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| 18:39 Uhr

Nächtliche Fressattacke
Sorge nach Wolfsriss am Schwarzheider Stadtrand

Am Stadtrand von Schwarzheide, kurz vor dem Ferdinandsteich, ist in der Nacht zu Donnerstag ein Wildschwein gerissen worden.
Am Stadtrand von Schwarzheide, kurz vor dem Ferdinandsteich, ist in der Nacht zu Donnerstag ein Wildschwein gerissen worden. FOTO: Simone Streubel
Schwarzheide. Wenn Wölfe hungrig sind, ist ein leckeres Wildschwein eine leckere Beute. Ein unheimliches Erlebnis hatte in dieser Hinsicht ein Rentner in Schwarzheide. Von Jan Augustin

Für Winfried Petersohn ist die Nacht zu Donnerstag genau um 2 Uhr beendet gewesen. „Da war Krach. Das hörte nicht auf. Plötzlich ein quieken“, beschreibt er sein Erlebnis. Ein Tag später stellt sich heraus: Vermutlich ein oder mehrere Wölfe haben nur ein paar Schritte vom Haus entfernt ein Wildschwein gerissen. Der Senior aus Schwarzheide wohnt am Stadtrand am Ende einer Straße. Dahinter Wald. Bis zum Ferdinandsteich sind es nur wenige Meter. Winfried Petersohn ist kein ängstlich Mann. „Aber so nah am Haus, das ist schon bedenklich“, sagt er. Im Wohngebiet gebe es schließlich viele Kinder.

Dass ein Wolf verantwortlich war für die nächtliche Ruhestörung, davon ist Simone Streubel überzeugt. Nicht im Dienst, sondern aus privatem Interesse war die Revierförsterin eine der ersten am Fundort. Der Kehlbiss sei typisch für den Wolf. Sie schätzt, dass etwa zehn bis 15 Kilogramm Fleisch gefressen worden sind. „Ich gehe davon aus, dass es ein Rudel ist“, sagt sie. Dass der Wolf so nah an die Stadt gekommen ist, habe etwas mit der Feindvermeidungssrategie des Schwarzwildes zu tun. Das Wild ziehe sich immer immer weiter in Richtung bewohnter Zonen zurück.

Am Stadtrand von Schwarzheide ist ein Wildschwein gerissen worden - mit großer Wahrscheinlichkeit von einem oder mehreren Wölfen. Hier ist der typische Kehlbiss zu erkennen.
Am Stadtrand von Schwarzheide ist ein Wildschwein gerissen worden - mit großer Wahrscheinlichkeit von einem oder mehreren Wölfen. Hier ist der typische Kehlbiss zu erkennen. FOTO: Simone Streubel

„Da hat er sich völlig normal verhalten“, will der Wolfsbeauftragte Dr. Reinhard Möckel beruhigen. Bedenklich wäre es gewesen, wenn der Wolf am Tage zugeschlagen hätte. „Der Wolf folgt immer seiner Beute“, erklärt der Experte. Auffällige Wölfe gebe es im Süden Brandenburgs nicht. „Wenn es aber ernst wird, schreiten wir zur Tat“, versichert er. Derzeit leben Möckels Angaben zufolge etwa 100 Wölfe in der brandenburgischen Lausitz – also von Lübben im Norden, Guben im Osten, Herzberg im Westen bis zur Landesgrenze im Süden. Der Bestand sei im vergangenen Jahr noch leicht angewachsen. Diesen Zuwachs gebe es jetzt nicht mehr. Wegen der innerartlichen Konkurrenz und dem für Wölfe ungünstigem Seenland seien etwa die Rudel bei Senftenberg und Hohenbocka schon verschwunden. „Wir haben die maximale Dichte erreicht“, glaubt Möckel.