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| 01:00 Uhr

Sinnvoll über Tod und Leben nachdenken

In der modernen Gesellschaft bleibt wenig Platz für den Tod als Alltagsthema. Doch auch wenn er meisterhaft verdrängt wird: Der Tod gehört zu unserem Leben. RUNDSCHAU fragte Frank Hirschmann, der als Pfarrer bei Beerdigungen oder als Notfallseelsorger in Krisensituation tätig ist: Wie trauern wir richtig?


Von unseren Großmüttern wissen wir - ein Jahr in Schwarz gehen, dann ist genug getrauert. Ist da etwas dran„
Das ist vielleicht ein äußeres Zeichen auch bei älteren Menschen auf dem Lande. Richtig ist, dass etwa ein halbes bis ein Jahr nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen auch wieder andere Dinge im Leben ans Licht kommen. Die Trauer vollzieht sich in verschiedenen Phasen.

Welche sind das“
Zuerst kommt der Schock. Der hält einige Stunden bis Tage an. Die Menschen können es nicht fassen, nicht begreifen, bäumen sich auf, wehren sich. Danach gewinnen sie wieder die Kontrolle, versachlichen das Geschehen. Das hält bis zur Beerdigung oder etwas länger an. Da sind Dinge zu erledigen oder zu kontrollieren. In einer nächsten Phase kommt der Rückzug, die Regression. Die dauert einen bis drei Monate nach dem Verlust. Es ist eine schwierige Zeit, von starken Gefühlsschwankungen gekennzeichnet, von großer Sehnsucht, aber eben auch von Rückzug aus dem Leben. Nach etwa einem Jahr kehren die Hinterbliebenen meist ins Leben zurück und neben wahr, dass es auch eine Zukunft gibt.

Wer sich dieser Phasen bewusst wird, kommt besser klar„
Ich denke schon, sowohl Betroffene als auch Freunde. Man sollte sinnvoll über Leben und Tod nachdenken statt zu verdrängen. Dazu gehört eben auch, zu begreifen, dass es für das Leben keine Garantie gibt, es allzeit bedroht sein kann durch die banalsten Dinge.

Wie gelingt Trauerarbeit“
Die Trauernden dürfen nicht behindert werden, ihre Gefühle auch in Klagen oder Anklagen zu äußern. Sie geraten in ein emotionales Chaos und müssen das vor allem durch das Ordnen ihres Verhältnisses zu dem Verstorbenen aufarbeiten. Die Realität des Todes darf nicht geleugnet werde, und es muss den Trauernden auch erlaubt sein, solche Gefühle zu äußern, die moralisch nicht akzeptabel erscheinen. Sie brauchen oft Hilfe für die Entscheidung zum Leben. Dabei helfen Gespräche in dieser Phase des Rückzuges besonders.

Es fragte Heidrun Seidel.