| 02:45 Uhr

Spaß an unterbezahltem Job mit scharfem Ergebnis

Konrad Elbing (r.) dängelt die Sense von Christel und Irimbert Stimming aus Wiednitz auf dem gut besuchten Frühlingsmarkt des Dorf- und Kinderfestes in Grünewald.
Konrad Elbing (r.) dängelt die Sense von Christel und Irimbert Stimming aus Wiednitz auf dem gut besuchten Frühlingsmarkt des Dorf- und Kinderfestes in Grünewald. FOTO: Steffen Rasche/str1
Grünewald. Der Frühlingsmarkt in der schönen Ortsmitte von Grünewald verbindet gute Stimmung und Unterhaltung für die ganze Familie am Sonntag mit der praktischen Pflicht für Haus und Hof.

(kw) Im Schatten des herrschaftlichsten Baumes auf dem Dorfanger in Grünewald hat sich Konrad Elbing, der vor zwei Jahren einen Bauernhof im beschaulichen Dorf vor der Landesgrenze zu Sachsen übernommen hat, mit Hammer und Amboss niedergelassen. Der bekannte Unternehmer aus Senftenberg bleibt in der ländlichen Arbeitskluft und mit dem Strohhut auf dem Kopf fast inkognito. Aber das jungenhafte Lachen verrät den Wahl-Grünewalder dann doch schnell. Konrad Elbing macht hier Sensen flott - und hat sichtlichen Spaß an der freiwillig völlig unterbezahlten und doppelt harten Arbeit.

Christel und Irimbert Stimming aus Wiednitz, dem schmucken Nachbardorf, haben das frisch im Baumarkt erstandene Gerät für den Wiesenschnitt mitgebracht. Auf der Klinge ist zwar mit einem großen Aufkleber vermerkt, dass diese Sense sofort einsatzbereit sei. Dies aber ist ein Trugschluss. Der Experte für die Dangel (regional auch Dengel), wie die Schneide der Sense hier genannt wird, muss erst ran. Denn das stumpfe Werkzeug erweist sich als gänzlich ungeeignet für einen scharfen Schnitt von saftigem Gras und Wildkräutern. "Wir sind für das Meerschweinchenfutter verantwortlich", klärt Christel Stimming schmunzelnd zum Ernst der Lage auf. Die Kinder leben in Dresden und bestehen auf das frische Grün für die Haustiere aus der Heimat. Der Nachschub wird auch schnell mal überraschend per Telefon angefordert, bestätigt die Wiednitzerin. Darauf stellt sich das Paar ein. Und deshalb dängelt Konrad Elbing nun die neue Sense. Zielsicher landet die Finne des Hammerkopfes auf der Schneide. Durch gezielte Schläge wird das Sensenblatt entlang der Kante so ausgezogen, verdünnt und dadurch geschärft. Der Stahl wird "kalt gehärtet", erklärt der Handwerker. "Früher hat das jeder Bauer selbst gemacht", erzählt er weiter. Über den guten Rat eines Zaungastes, hier sei zuerst mit dem Winkelschleifer anzugreifen, lächelt Elbing freundlich milde. Der rabiate maschinelle Einsatz arbeite gegen ein langes Leben des traditionellen Schneidgerätes. Für Kaninchen und Meerschweinchen sei die Sense unverzichtbar. Grünschnitt aus dem Rasenmäher, als Futter für die Haus- und Nutztiere auf dem Dorf eher verpönt, fressen nur Enten und Hühner. Gut eine Viertelstunde arbeitet Elbing an der Sense. Dann ist das Blatt scharf und sollte eine Saison lang beste Dienste leisten.