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Sparkasse Niederlausitz steuert neue Rekorde an

Sparkasse Niederlausitz
Sparkasse Niederlausitz FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Deutsche Banken ächzen unter der anhaltenden Niedrigzinsphase. Sparkassen im Westen schließen Filialen, wollen Öffnungszeiten reduzieren oder Gebühren anheben. Von der Bankenkrise völlig unbeeindruckt zeigt sich die Sparkasse Niederlausitz. „Unser Haus läuft super“, sagt deren Chef. jag

Wiener Schnitzel mit Rahmchampignons, dazu Kroketten und ein hauseigenes Pils. Lothar Piotrowski sitzt beim Mittagstisch im Restaurant des größten Blockhauses Europas - dem Léonwood-Hotel in Senftenberg. Der Chef der Sparkasse Niederlausitz spricht über den Erfolg seines Institutes, über dessen Zukunft und die Bankenkrise. Die Fragen beantwortet der gebürtige Düsseldorfer in seinem gewohnten, rheinischen Plauderton. Selbst die nach seinem Gehalt.

Sparkassen in Deutschland stöhnen seit der Niedrigzinsphase. Geld zu verdienen, werde unter diesen Bedingungen immer schwerer. Sie wollen Filialen schließen, die Öffnungszeiten reduzieren oder sie drehen an der Gebührenschraube. Die Sparkasse Hannover fasst in den nächsten Jahren insgesamt 19 Standorte zusammen oder schließt sie ganz.

Gleichzeitig wird die Kritik an den hohen Vorstandsgehältern immer lauter. Das Recherchenetzwerk Correctiv.org hat alle deutschen Sparkassen angeschrieben und nach den Bezügen der Chefs gefragt. Von einem Großteil gab's Antworten. Viele der Bankiers hüllen sich aber in Schweigen. Auf einer interaktiven Deutschlandkarte kann der Interessierte vergleichen: In Hamburg verdient einer der Sparkassenvorstände demnach durchschnittlich 853 000 Euro im Jahr. In Hannover 614 000 Euro.

Lothar Piotrowski will aus seinem Verdienst kein Geheimnis machen. Er antwortet den Journalisten, auch der RUNDSCHAU. Die Zahlen sind sowieso öffentlich. Piotrowski bestätigt: Er und das zweite Mitglied des Vorstandes, Marcus Starick, haben im vergangenen Jahr zusammen etwa 699 000 Euro verdient. "Wir sind beide nicht unterbezahlt", sagt der 61-Jährige. Er fühle sich aber gerecht entlohnt. Von Geheimniskrämerei halte er nicht viel - sie ließe ja den Schluss zu, jemand habe etwas zu verbergen.

Übersicht: Die teuersten Sparkassenvorstände - CORRECT!V.org

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Offen spricht Lothar Piotrowski auch über das Geschäft in seiner Sparkasse. "Unser Haus läuft super", sagt er. Und belegt das mit schwindelerregenden Zahlen. Die Bilanzsumme, sie gilt als Maßstab für die Größe eines Hauses und fasst schlichtweg alle Vermögenswerte zusammen, ist bei der Sparkasse Niederlausitz im vorigen Jahr um zwölf Millionen Euro auf 1,51 Milliarden Euro angeschwollen. Ende dieses Jahres steigt dieser Wert voraussichtlich auf ein Rekordniveau von 1,54 Milliarden Euro. "Wir werden weiter wachsen", kündigt Lothar Piotrowski an. Aber woher kommt das ganze Geld?

Hauptgrund für den immer größer werdenden Geldberg seien die weiter wachsenden Kundeneinlagen. Allein im vergangenen Jahr lagen diese bei knapp 1,3 Milliarden Euro. Das sind 31 Millionen Euro mehr als geplant. Auch das Kreditvolumen ist "sehr stark angestiegen" - auf 658 Millionen Euro. Der größte Teil kommt mit 308 Millionen Euro aus dem privaten Geschäft. Aber auch Firmen investieren wieder mehr und pumpen sich Geld bei der Sparkasse. In diesem Jahr steigt das gesamte Kreditvolumen wohl um rund 17 Millionen Euro auf 294 Millionen Euro, sagt Lothar Piotrowski.

All diese Zahlen führen schließlich dazu, dass das mit 320 Mitarbeitern größte Kreditinstitut des Oberspreewald-Lausitz-Kreises in diesem Jahr seinen Überschuss voraussichtlich auf 9,7 Millionen Euro steigern und im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln kann. In den vergangenen zehn Jahren erzielte das Unternehmen im Durchschnitt ein Ergebnis nach Steuern von rund neun Millionen Euro. Erstmals in der Geschichte steigt auch das Eigenkapital: auf wohl knapp über 200 Millionen Euro. "Das ist ein Polster für die Zukunft. Deshalb können wir relativ entspannt nach vorne schauen - trotz Niedrigzins und Überregulierung", sagt Lothar Piotrowski, der vor Kurzem seinen Vertrag als Sparkassen-Chef bis Juni 2022 verlängert hat.

Von Krise also keine Spur. Unter ihm werde es auch nicht zu Schließungen von Geschäftsstellen kommen. 16 Stück gibt es im Kreis. Auch die Öffnungszeiten sollen gleich bleiben. Und Stellenauslagerungen werde es auch nicht geben.

Was ist also das Erfolgsrezept der Sparkasse Niederlausitz? Die Oberspreewald-Lausitz ist ja nicht gerade für ihre hohe Millionärsdichte bekannt. Zudem verliert der Landkreis weiter an Menschen. Lothar Piotrowski glaubt, dass diese Leistung auch mit den von ihm geschaffenen Strukturen im Haus zu tun hat. "Vor zwölf Jahren habe ich angefangen, Hierarchien abzubauen", erklärt er. Drei Ebenen gibt es: Vorstand, Führungskräfte und Mitarbeiter. Zu viele Vorgesetzte zu haben, das führe zu Demotivation. Die Geschäftsstellenleiter sind auf Führungsebene angesiedelt. "Sie haben sehr hohe Kompetenzen. Es sind Unternehmer im Unternehmen", sagt Piotrowski. "Topmotivierte Mitarbeiter" zu haben, sei wichtig.

Vom Erfolg der Sparkasse profitiert auch die Region. Im Schnitt 1,5 Millionen Euro Gewerbesteuer zahlt das Bankhaus pro Jahr an Kommunen in OSL. Zudem kommt die regelmäßige Ausschüttung an den Landkreis. Wenn Piotrowskis Plan aufgeht, steigt die Summe in diesem Jahr auf 776 000 Euro. Und dann sind da noch Spenden und Sponsoring von bis zu einer halben Million Euro. Allein aus der PS-Lotterie werden 100 000 Euro pro Jahr an Vereine weitergereicht. Unterstützung erhalten auch das Netzwerk Gesunde Kinder und die Kinderuni an der BTU.

Lothar Piotrowski hat sein Schnitzel längst aufgegessen. Ob er angesichts der Krise beim Konkurrenten Deutsche Bank Schadenfreude verspüre? "Nein", sagt er. Es tue ihm leid. Die Bank sei ein Aushängeschild. "Wir werden weiter wachsen."

Zum Thema:
Die Sparkasse Niederlausitz beschäftigt nach eigenen Angaben 320 Mitarbeiter. 16 Geschäftsstellen betreibt das Geldhaus im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Hauptsitz ist Senftenberg. Die Bilanzsumme stieg im vergangenen Jahr auf 1,51 Milliarden Euro und wächst in diesem Jahr voraussichtlich auf den Rekordwert von 1,54 Milliarden Euro. Erstmalig weist das Unternehmen Ende dieses Jahres voraussichtlich eine Eigenkapitalquote von etwas mehr als 200 Millionen Euro aus. Der Jahresüberschuss, also das Ergebnis nach Steuern, lag im vergangenen Jahr bei 5,7 Millionen Euro und verdoppelt sich in diesem Jahr wahrscheinlich auf fast knapp zehn Millionen Euro.