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| 17:21 Uhr

Wachstum auf Rekordniveau
Sparkassen-Geld macht Kreis glücklich

Erfolgsrezept flache Hierarchien: Lothar Piotrowski motiviert seine Mitarbeiter immer wieder dazu, selbst Verantwortung zu übernehmen, so wie am Mittwochabend in Senftenberg. "Die Mitarbeiter sollen Unternehmer im Unternehmen sein", sagt er.
Erfolgsrezept flache Hierarchien: Lothar Piotrowski motiviert seine Mitarbeiter immer wieder dazu, selbst Verantwortung zu übernehmen, so wie am Mittwochabend in Senftenberg. "Die Mitarbeiter sollen Unternehmer im Unternehmen sein", sagt er. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen
Senftenberg. Personalabbau, Filialschließungen, Bankenkrise? Von wegen. Die Sparkasse Niederlausitz rennt zum nächsten Rekord.

Morgens ist Presseschau. Auch bei Lothar Piotrowski. Wenn der Vorstandschef des größten Geldhauses im Landkreis ins Büro kommt, liegt vor ihm auf dem Tisch ein dicker Stapel Ausdrucke mit den wichtigsten Finanznachrichten des Tages. Was er da zuletzt zu lesen bekommt, ist für seine Branche nicht sonderlich erbaulich und rückt diese oft in ein schlechtes Licht. Aktuell macht das Thema Filialsterben die Runde in der deutschen Medienlandschaft. Nicht nur Sparkassen schließen immer häufiger ihre Geschäftsstellen. Nach einer Studie der staatlichen Förderbank KfW nimmt das Tempo hierfür zu. Deutschlands Bankenmarkt hat demnach seit der Jahrtausendwende mehr als 10 000 Filialen von einst 38 000 Standorten verloren. Für die KfW sind die Digitalisierung, neue Wettbewerber und Kundenwünsche die Hauptgründe für den Trend. Immer mehr Menschen wollen ihre Überweisung schnell und online von zu Hause erledigen. Es gibt aber auch Regionen, in denen der Bankenmarkt unverändert erhalten ist.

Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis gehört dazu. 16 Filialen der Sparkasse Niederlausitz gibt es hier. „Nicht alle laufen rentabel“, räumt Lothar Piotrowski ein. Dicht machen will er trotzdem keine. Solange sein Haus trotz „schrumpfenden Marktes bei unveränderter Konkurrenzsituation, weiterer Überregulierung und der katastrophalen Geldpolitik von Herrn Draghi“ - dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank - erfolgreich Erträge erwirtschaftet, gebe es dafür auch keinen Grund.

Im zurückliegenden Jahr sei das Betriebsergebnis nach Steuern auf 11,2 Millionen Euro angestiegen, das wirtschaftliche Eigenkapital sogar auf ein Rekordniveau von 209 Millionen Euro. „2017 ist deutlich besser gelaufen, als ich erwartet habe. Da kann man von einem sehr guten Ergebnis sprechen“, sagt Lothar Piotrowski und versichert: „In meiner Amtszeit wird es keine Filial-Schließung geben.“ Bis Juni 2022 läuft der Vertrag des heute 62-Jährigen noch.

Mindestens bis dahin will Lothar Piotrowski auch die zur Tradition gewordenen, von ihm blumig umschriebenen Bilanz-Ansprachen bei den Neujahrsempfängen fortführen. Beim jüngsten Fest mit rund 600 Gästen in der Hauptgeschäftstelle in Senftenberg hat der gebürtige Düsseldorfer das rheinische Grundgesetz zu Hilfe genommen. Artikel 5: „Mer muss och jünne könne“, sagt er in astreinem Rheinisch. Zu Deutsch: Man muss auch gönnen können. Was er meint, sind die jährlichen Zahlungen seiner Sparkasse an die Kommunen, an den Landkreis und an Verbände und Vereine. „Wir schütten knapp 900 000 Euro an den Landkreis aus und zahlen 2,2 Millionen Euro Gewerbesteuer“, erklärt Piotrowski. Für Spenden und Sponsoring wurden im Vorjahr 500 000 Euro ausgegeben.

Der Landkreis, als Träger der Sparkasse, hängt damit auch an ihrem Tropf. „Die Ausschüttung der Sparkasse Niederlausitz hat für den Landkreis eine wesentliche Bedeutung und bildet eine feste, verlässliche Einnahmequelle“, betont Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Eingesetzt werde das Geld für gemeinnützige Zwecke, beispielsweise also für Kultur- und Bildungs-Projekte. Die Auszahlungen „sind nebenbei bemerkt - insbesondere im Vergleich zu anderen Sparkassen im Ostdeutschen Sparkassenverband - nicht selbstverständlich. Dies wissen wir sehr zu schätzen“, teilt Siegurd Heinze mit, der von Amts wegen auch Chef des Verwaltungsrates ist.

Doch wie kommt es nun, dass viele Banken in Deutschland jammern, nur die Sparkasse Niederlausitz nicht? Für Lothar Piotrowski heißt die Erfolgsformel „sehr flache Hierarchien“. Das verkürzt die Entscheidungswege, sagt er. Gleichzeitig steige die Verantwortung jedes Einzelnen. Die 307 Mitarbeiter motiviere er deshalb immer wieder, Unternehmer im Unternehmen zu sein. Und er vertraut ihnen offenbar: „Wir bauen kein Personal ab“, versichert er.

Die Eigenkapital-Kurve der Sparkasse Niederlausitz zeigt weiter nach oben.
Die Eigenkapital-Kurve der Sparkasse Niederlausitz zeigt weiter nach oben. FOTO: Sparkasse Niederlausitz/ Elisabeth Wrobel / LR