Gärten. Das hat die jüngste Wintervogelzählung ergeben. 127 Naturfreunde aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben sich an der „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) beteiligt. In 75 Gärten seien insgesamt mehr als 5100 Vögel gezählt worden, teilt der Nabu mit. Häufigste Art war demnach der Haussperling. Über 700 dieser Tiere seien gezählt worden. Jeder der an der Aktion beteiligten Gärten käme damit statistisch gesehen auf 9,5 Haussperlinge. Das bedeute einen Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Platz zwei belegte in der OSL-Region die Rabenkrähe. Fast 600 Vögel dieser Art hätten die Naturfreunde zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen registriert. Das bedeute einen Anstieg von sage und schreibe 1583 Prozent. Mit rund 580 Exemplaren sei die Kohlmeise auf Rang drei vertreten. Das entspricht immerhin fast 22 Prozent mehr als noch zwölf Monate zuvor. Ebenfalls in größeren Zahlen seien Feldsperlinge (487), Blaumeisen (448) sowie Graugänse (444) gezählt worden.

Massive Rückgänge gebe es allerdings bei den Amseln. Lediglich 180 Tiere wurden gezählt - das bedeutetet einen Rückgang von 40 Prozent im Vergleich zu 2017. Ob sich dieses Phänomen allerdings auf eine immer wieder aufgetretene Amselkrankheit zurückführen lässt, können die Naturfreunde noch nicht sagen.

Im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen Elbe-Elster und Spree-Neiße haben sich im OSL-Kreis verhältnismäßig viele Menschen an der „Stunde der Wintervögel“ beteiligt. Im Elbe-Elster-Kreis nahmen laut Nabu 97 Naturfreunde an der Aktion teil, in Spree-Neiße 103.

Die Ergebnisse der Region decken sich mit den landesweiten Ergebnissen. In ganz Brandenburg atmen Ornithologen und Naturfreunde jetzt auf. „Bei einigen Arten hat sich die Situation nach Ausreißern im Vorjahr jetzt wieder normalisiert, zum Beispiel bei Blaumeise und Kleiber. Da waren die Zahlen im Vorjahr sehr niedrig und bei der Amsel sehr hoch. In Brandenburg liegen bislang nach dem Dauerspitzenreiter Haussperling die Kohlmeise auf Rang 2, gefolgt von Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Auf Rang 6 folgt der Grünfink, der leider einen anhaltenden Negativtrend aufweist, was offenbar auf das seit 2009 immer wieder regional auftretende Grünfinkensterben zurückzuführen ist“, so Christiane Schröder, Geschäftsführerin des Nabu Brandenburg.

Ein Kuriosum ist das Auftreten der Graugans in den Top 10 der Zählung, denn die Stunde der Wintervögel legt ja den Fokus auf die Arten des Siedlungsraumes. Vermutlich haben größere Gänsetrupps Gärten überflogen und wurden mitgezählt. „Das aber passt ins Gesamtbild“, so Christiane Schröder. „Während noch vor 20 Jahren im Winter kaum Graugänse hierblieben, sondern in Richtung Süd- und Westeuropa abgezogen sind, werden seit einigen Jahren allerorten kleine und größere Trupps auch noch im Januar beobachtet.“

Im vergangen Jahr beteiligten sich insgesamt 6250 Brandenburger an der Aktion. Der Nabu Brandenburg rechnet für dieses Jahr mit einer ähnlich hohen Beteiligung. Noch bis zum 15. Januar können die Beobachtungen per Online-Formular unter www.stundederwintervoegel.de gemeldet werden,