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| 02:52 Uhr

Sogar die Biomasse wird angezapft

Das Forschungsinstitut Deutsches Kohlenstoff-Transformationszentrum hat in dem im Mai eröffneten Innovationszentrum Senftenberg seinen Sitz und ist dort der vierte Mieter. Im Vordergrund: Projektleiter Burkhard Zschau und die Senftenberger Büroleiterin Michaela Baller.
Das Forschungsinstitut Deutsches Kohlenstoff-Transformationszentrum hat in dem im Mai eröffneten Innovationszentrum Senftenberg seinen Sitz und ist dort der vierte Mieter. Im Vordergrund: Projektleiter Burkhard Zschau und die Senftenberger Büroleiterin Michaela Baller. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. In Senftenberg ist am Montag das Deutsche Kohlenstoff-Transformationszentrum (DKTZ) eröffnet worden. Es soll die Kompetenzen bei der nachhaltigen technologischen Nutzung von kohlenstoffhaltigen Ressourcen bündeln und in Projekte überführen. Manfred Feller

Aus Braun- und Steinkohle kann mehr Energie herausgeholt werden als durch die Verbrennung. Daran arbeiten Forscher seit vielen Jahrzehnten auf den unterschiedlichsten Gebieten. Im Deutschen Kohlenstoff-Transformationszentrum mit dem künftigen Vereinssitz in Senftenberg sollen Partner aus Forschungseinrichtungen, der regionalen Wirtschaft und der Industrie kooperieren, um neue Konzepte, Prozesse und Verfahren zu entwickeln und erfolgreich in die Praxis umzusetzen.

Kohle wird vergast

Dreh- und Angelpunkt ist der Kohlenstoff. Dieser soll für die Strom- und Wärmegewinnung nicht uneffektiv verbrannt, sondern in bereits praktizierten Verfahren vergast werden, um daraus Methan herzustellen. Dabei werde eine CO-Ersparnis von etwa 40 Prozent erreicht. Mit dem Gas wiederum werden in Klein- und Großanlagen Strom und Wärme erzeugt. Es dient aber auch in der chemischen Industrie zur Herstellung von Kraftstoffen und chemischen Grundstoffen.

Das Ziel der Forschungen sei es, den notwendigen Kohlenstoff zunehmend von anderen Pfaden zu beziehen, so Dr. Uwe Mixdorf, Geschäftsführer des finanziell beim DKTZ in Vorleistung gehenden Unternehmens Netzwerkmanagement Faktor-i3 GmbH aus Ehrenfriedersdorf (Sachsen).

Kohlenstoff auch aus Abfällen

Bei der Kohle sei die Umwandlung in Gas, Strom und Wärme bereits jetzt wirtschaftlich. Künftig soll der benötigte Kohlenstoff auch aus Biomasse (wirtschaftlich ab dem Jahr 2025), aus Abfall (2030) und sogar aus der Luft (2045) rentabel gewonnen werden können. Insgesamt spricht Projektleiter Burkhard Zschau in diesem Zusammenhang von "einem Schritt nach vorn beim Klimaschutz". Zumal sich für innovative Technologien auf diesem Gebiet viele Länder mit Kohlenutzung bereits jetzt brennend interessieren würden.

Die Produktion von synthetischem Erdgas aus Kohlenstoff bringe weitere Vorteile: Für diesen Prozess könne reichlich überschüssige Wind- und Sonnenenergie genutzt werden.

Die sogenannten Chemiekraftwerke würden zudem die Stromnetze entlasten, indem sie in Überangebotszeiten Energie abnehmen sowie in Spitzenverbrauchs- oder Schwankungszeiten die Versorgung sicherstellen.

Und das alles mit einem regionalen Produkt, das Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Lausitz sichert und, so Dr. Uwe Mixdorf, als marktreife Technologie weltweit vermarktet werden könne.

Außerdem könne man durch das selbst erzeugte Gas, das in einem schon vorhandenen Leitungsnetz transportiert wird, Kosten in Milliardenhöhe für ansonsten notwendige Energiespeicher und den Netzausbau sparen. Gasimporte könnten reduziert werden.

Die nächsten Schritte seien, für die Forschungsprojekte binnen weniger Monate die Förderunterlagen bei EU, Bund oder Land einzureichen. Bereits im nächsten Jahr solle eine Demonstrationsanlage (Umbau einer vorhandenen Anlage in der Lausitz) in Betrieb gehen und ab 2020 das Großprojekt Chemiekraftwerk starten.

Landespolitiker aus Brandenburg und Sachsen, Vertreter der Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße, aus Senftenberg, der BTU und der Wirtschaft begrüßten am Montag die Eröffnung des DKTZ als künftiges überregionales Forschungsinstitut.

Zum Thema:
Die Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH hat den Aufbau eines Deutschen Kohlenstoff-Transformationszentrums (DKTZ) beschlossen und gewährt für die ersten fünf Monate eine Anschubfinanzierung in Höhe von 20 000 Euro. Das Netzwerkmanagement erfolgt im Innovationszentrum Senftenberg. Der Forschungsstandort werde sich im Industriepark Schwarze Pumpe befinden. Angestrebt wird eine anwendungsorientierte Forschungszusammenarbeit zwischen der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Fraunhofer Institut für keramische Systeme (IKTS) Dresden sowie weiteren Forschungseinrichtungen, regionalen und überregionalen Partnern, auch aus der Industrie.