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Sorno-Rosendorfer Buchten sollen geschützt werden

Senftenberg. Die Tier- und Pflanzenwelt rund um den Rostigen Nagel soll dauerhaft geschützt werden. Im April steht der Beschlussvorschlag für das geplante Naturschutzgebiet "Sorno-Rosendorfer Buchten" auf der Tagesordnung des Kreistages im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Denn das knapp 1100 Hektar große Areal bietet nach Ansicht der Unteren Naturschützbehörde auf engstem Raum verschiedenste schützenswerte Naturräume. Das aber sehen nicht alle so. Heidrun Seidel und Torsten Richter

Nur ein paar Hundert Meter vom Tourismusmagneten Rostiger Nagel entfernt präsentiert sich das ursprüngliche Lausitzer Seenland - rau, wild und ziemlich unwegsam. Was für den Menschen eher nachteilig ist, lässt Pflanzen- und Tierwelt aufatmen. Denn nur selten findet sich ein Mensch in die dortige Vielzahl verschiedenster Lebensräume auf engstem Raum. Da gibt es unter anderem alte Kiefernmischwälder, Offenlandbereiche, Gewässerbuchten mit strukturreichen Verlandungszonen sowie hier und da nackten Kippenboden. Besonders die Vogelwelt fühlt sich in dem 1090 Hektar großen Gebiet sichtlich wohl. Nach Angaben von Naturschützern leben dort unter anderem Ziegenmelker, Wiedehopf, Flussregenpfeifer, Brachpieper, Heidelerche und zahlreiche weitere Arten -

Vögel, die in anderen Teilen Brandenburgs teilweise schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorkämen.

Jetzt soll diese Naturidylle dauerhaft geschützt werden. In seiner Sitzung am 10. April wird der Kreistag Oberspreewald-Lausitz über die Verordnung zum geplanten Naturschutzgebiet (NSG) "Sorno-Rosendorfer Buchten" befinden. Auf der letzten Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses der Legislaturperiode haben die Abgeordneten und Ausschussmitglieder bereits über das Verfahren diskutiert. Da wurde, wie auch schon in einem 44 Seiten langen Abwägungsprotokoll, deutlich: Nicht alle jubeln über das Vorhaben. Denn der Schutz von Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt kann mitunter auch die Menschen einschränken. Immerhin enthält die Verordnung zur Schaffung des NSG auch 28 Verbote: vom Bau von Freizeitanlagen über das Aufstellen von Verkaufswagen, das Baden, Angeln bis zum Überfliegen. Besonders Letzteres stört die Ultraleichtflieger des Sonderlandeplatzes Kleinkoschen, weiß auch Ausschussvorsitzender Peter Biegel. Sie drehen ihre Platzrunde zum Starten und Landen über zukünftiges Schutzgebiet. Angler ärgern sich über ein Fischereiverbot. Das allerdings betreffe weniger als zehn Prozent der Fläche des Sedlitzer Sees, beruhigt die Naturschutzbehörde. Und außerdem gebe es - wie für das Überfliegen auch - die Möglichkeit von Sondergenehmigungen. Dennoch scheint es auch - obwohl es nach zahlreichen Einsprüchen Korrekturen an den Grenzen des Gebietes gegeben hat - dass noch nicht alle Fragen, wie beispielsweise die Schiffbarkeit der dazugehörigen Wasserflächen, sicher geklärt sind. Umweltamtsleiter Bernd König erläuterte den Abgeordneten, dass im Laufe der vier Jahre, in denen das Projekt des Naturschutzgebietes gereift ist, viele unterschiedliche Interessenlagen unter einen Hut zu bringen waren. Dazu gehörten auch Einsprüche wie die des Landesbüros der anerkannten Naturschutzverbände, denen das unter Schutz gestellte Gebiet nicht ausreicht. Es entspreche nicht mehr den ursprünglichen Renaturierungsflächen. Andere - wie die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) - zweifeln aufgrund des bestehenden Sanierungsaufwandes an der Richtigkeit der Unterschutzstellung. Doch die Beschlussvorlage steht. Denn die meisten Zweifler sieht die Untere Naturschutzbehörde nach dem jahrelangen Entwicklungsprozess besänftigt. Für sie ist das neue Naturschutzgebiet in erster Linie ein artenreicher, unbebauter und vor allem weitgehend durch Straßen und Bahntrassen unzerschnittener Lebensraum innerhalb einer früheren Tagebaulandschaft. Darüber hinaus diene dieses Gebiet als eine Art "Initial" zur Wiederbesiedlung weiterer Kippenbereiche mit Fauna und Flora innerhalb der Restlochkette.