Die ambulanten sozialen Dienste im Landkreis Oberspreewald-Lausitz-Kreis werden ab dem kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung haben. Der jährliche Zuschuss beträgt dann 655 000 Euro, bisher waren es etwa 611 000 Euro. Der Kreisanteil liegt bei etwa 172 000 Euro, den Rest zahlt das Land Brandenburg. Beantragt haben die Dienste allerdings fast 750 000 Euro.

Wohlfahrtspflege blickt mit Sorge in Zukunft

Die Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Landkreis begrüßt den kürzlich beschlossenen Kreistagsbeschluss, der bis Ende 2022 gelten soll. Allerdings blickt er angesichts steigender Tarife mit Sorge in die Zukunft. „Die Lohnkostenzuwächse im pflegerischen und sozialpädogischen Bereich sind teilweise dramatisch“, erklärt Liga-Sprecher Jan Rex. Selbst Träger, die ihre Leistungen mit einem hohen Anteil an ehrenamtlichen Kräften erbringen, kämen nun vermehrt stark unter Kostendruck.

Fördermittel decken die Kosten nicht

„Typische Fördersummen wie 30 000 Euro decken immer weniger die auch nur anteiligen Kosten einer Planstelle“, so Rex. Die Liga vermutet deshalb, dass die aktuelle Struktur der ambulanten Versorgung über das Jahr 2022 hinaus „nur aufrecht erhalten oder gar bedarfsgerecht ausgeweitet werden kann, wenn die Fördersummen sich künftig erhöhen“.

Das Sozialamt des Landkreises plädiert vor dem Hintergrund der soziodemografischen Daten in Oberspreewald-Lausitz dafür, dass alle bisherigen Projekte und Dienste auch weiterhin gefördert werden. In seinem Bericht für den Kreistag listet es diese relevanten Fakten auf:

Mehr Sterbefälle als Geburten in Oberspreewald-Lausitz

Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz leben derzeit etwa 110 662 Menschen (Stichtag: 31. Oktober 2018). Das sind gut 54 000 Einwohner weniger als 1990. Die Prognose für 2030 geht von einer Bevölkerungszahl von knapp 100 000 Einwohnern aus. „Ursachen für die sinkende Einwohnerzahl sind nicht nur der Wegzug, sondern auch das Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen“, berichtet Robert Kersten, der Leiter des Sozialamtes. „Im Jahr 2017 starben 1684 Menschen, aber nur 841 wurden im gleichen Jahr geboren.“

Gleichzeitig steigt die Anzahl älterer Menschen. Schon jetzt sind fast 30 Prozent der Einwohner über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. Auch gebe es immer mehr Menschen mit Behinderungen. Ihr Anteil ist von acht Prozent im Jahr 1996 auf aktuell über 14,3 Prozent gestiegen.

Sozialamts-Chef rechnet mit Demenz-Dunkelziffer

Zunehmend ist auch der Anteil der Menschen, die an Demenz erkranken. Waren 2009 noch etwa zwei Prozent der Bevölkerung betroffen, sollen es 2040 schon knapp fünf Prozent sein, also etwa 4150 Menschen. „Die Dunkelziffer liegt aber sicher sehr viel höher“, glaubt Sozialamts-Chef Robert Kersten.

Zu spüren bekommt das auch der Pflegestützpunkt in Senftenberg. Der Verein Neue Wege hält hier seit 16 Jahren ein spezielles Beratungsangebot für betroffene Familienangehörige vor. Zurzeit müssen die Hilfesuchenden für einen individuellen Beratungstermin eine Wartezeit von mindestens 14 Werktage einplanen.

Wegen der ländlich geprägten Region müssen die beiden Mitarbeiter immer öfter auch zu Hausbesuchen fahren. Nun sollen die wöchentliche Arbeitszeit aufgestockt und eine neue Teilzeitkraft eingestellt werden. Der jährliche Zuschuss erhöht sich von 45 000 auf 55 000 Euro.

Mehrere Soziale Dienste werden gefördert

Neben der Demenzberatungsstelle werden unter anderem weiter gefördert: Sozialarbeiter in Senftenberg, Großräschen, Schwarzheide, Ruhland, Lauchhammer, Vetschau, Calau und Lübbenau, der Familienunterstützende Dienst (FUD) in Senftenberg, die allgemeine soziale Beratung in Senftenberg und Großräschen, der Verein Harlekids, die Gehörlosenberatungsstelle, der ambulante Hospizdienst, die Arbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe, der Verein Kooperationsanstiftung, der Verein zur Hilfe Sozialschwacher, die Beratungsstelle für Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten und das Netzwerk Pflege für lokale Pflegestrukturen.

Hoher Anteil an Hartz-IV-Empfängern


Relevant für den Kreistagsbeschluss zur Weiterförderung ambulanter sozialer Dienste sind auch die Arbeitslosenzahlen, da der Landkreis Oberspreewald-Lausitz der sachlich zuständige Sozialhilfeträger ist. Im Dezember vergangenen Jahres gab es hier 10 149 Hartz IV-Empfänger. 218 Bürger bezogen im Dezember vergangenen Jahres die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Einrichtungen und 887 außerhalb von Einrichtungen.

Betrachtet werden müssen auch die Menschen nach dem Pflegeversicherungsgesetz. Hier gab es im Jahr 2017 insgesamt 5718 Leistungsempfänger. 1566 Pflegebedürftige erhielten ambulante Pflege durch Pflegedienste, 2883 nahmen das Pflegegeld der Pflegekassen in Anspruch und 1266 Pflegebedürftige hatten 2017 einen Anspruch auf stationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung.